Printausgabe der Tiroler Tageszeitung vom Sa, 10.03.2018


Tirol

Nachmittagsbetreuung zieht Kreise

Im Sommer startet an der PH Tirol erstmals der Hochschullehrgang „Erzieher für die Lernhilfe“. Damit wird eine wichtige Betreuungsaufgabe an den Schulen abgedeckt. Teilzeitkräfte für den Nachmittag zu finden, ist schwierig.

Der Umbau der PHT steht offenbar in den Startlöchern.

© TT/Thomas BöhmDer Umbau der PHT steht offenbar in den Startlöchern.



Von Margit Bacher

Innsbruck – „Wir suchen händeringend nach Freizeitpädagogen und Schulassistenten“, sagt Christine Fabian, Bereichsverantwortliche für den GemNova Bildungspool. Dass die Personalsuche für diese Teilzeitjobs in der schulischen Nachmittagsbetreuung so herausfordernd werden würde, hätte sich Fabian nicht gedacht, trotz der besonderen Arbeitszeiten: „Gearbeitet wird, wenn Schule ist, und geurlaubt in der Ferienzeit.“ Teilzeitarbeit werde anscheinend noch immer mit einer reinen Vormittagsbeschäftigung verknüpft.

Das Mindestmonatsentgelt für Freizeitpädagogen und Schulassistenten wird 1768,90 Euro brutto betragen, auf Vollzeitbasis. Das tatsächliche Monatsentgelt richte sich dann aber nach Qualifikation, anrechenbaren Vordienstzeiten und Stundenausmaß, lautet die Auskunft der GemNova Bildungspool Tirol gem. GmbH.

Die Gesellschaft wurde 2016 gegründet und vom Land Tirol mit einem klaren Auftrag versehen: Sie soll die Gemeinden in ihren Aufgabenfeldern als Schulerhalter unterstützen und die Organisation, Koordination sowie die Durchführung der schulischen Freizeitbetreuung bzw. Schul­assistenz an Tiroler Pflichtschulen (Volksschulen, Neue Mittelschulen, Sonderschulen) übernehmen. Zu seinen Aufgaben zählen außerdem: Personalsuche, Anstellung von qualifizierten Mitarbeitern, Organisation, effizientes Personalmanagement, das Thema Weiterbildung sowie die Förderabwicklung mit Bund und Land.

Dieses Dienstleistungsangebot nutzen bereits 17 Tiroler Gemeinden: Umhausen, Oberhofen, Hatting, Mutters, Schönberg, Matrei am Brenner, Gries am Brenner, Innsbruck, Mils, Mariathal, Brixlegg, Radfeld, Itter, Kufstein, Niederndorf, Walchsee und Waidring habe ihre Schulbetreuung ausgelagert. An insgesamt 49 Schulen betreuen 88 Freizeitbetreuerinnen und 106 Schul­assistentinnen Schüler im Alter von 6 bis 16 Jahren, wobei einige beide Bereiche in der Nachmittagsbetreuung abdecken. „Aber es gibt natürlich auch Gemeinden, die diesen Bereich schon viele Jahre gut organisiert haben, wie Landeck beispielsweise oder Schwaz, wo Bürgermeister Hans Lintner bei Personalentscheidungen selber die Hand draufhaben will“, berichtet Fabian.

Als Schulerhalter für Pflichtschulen betrifft das Thema Nachmittagsbetreuung Tirols Gemeinden, zumindest zum Teil, denn im Lehrplan wird die Ausgestaltung in drei Phasen beschrieben: der gegenstandsbezogenen Lernzeit (GLZ), der individuellen Lernzeit (ILZ) und der Freizeitbetreuung (FZB).

Für die GLZ dürfen nur Lehrer herangezogen werden, für deren Bezahlung das Land zuständig ist. Die Gemeinden als Schulerhalter müssen hingegen für die ILZ und die FZB sorgen und diese auch finanzieren. Außerdem sei es so, dass Lehrer nach dem neuen Dienstrecht diese Teile der Nachmittagsbetreuung gar nicht übernehmen dürfen und Lehrer aus dem alten Dienstrecht dies nicht tun wollen, erläutert Fabian die Hintergründe. Und auch die bevorstehende und längst angekündigte Pensionierungswelle bei den Lehrern würde die Situation in der Nachmittagsbetreuung weiter verschärfen, sagt die GemNova-Bereichsverantwortliche.

Seit 2012 bietet die Pädagogische Hochschule Tirol (PH Tirol) Ausbildungen für die Nachmittagsbetreuung an: die Hochschullehrgänge „Akademischer Freizeitpädagoge“ bzw. „Freizeitpädagoge Sport und Bewegungscoach“ mit bis dato rund 60 bis 70 Absolventen, sagt Lehrgangskoordinatorin Veronika Möltner.

