Printausgabe der Tiroler Tageszeitung vom Sa, 10.02.2018


Exklusiv

Größtes Asylwerberheim im Bezirk sperrt zu

Der ehemalige Landecker Gasthof Kaifenau diente 14 Jahre als Haus für Flüchtlinge. BM Jörg informierte über die Schließung Ende Februar.

© WenzelDas im Dezember 2003 eröffnete Heim Kaifenau war mehr als eine Koch- und Schlafstelle, es war Zentrum für Integration und Fortbildung.



Von Helmut Wenzel

Landeck – Mit 69 Betten ist es das größte Asylquartier im Bezirk Landeck. Für Hunderte Flüchtlinge war das Ende 2003 eröffnete Heim Kaifenau mehr als nur ein Warteraum. Viele nutzten die Zeit, bis der Behördenbescheid eintraf, zum Deutschlernen und zur beruflichen Fortbildung. Ehrenamtliche Teams unterstützten die Projekte, leisteten Integrationsarbeit.

Damit ist plötzlich Schluss. „Das Heim wird Ende Februar geschlossen“, berichtete Bürgermeister Wolfgang Jörg in der Gemeinderatssitzung am Donnerstag. Das habe ihm kürzlich der für Immobilien zuständige Prokurist der Tiroler Sozialen Dienste (TSD) telefonisch mitgeteilt. Hintergrund seien rückläufige Asylwerberzahlen. Zudem laufe der Vertrag mit dem Hausbesitzer Ende Februar aus. „Man müsste 200.000 Euro in die Sanierung stecken“, schilderte Jörg. „Ich hätte kein Problem, wenn diese soziale Einrichtung weiter bestehen würde.“ Noch vor wenigen Wochen habe es so ausgesehen, „dass in der Kaifenau alles wie gehabt weiterläuft“.

Die TSD müssten Überkapazitäten abbauen und die Flüchtlingsbetreuung im ganzen Land optimieren, erklärte Sprecher Georg Mackner am Freitag. Der Investitionskostenbeitrag im Heim Kaifenau wäre für die TSD nicht leistbar. In Zams angemietete Asylwerberquartiere müssten ebenfalls geschlossen werden: „Auch wenn wir uns nach der Decke strecken müssen: Für Klienten und Mitarbeiter wird es sozial verträgliche Lösungen geben“, hob der TSD-Sprecher hervor. „Auch wenn einige Übergangslösungen nötig sein werden.“ Jedenfalls habe man die Betroffenen informiert, auch die ehrenamtlichen Teams. „Ein Lehrling (Anm.: siehe Kasten links) mit Ausbildungsplatz in Landeck wird sicher ein Quartier im Bezirk bekommen.“

In den kommenden eineinhalb Jahren werde sich die Asylwerberzahl im Bezirk Landeck von derzeit etwas mehr als 200 auf 100 bis 150 einpendeln, sagte Mackner.




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