Printausgabe der Tiroler Tageszeitung vom Di, 06.03.2018


Tirol

Medikamente immer teurer: TGKK ächzt unter hohen Kosten

Die Gebietskrankenkasse erwartet für heuer eine Steigerung von rund vier Prozent bei den Heilmitteln. Dafür ist die Grippewelle verantwortlich. Und ganz neue Pharmaprodukte.

© iStockDie Kosten für Medikamente bei den heimischen Kassen steigen. Es sind aber nicht die gängigen Tabletten, die dabei besonders teuer sind.



Von Marco Witting

Innsbruck – Die Grippewelle hat heuer ihre Spuren hinterlassen. Ein sicherer Indikator dafür sind nicht nur die Krankenstandstage, sondern auch die Verschreibungen von Medikamenten. Um knapp neun Prozent sind sie heuer im Jänner gestiegen. „Überdurchschnittlich stark“, wie Arno Melitopulos, Direktor der Tiroler Gebietskrankenkasse (TGKK), erklärt. Heuer wird sich die Grippewelle bis in den Februar (hier fehlen noch die Zahlen) oder sogar März ziehen. Das merkt die Kasse dann auch an gestiegenen Medikamentenkosten. Schließlich sind Zehntausende Menschen von grippalen Infekten oder Grippe betroffen. Doch auch sonst werden heuer die Aufwände für die Heilmittel wieder stark steigen.

Nachdem sie von 2016 auf 2017 „nur“ um 1,9 Prozent gestiegen sind, erwartet Melitopulos, dass es heuer „rund 4,1 Prozent“ sein werden. Nachdem die TGKK im Vorjahr rund 213,9 Millionen Euro für Tabletten, Salben und Co. ausgegeben hat, wird dieser Wert heuer wohl auf rund 222,6 Millionen Euro steigen. „Wir haben im Vorjahr einen super Wert erreicht. Das wird heuer nicht zu halten sein, weil wir natürlich bei innovativen Medikamenten eine sehr große Preissteigerung am Markt haben“, erklärt der TGKK-Direktor. Gerade im Bereich der Onkologie seien die Preise der Arzneimittel „stark steigend“. Aber natürlich würden solche Medikamente den Patienten sehr helfen bzw. für wichtige Verbesserungen sorgen. Mit rund 42,2 Millionen Euro ist der Bereich der Krebsbehandlungen (inklusive Vor- und Nachbehandlungen) der kostenintensivste für die Gebietskrankenkasse. Da die Preise für alle Kassen im Hauptverband gleich sind, weicht dies auch nicht von anderen Krankenkassen ab. Der zweitgrößte Bereich ist jener der Kardiologie.

Welchen hohen Anteil die hochpreisigen Medikamente bzw. Innovationen am Gesamtvolumen einnehmen, zeigt eine andere Statistik. So machen diese Pillen (gerechnet werden Preise von über 700 Euro pro Packung) zwar nur 0,4 Prozent aller ausgestellten Rezepte aus. Sie schlagen sich aber mit 30,5 Prozent an den gesamten Medikamentenkosten nieder.

Doch zurück zu den Medikamenten, die sehr oft verschrieben werden. Am häufigsten verordnet werden von den Ärzten Daflon (gegen Venenfunktionsstörungen, 59.500 Verschreibungen), Mexalen (Schmerzmittel, 52.600 Verschreibungen) und das Penicillin Clavamox mit rund 46.000 Verschreibungen. Interessant: Die Mexalen-Verschreibungen kosten die Kasse nur rund 40.000 Euro. Auch die anderen beiden am häufigsten verschriebenen Tabletten kommen insgesamt auf nur 400.000 bzw. 480.000 Euro an Gesamtkosten. Ärzte bekommen übrigens pro Quartal mittlerweile ein Schreiben, in dem auf das Einsparungspotenzial von billigeren, gleichwertigen Medikamenten aufmerksam gemacht wird.

Durch die Gesundheitsakte ELGA, die bekanntlich heftig umstritten war und ist, und die darin integrierte e-Medikation erwartet sich Melitopulos keine großen Ersparnisse. Aber: „In der Transparenz wird sich etwas tun und beim Bewusstsein. Außerdem kann man dann auf Wechselwirkungen der Medikamente besser schauen. Es ist also eher ein Vorteil für die ganze Prozessqualität.“

Der Kassen-Direktor streicht außerdem hervor, dass es derzeit eine sehr starke Entwicklung der Pharmaindustrie in Richtung innovative Produkte gibt. Hier gelte es, den Spielraum zwischen Sparsamkeit und notwendigen Neuerungen am Medikamentensektor zuzulassen. Klar sei aber auch, dass Österreich nur ein kleiner Markt für die Konzerne sei und viele Preise europaweit diktiert werden. Nachsatz des TGKK-Direktors: Der Heilmittelaufwand hat sich in den vergangenen fünf Jahren um 30 Prozent stärker entwickelt als die Kassen-Einnahmen.