Allerdings zeige die Praxis, dass es viel zu wenig Personal für den dritten Bereich in der Nachmittagsbetreuung gibt, für die individuelle Lernzeit (ILZ). Die optimale Person in der Nachmittagsbetreuung sollte daher beide Bereiche abdecken, als akademischer Freizeitpädagoge und Erzieher für die Lernhilfe.

Und um möglichst rasch zu dieser Idealbesetzung zu kommen, bietet die PH Tirol im Sommer erstmals den Hochschullehrgang „Erzieher für Lernhilfe“ an. Für Freizeitpädagogik-Absolventen wäre dies die perfekte Zusatzqualifikation, „weil sie damit auch für die Lernhilfe eingesetzt werden können, zu mehr Beschäftigungszeiten kommen und damit auch zu mehr Einkommen“, sagt Möltner.

Allerdings: Zugangsvoraussetzung für den Hochschullehrgang „Erzieher für die Lernhilfe“ ist die Hochschulreife. Aber nur ein Drittel der bisherigen Freizeitpädagogik-Absolventen erfülle diese Voraussetzung, erklärt die Lehrgangskoordinatorin. Sie hoffe daher, dass sich viele weitere Personen mit Matura für den Lehrgang interessieren werden und diesen bereits im Sommer absolvieren.

In den bisherigen Hochschullehrgängen habe Veronika Möltner Menschen kennen gelernt, die nach einer sinnerfüllenden Tätigkeit suchen, ein stabiles berufliches zweites Standbein haben oder wo die eigenen Kinder schon aus dem Volksschulalter heraus sind. „Wir hatten beispielsweise einen selbstständigen Gerüstbauer im Lehrgang oder viele Mütter, die es als Vorteil sehen, arbeiten gehen zu können und trotzdem in den Ferien frei zu haben.“

Möltner vermutet, dass die schwierige Personalsuche in der Nachmittagsbetreuung auch mit der Entlohnung zu tun haben könnte: „Man bekommt – für den gefühlt großen Stundenaufwand – wenig Entlohnung.“

In jedem Fall wird die GemNova Bildungspool GmbH Arbeitgeber der künftigen Freizeitbetreuer und Schulassistenten sein. „Gut qualifizierte und erfahrene Mitarbeiter sind von zentraler Bedeutung für die Qualitätssteigerung in der schulischen Tagesbetreuung“, sagt Christine Fabian vom GemNova Bildungspool. Seit dem Schuljahr 2016/17 sei der Mitarbeiterstand von gut 50 auf über 160 Mitarbeiter gewachsen. Sie sieht auch weiterhin ein großes Wachstumspotenzial.

Was der GemNova Bildungspool Freizeitbetreuern und Schulassistenten bieten will, ist eine verantwortungsvolle, herausfordernde und erfüllende Tätigkeit an Tiroler Schulen, eine sinnvolle und gesellschaftlich wichtige Tätigkeit. Geboten werde ein ganzjähriges unbefristetes Dienstverhältnis mit 14 Gehältern/Jahr und einer Entlohnung gemäß SWO KV. Außerdem würden in der Nachmittagsbetreuung familienfreundliche Arbeitszeiten geboten werden, mit Arbeit in der Schulzeit und Urlaub in der schulfreien Zeit, zudem fachspezifische Weiterbildungen sowie die Teilnahme an Team-Meetings und Vernetzungsmöglichkeiten im Team an den Schulen. Diese Teilzeitjobs würden Erfüllung bieten, durch den Austausch mit Kindern, heißt es aus dem GemNova Bildungspool.

Was in Sachen schulischer Nachmittagsbetreuung allerdings noch nicht geklärt ist, ist die Frage: Wer finanziert diese Jobs im Schuljahr 2019/20? Noch sei nicht geklärt, welche Bundesfördergelder dafür verwendet werden dürfen und ob überhaupt, berichten Möltner und Fabian.

Wie auch immer, Personal wird gebraucht. An der PH Tirol wird im Sommer für die schulische Tagesbetreuung erstmals der Hochschullehrgang „Erzieher für die Lernhilfe“ angeboten, zusätzlich zu den bereits etablierten Hochschullehrgängen „Akademischer Freizeitpädagoge“ und Akademischer Freizeitpädagoge Sport und Bewegungscoach.“

Einen Infoabend zur Ausbildung und zu den Berufsbildern gibt es am Mittwoch, 25. April, um 19 Uhr an der PH Tirol. Dort sowie bei der Eignungsfeststellung für den Lehrgang will sich der GemNova Bildungspool auch als potenzieller zukünftiger Arbeitgeber präsentieren.