Printausgabe der Tiroler Tageszeitung vom Do, 08.02.2018


Bezirk Schwaz

Pony Filou verschwand „zum Schutz“ von der Bildfläche

Ein Pferd, zwei Sichtweisen, viele Sorgen und noch mehr Ärger – nun bekam Filou das Ausmaß des Streits um ihn zu spüren.

© PferdebesitzerinDas Pony Filou wechselte vor rund zwei Jahren den Besitzer. Seither ist ein Streit um die Haltung des Pferdes entbrannt.



Von Eva-Maria Fankhauser

Schwaz – Ein Hilferuf sorgte vor wenigen Tagen auf Facebook für Furore. Die Sorge gilt einem Pony namens Filou, das laut Facebook-Posting nicht artgerecht gehalten werde und dem es schlecht gehe. Auf Bildern ist ein mageres, weißes Pferd mit struppigem Fell zu sehen. Mitleid regte sich bei unzähligen Menschen, die online ihren Unmut kundtaten, den Beitrag über 800-mal teilten und zur Hilfe aufriefen.

Dann der nächste Schock: Filou ist über Nacht verschwunden. „Keiner weiß, ob es noch lebt oder sie es im Kuhstall eingesperrt oder irgendwo anders hingebracht haben“, beschwerte sich eine Facebook-Nutzerin. Der Schock sitzt aber vor allem bei der ehemaligen Besitzerin Karin Unterkircher tief. „Es tut mir im Herzen weh“, sagt sie. Ursprünglich habe sie das Pony an jemand anderen verkauft. Filou brauche nämlich viel Fürsorge. Das Pferd leidet an einer chronischen Lungenkrankheit und einem so genannten Sommer-Ekzem. Das war auch schon vor dem Verkauf so. „Er braucht viel Pflege. Die jetzigen Besitzer bemühen sich sicher um Filou, aber ich befürchte, das ist einfach zu wenig. Für sie ist es das falsche Pferd“, sagt Unterkircher. Zudem würde es dem Tier nicht gut gehen, da es alleine anstatt mit einem zweiten Pony gehalten wird. Selbst vor Ort sei Unterkircher nie gewesen, zu groß sei das Verlangen, das Pony zurückzuholen.

Vom Amtstierarzt bis hin zu Tierschutzorganisationen – man habe versucht, alle zu mobilisieren, um dem Pony zu helfen. Der Schwazer Amtstierarzt Peter Kastlunger kennt Filou und beruhigt: „Dem Pferd geht es gut. Als es übernommen wurde, war es genauso mager wie jetzt.“ Er bestätigt die Erkrankung des Tieres. Sieht aber keinerlei Anlass einzuschreiten. „Die ehemaligen Besitzerinnen wollen das Pferd unbedingt retour haben. Das ist zu einer richtigen Hetze gegen die Besitzer, die Behörde und mich ausgeartet“, sagt Kastlunger. Er wolle die Angriffe zur Anzeige bringen. „Ich halte mich an die Mindestanforderung des Tierschutzgesetzes“, sagt er.

Dass Filou plötzlich verschwunden ist, weiß der Tierarzt. „Ich habe empfohlen, das Tier aus der Schusslinie zu nehmen, um wieder etwas Ruhe reinzubringen“, sagt Kastlunger. Er habe das Tier am Mittwoch zuletzt gesehen und es sei wohlauf. Ein zweiter Tierarzt aus dem Bezirk erklärt, dass es keine (tierschutz-)rechtliche Handhabe gebe, um das Tier den Besitzern abzunehmen oder gar einzuschläfern.

Filous Besitzerin bestätigt im TT-Gespräch, dass es dem Pferd gut gehe und es zu seiner Sicherheit vorübergehend in einem Stall untergebracht worden sei. Sie habe Angst, dass es plötzlich verschwindet. Die Pferdebesitzerin wolle anonym bleiben. Sie wisse, dass es nicht optimal sei, dass das Pony alleine gehalten werde, aber „wir schauen gut auf Filou“. Den Vorwurf Unterkirchers, dass Filou das ganze Jahr über im Freien sein müsse, verstehe die jetzige Besitzerin nicht. „Zuerst hieß es, er sei im Stall zu eingezwängt. Dann wurde uns vom Amtstierarzt ein Zelt verordnet. Jetzt heißt es wieder, er erfriere“, sagt sie.

Die vielen Anfeindungen im Netz lassen sie nicht kalt, verstehen könne sie sie aber nicht. „Wir tun alles, damit es Filou gut geht und wir haben alle Wünsche, die von Tierschützern gefordert wurden, erfüllt.“ Es sei eine große Aufgabe für sie, aber ein guter Grund spreche dafür: Er tut ihrer Tochter gut. Das Mädchen mit Handicap ist bereits vor dem Kauf von Filou auf dem Pony geritten. Der Reitunterricht habe positive Auswirkungen. Auch Kastlunger bestätigt: „Das Kind hängt sehr am Pferd.“