Printausgabe der Tiroler Tageszeitung vom Fr, 09.02.2018


Bezirk Schwaz

Teure Staatsbürgerschaft: 1300 Euro, um Österreicher zu werden

Zwei im Zillertal lebende Deutsche wären gern Österreicher. Doch so einfach ist das nicht.

© MühlangerWer Österreicher werden will, muss unter anderem die österreichische Geschicht­e kennen und 1300 bzw. 1600 Euro zahlen.



Von Angela Dähling

Schwaz – Derzeit leben in Tirol rund 97.200 Personen (13 % der Wohnbevölkerung) im wahlberechtigten Alter, die bei den bevorstehenden Landtagswahlen ihre Stimme nicht abgeben können. Der Grund: Sie sind keine österreichischen Staatsbürger. Zwei von ihnen sind Anja Steinlechner und Katrin Nachtschatten. Die Schwestern stammen aus Bad Tölz. Sie sind bzw. waren mit Tirolern verheiratet und leben und arbeiten seit 16 Jahren im Zillertal. „Meine Schwester ist Ortsbäuerin in Bruck. Sie möchte wählen, darf aber nicht. Mir geht es genauso“, sagt Anja Steinlechner. Beide wollen österreichische Staatsbürgerinnen werden. „Aber das kostet pro Person 1300 Euro und einen Geschichtstest müssen wir auch noch machen“, sagt Steinlechner. Dass weder Heirat noch Arbeit noch die Dauer des Aufenthaltes in Tirol eine unkompliziertere Verleihung der Staatsbürgerschaft ermöglichen, ist für sie unverständlich.

Martin Plunger von der Abteilung Staatsbürgerschaft im Amt der Tiroler Landesregierung betont: „Niemand erhält die Staatsbürgerschaft einfach so nachgeschmissen.“ Manche würden meinen, sie seien was Besseres, sie seien ja keine Asylwerber. „Aber das macht keinen Unterschied. Bürger aus Drittstaaten müssen sogar 300 Euro mehr für die Staatsbürgerschaft zahlen als EU-Bürger“, erklärt er. Vergünstigt sei das Ganze für unter 14-Jährige und ehemalige Österreicher. „Letztere müssen auch keinen Geschichtstest machen, ebenso wie Menschen mit geistiger oder gewisser körperlicher Behinderung“, erklärt er. Auch Menschen, die ihren Hauptschulabschluss in Geschichte in Österreich gemacht haben, seien vom Test ausgenommen.

Derartige Anforderungen (dazu zählt auch eine Mindestaufenthaltsdauer) seien nicht österreichspezifisch, es gebe sie in vielen Ländern. „90 Prozent von jenen, denen wir monatlich die Staatsbürgerschaft verleihen, finden den Geschichtstest gut. Sie wollen über das Land, dessen Staatsbürger sie sind, Bescheid wissen“, erklärt Plunger. Die meisten, die sich für den Wechsel der Staatsbürgerschaft entscheiden, kämen aus Drittländern. „Es sind vor allem Türken, Serben und Bosnier. Aber auch Kroaten.“




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