Printausgabe der Tiroler Tageszeitung vom Mi, 07.03.2018


Tirol

Ruf nach Gesetzesänderung bei den Hausapotheken

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54 Hausapotheken von Ärzten sind bei der Tiroler Gebietskrankenkasse registriert. Demgegenüber stehen 120 öffentliche Apotheken. Während die Mediziner selbst rund 720.000 Verordnungen ausgeben, sind es in den Apotheken rund sechs Millionen. Das sind die aktuellen Fakten zu einer lange währenden Diskussion um die Hausapotheken.

Der Gebietsschutz für öffentliche Apotheken beträgt sechs Kilometer. In diesem Radius darf keine Hausapotheke geführt werden. 2006 wurde — unter großen Protesten — die Ausnahme bei Übergaben von Praxen gestrichen, um nach zähen und langwierigen Verhandlungen im Jahr 2016 dann aber doch wieder eingeführt zu werden — wenn der Abstand bis zur nächsten öffentlichen Apotheke mindestens vier Kilometer beträgt. Weil zwei Tiroler Ärzte vor dem von der Politik rückwirkend festgelegten Stichtag ihre Praxen übernahmen und deshalb keine Hausapotheke führen dürfen, klagten sie. Wie Anwalt Markus Lechner mitteilte, allerdings letztlich in allen Instanzen ohne Erfolg. „Das ist bitter für die Bevölkerung", sagt Lechner, „weil es nur um ein paar Monate eines willkürlich festgelegten Termins ging."

Eine der betroffenen Praxen ist in Lermoos, wo heute ab 19 Uhr (Aula der Volksschule) über die Bedeutung der Hausapotheken für die Landmedizin diskutiert wird. Aus der Problematik heraus hatte sich die Plattform „Einarztgemeinde" gegründet, die für eine Änderung der Situation eintritt.

Tirols NR Hermann Gahr (ÖVP) sprach sich im Parlament kürzlich klar für einen Mix aus öffentlichen und Hausapotheken aus. Dies sei auch im Regierungsprogramm festgelegt. „Ohne Hausapotheken ist eine flächendeckende medizinische Versorgung am Land kaum möglich", betont Gahr. Mit der aktuellen gesetzlichen Lage im Apothekergesetz sind aber zahlreiche Standorte gefährdet: „Ich fordere hier eine Novellierung des Apothekergesetzes. Wir brauchen mehr Flexibilität im System. Ärztliche und medizinische Versorgung darf nicht durch große Distanzen gefährdet werden", sagt Gahr. (mw)