Printausgabe der Tiroler Tageszeitung vom Do, 08.03.2018


Bezirk Schwaz

„Das Problem beim Rauchverbot sind die Einheimischen“

Zwei rauchfreie Après-Ski-Lokale ziehen Bilanz: Ausländische Gäste hätten kein Problem mit dem Rauchverbot – im Gegensatz zu vielen Einheimischen.

© Dähling



Von Angela Dähling

Kaltenbach, Mayrhofen – Als Jakob Höllwarth vor drei Jahren seine Lifestyle-Bar sChic in der Talstation der Bergbahn in Kaltenbach eröffnete, verließ er sich darauf, dass mit Mai 2018 ein Rauchverbot in österreichischen Gastrobetrieben gelten wird. „Deshalb habe ich gleich eine andere Lüftung eingebaut und von Beginn an als Nichtraucherlokal gestartet“, sagt Höllwarth. Wer rauchen will, macht es vor der Tür – auch die Mitarbeiter, von denen die Hälfte raucht. „Viele Gäste empfinden das Rauchverbot als angenehm“, sagt er. „Und ich finde es auch feiner, abends nicht nach Rauch zu stinken.“ Höllwarth gibt aber offen zu: „Etliche Einheimische haben ein Problem mit dem Rauchverbot, die meiden daher mein Lokal.“ Die Raucher seien die lukrativeren Gäste – sie würden mehr konsumieren. Umstellen zugunsten des blauen Dunstes würde der Kaltenbacher Gastronom aber nicht mehr.

Bummvoll ist jeden Abend das Brückenstadl in Mayrhofen. Partyhungrige tanzen und feiern hier – und das seit Jahren rauchfrei. Die Partyhütte ist aus Holz, das war für die Besitzer der Hauptgrund für das Rauchverbot. In einem eigenen abgetrennten Raucherkammerl oder vor der Tür darf getschickt werden. Brückenstadl-Chef und Hotelier Hansjörg Schneeberger gibt offen zu: „Am schlimmsten sind die Einheimischen. Wenn sie betrunken sind, meinen sie, sie können tun und lassen, was sie wollen.“ Und dann würden sie trotz Rauchverbot auch im Lokal rauchen. Ganz unterbinden könne man das in der großen Hütte schwer, räumt Schneeberger ein. „Aber es gibt genug Gäste, die sich beschweren, wenn sie jemanden rauchen sehen.“

In der Tourismushochburg Mayrhofen ist das Publikum international. Auch andere Wirte bestätigen, dass die internationalen Gäste an Rauchverbote in Lokalen gewohnt seien und es daher mit ihnen keine Probleme gebe. Für Madelein­e (27) aus Wiesbaden ist das Rauchverbot sogar der ausschlaggebende Grund, warum sie im Zillertal am liebsten im Brückenstadl feiert: „Ich habe am nächsten Tag Kopfweh, wenn ich in verrauchten Lokalen feiere. Dass so ein cooles Lokal wie dieses hier rauchfrei ist, finde ich super.“ Katti (39) aus Potsdam ist Raucherin. Doch auch sie hat Gefallen am rauchfreien Partyambiente gefunden. „Ich rauche automatisch weniger, wenn ich dafür rausgehen muss. Und das ist gut so.“