Printausgabe der Tiroler Tageszeitung vom Fr, 09.03.2018


Exklusiv

Ärger um „Zustände bei Bogenmeile“ in Innsbruck

Nach einer Massenschlägerei vor dem Jugendzentrum Z6 prangert ein Anwalt die angebliche Untätigkeit der Politik an.

© Tiroler TageszeitungDas Jugendzentrum Z6. (Archivbild)



Von Thomas Hörmann

Innsbruck – Der Innsbrucker Rechtsanwalt Hannes Wiesflecker ist sauer. Sauer auf die Politik, die seiner Ansicht nach zu wenig gegen die „Zustände rund um die Bogenmeile und das Jugendzentrum Z6“ unternimmt. Seine „sehr tolerante“ Lebensgefährtin sei auf dem Heimweg nahezu täglich vor dem Z6 extrem anzüglichen Bemerkungen, Belästigungen und angst­einflößenden Zuständen ausgesetzt, beschwert sich der Anwalt in einer E-Mail, die der Innsbrucker Bürgermeisterin Christine Oppitz-Plörer ebenso wie weiteren Stadtpolitikern und LH Günther Platter zuging.

Auslöser für den „Wutbrief“ war eine Massenschlägerei, die der Anwalt am vergangenen Freitagabend vor dem Jugendzentrum beobachtete: „Die Straße und alle Gehsteige waren von ausländischen Personen/Jugendlichen geflutet“, heißt es in der Beschwerde-Mail: „Ich konnte mein Wohnhaus nicht gefahrlos erreichen.“ Wiesflecker alarmierte unverzüglich die Polizei. Stefan Eder vom Polizei-Pressedienst bestätigt, dass eine Anzeige einging: „Aber als die Beamten eintrafen, war niemand mehr zu sehen. Wir erhielten auch keine Verletztenmeldung.“

Die Kritik des Anwalts richtet sich nicht gegen die Exekutive („Habe großen Respekt vor der Polizeiarbeit“), sondern an die Politik: „Ich habe Verständnis für flüchtende Menschen. Aber es ist Aufgabe der Politik, für entsprechende Rahmenbedingungen und Integration der ankommenden Menschen zu sorgen, also auch Geld und Ressourcen zur Verfügung zu stellen.“ Und auch die Sicherheit der lokalen Bevölkerung sei sicherzustellen.

Innsbrucks Bürgermeisterin Oppitz-Plörer stimmt dem Anwalt teilweise zu: „Vorfälle wie Schlägereien will ich auch nicht haben.“ Das Problem sei, dass die Szene der Bogenmeile bis vor das Z6 ausstrahle. „Mit dem Jugendzentrum hat das nichts zu tun. Die Konflikte vor dem Z6 sind das Problem, nicht das, was im Jugendzentrum passiert. Die Mitarbeiter sind bemüht, das Z6 für Jugendliche zur Verfügung zu halten, und das gelingt auch gut.“

In Bezug auf kriminelle Ausländer ruft die Bürgermeisterin das Innenministerium auf, für bessere Abschiebeabkommen zu sorgen. Als Beispiel nennt Oppitz-Plörer Deutschland, das nach den Silvester-Krawallen in Köln ein Abschiebeabkommen mit Marokko durchsetzte.