Printausgabe der Tiroler Tageszeitung vom Fr, 09.02.2018


Exklusiv

Lawine zwang GKI-Bautrupp am Baulos Ovella zu Pause

Riesenlawine staute den Inn beim Baulos Ovella. Die Arbeiten ruhen voraussichtlich bis Anfang April.

© Wenzel



Von Helmut Wenzel

Tösens, Pfunds, Ovella – „Leider müssen wir eine unfreiwillige Pause machen“, bedauerte gestern ein Mitarbeiter am GKI-Baulos Ovella (Engadin). Dort entsteht das Portal zum 22 Kilometer langen Triebwasserstollen, der zum Krafthaus in Prutz führt.

Die Steinschlagschutznetze können erst nach der Schneeschmelze repariert werden.Foto: Wenzel
- GKI

Doch eine weitere unliebsame Überraschung reiht sich in die Chronik der derzeit größten Kraftwerksbaustelle Österreichs: Vor zwei Wochen ging eine große Lawine etwa 300 Meter unterhalb der Kraftwerksbaustelle ab – über den Inn und bis auf den Gegenhang. Die Schneemassen stauten den Inn mehrere hundert Meter Richtung Martina. Der Wasserspiegel stieg bis knapp unterhalb der Behelfsbrücke und flutete die Baustelle. „Wir haben die Bilder auf einer Überwachungskamera gesehen, es war ein schlimmes Szenario“, war aus den Reihen der Bauarbeiter zu hören.

Zu den Folgen der Baustellen-Flutung erklärte GKI-Geschäftsführer Johann Herdina am Donnerstag: „Wir verlieren drei Monate Bauzeit, die wir nicht ausgleichen können. Damit wird sich auch die Inbetriebnahme des Kraftwerks verschieben.“ Die Schäden an der in Bau befindlichen Wehranlage seien durch eine Versicherung gedeckt, sagte Herdina. Die Abwicklung des Falles sei im Gange. Die Schadenshöhe soll im sechsstelligen Euro-Bereich liegen.

Doch damit nicht genug: Auch die Steinschlagschutznetze oberhalb der Wehranlage sind wegen der Schneemassen in Mitleidenschaft gezogen worden. „Einige Netze müssen repariert werden. Das ist aber erst nach der Schneeschmelze möglich“, weiß GKI-Projektleiter Klaus Schretter. Damit liege auch ein wesentlicher Grund vor, warum die Baustelle derzeit ruhen muss: „Weil der Steinschlagschutz nicht in vollem Umfang gegeben ist.“ Schließlich muss die im Frühjahr geplante Umleitung des Inn auf September verschoben werden. „Ab Mai haben wir Hochwasser. Der Inn kann nur bei Niedrigwasser umgeleitet werden“, schilderte der Projektleiter.

Aus dem Fensterstollen beim Baulos Mariastein zwischen Tösens und Pfunds kommen ebenfalls wenig erfreuliche Nachrichten. Der „Magliadrun“ (Vielfraß) und der Zauberbohrer, so heißen die beiden Vortriebsmaschinen, sind laut Projektleiter Schretter derzeit nicht im Einsatz. Man sei auf geologische Problemzonen gestoßen sowohl in der Nord- und auch in der Südröhre.

Nachdem die Mineure den Radurschlgraben und den Tösner Bach gequert hätten, sei der Druck des Gesteins (Engadiner Schiefer) immer stärker geworden. An den nötigen Adaptierungen der Maschinen werde gearbeitet. „In der Nordröhre geht es in drei Wochen weiter, in der Südröhre in einem Monat“, sagte Schretter.

Die Riesenlawine, die unterhalb der Kraftwerksbaustelle Ovella abging, hatte den Inn bis Martina gestaut. Rechts: Das Wasser drang in Wehranlage ein und bescherte Schäden im sechsstelligen Euro-Bereich.Fotos: Wenzel, GKI
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