Printausgabe der Tiroler Tageszeitung vom Do, 08.02.2018


Innsbrucker Klinik

Kritik an Kinderambulanz: Rezept gegen die Warterei

„Überproportional“ viele Patienten auf der Kinderambulanz: Gemeinsam mit dem Land Tirol will man für Verbesserung sorgen. Zu wenig Personal sieht der Klinikchef nicht.

© KeystoneBis zu 100 Kinder werden an Wochenenden in der Ambulanz (Symbolfoto) behandelt. Dabei gibt es etwa in Innsbruck einen eigenen kinderärztlichen Notdienst.



Von Marco Witting

Innsbruck – Die lange Wartezeit einer Mutter und deren achtjähriger Tochter am vergangenen Wochenende in der Kinderambulanz der Innsbrucker Klinik, veröffentlicht durch einen Leserbrief in der gestrigen TT, hat Kinderklinik-Chef Thomas Müller nach eigenen Angaben „in der Seele wehgetan“. Die Situation lasse sich einerseits sehr einfach erklären. Und andererseits arbeite man gemeinsam mit dem Land Tirol seit Monaten auch an einer möglichen Verbesserung für den Ambulanzbereich.

Thomas Müller, Direktor der Kinderklinik.
- Thomas Boehm / TT

Die Mutter hatte sich in dem Leserbrief darüber beklagt, dass sie sechs Stunden auf eine Untersuchung am Sonntagabend warten musste. Eine Zeitspanne, die schon für Erwachsene kaum zu ertragen sei – und die der Genesung der kranken Tochter kaum zuträglich sein könne, wie die Frau schrieb. Zur Klinik geschickt wurde die Mutter vom ärztlichen Notdienst. Ein Umstand, den Müller besonders lobend erwähnt. „Wir haben ärztliche Notdienste in vielen Gemeinden, in Innsbruck-Stadt sogar einen kinderärztlichen Notdienst, die uns in Spitzenzeiten natürlich entlasten. Viele Eltern wissen das oft gar nicht und ihr erster Gedanke ist, die Kinder dann an die Akutambulanz zu bringen.“ Rund 100 Kinder werden so an einem Wochenende dort behandelt. Das klingt schon nach relativ viel, ist laut Müller aber aufgrund der Schwere der Fälle oft mit einem wesentlich höheren Zeitaufwand verbunden, als dies in einer normalen Praxis der Fall wäre. Zumal die Mediziner oft auch mit den Oberärzten Rücksprache halten müssten.

Klar sei, dass es aktuell durch die grassierende Grippewelle besonders viele Fälle in den Ambulanzen gibt. Derzeit seien die Patientenzahlen „überproportional“ hoch. „Neben den Notdiensten wäre es auch hilfreich, wenn die Eltern nicht gleich am Vormittag auf die Ambulanz kommen würden, wo die Ärzte alle Visite auf der Station haben.“ Zwischen 13 und 18 Uhr sei deshalb die beste Zeit für eine Behandlung – weil sich vormittags eben viel anstaue. Eine Lanze bricht Müller für die Eltern. Es sei sehr schwer für diese zu beurteilen, wie sehr das Kind erkrankt ist.

Ist der Andrang an der Akut­ambulanz aber besonders stark, so würden die kleinen Patienten kategorisiert. „Wir unterscheiden hier drei Stufen. Absolute Notfälle, die natürlich sofort von einem Arzt angeschaut werden. Dann mittlere Fälle und dann leichtere, bei denen es zu Wartezeiten kommen kann.“

Diese seien nicht zu vermeiden, erklärt Müller, würden aber auch das Personal schmerzen. „Wir sind prinzipiell mit dem Land Tirol schon seit einiger Zeit in Gesprächen, dass es hier eine Verbesserung in den Randzeiten gibt“, sagt der Chef der Kinderklinik. Vorbild ist das Erstaufnahmezentrum der Inneren Medizin – die TT berichtete. An den Wochenenden springt dort der niedergelassene Bereich ein. So etwas kann man sich auch bei der Kinderklinik vorstellen. Es sei klar, dass die Krankenkassen auch in den Randzeiten ihren Beitrag leisten könnten.

Müller hofft, dass sich in diesem Bereich in den kommenden Wochen und Monaten etwas bewegt. Kritik bezüglich zu wenig Personal, die auch die betroffene Mutter im Leserbrief äußerte, will Müller aber nicht gelten lassen. Im Gegenteil. Innsbruck liege, was die Facharztstellen betreffe (im Journaldienst sind es sieben), europaweit „an der Spitze“. Müller: „Wir versuchen, mit vielen kleinen Schritten, etwa einem Laborgerät, das wir angeschaffen haben, um die Wartezeit zu verkürzen, die Lage weiter zu verbessern. Wenn alle an einem Strang ziehen, wird uns das auch gelingen.“

Denn dass der Run auf die Ambulanzen von Patientenseite weniger werde, daran glaubt eigentlich niemand.