Printausgabe der Tiroler Tageszeitung vom Mo, 12.03.2018


Gesellschaft

Zahl der Asylwerber rückläufig

Die Tiroler Sozialen Dienste (TSD) passen ihre Strukturen dem gesunkenen Bedarf an Flüchtlingsunterkünften an.

© Julia HammerleFlüchtlinge bei einem Deutschkurs in Innsbruck. (Archivbild)



Von Nikolaus Paumgartten

Innsbruck – Die Zahl der Asylwerber in der Tiroler Grundversorgung geht weiter kontinuierlich zurück. Waren im November des vergangenen Jahres noch rund 5000 Personen in der Grundversorgung des Landes untergebracht, so sind es derzeit 4358 Menschen, für die die Tiroler Sozialen Dienste (TSD) das Notwendigste bereitstellen. Der überwiegende Großteil lebt in von den TSD betreuten bzw. betriebenen Einrichtungen, rund 500 Personen leben bei privaten Unterkunftgebern.

Der deutliche Rückgang hat, wie berichtet, die TSD zuletzt arg in Bedrängnis gebracht – immerhin waren Quartierkapazitäten und Personal ursprünglich auf rund 7000 zu Betreuende ausgelegt. In den Monaten nach dem Höhepunkt der Flüchtlingskrise waren in Tirol deutlich über 6000 Menschen zu betreuen. „Der Topwert stammt aus dem Monat Juli 2016 mit 6500 Personen“, erklärt TSD-Sprecher Georg Mackner nach einem Blick in die Statistik.

Bei der strukturellen Anpassung an den deutlich gesunkenen Bedarf habe man im Wesentlichen fünf Faktoren zu berücksichtigen, erklärt Mackner. Eine Unterkunft von heute auf morgen zuzusperren, sei in den meisten Fällen daher nicht möglich. Zunächst müsse man die Bedürfnisse der Bewohner berücksichtigen. Dann gelte es, bestehende Verträge einzuhalten und die Vertragspartner miteinzubeziehen. Auch sei es das Ziel, ein Einvernehmen mit der Kommunalpolitik herzustellen und die Kollegenschaft der TSD vor Ort einzubinden. „Eine ganz große Aufgabe ist es aber, die zahlreichen Freiwilligen nicht vor den Kopf zu stoßen“, sagt Mackner. Im Laufe der Jahre habe sich rund um die Unterkünfte nämlich oft ein engagiertes, beinahe schon vereinsähnliches Freiwilligennetzwerk zusammengefunden, dem mit dem Wegfall der Einrichtung plötzlich die Existenzberechtigung entzogen wird. Diese Freiwilligen wolle man nicht verlieren, schließlich bedeute der aktuelle Rückgang der Flüchtlingszahlen nicht, dass nicht jederzeit eine neue Fluchtbewegung einsetzen könnte.

Derzeit deutet allerdings nichts darauf hin, wie auch die Zahlen aus dem Innenministerium zeigen. Einen deutlichen Rückgang bei den Asylanträgen verzeichnet nämlich auch das Bundesamt für Fremdenwesen und Asyl (BFA) in Tirol. 2015, am Höhepunkt der Flüchtlingskrise, musste das BFA in Tirol 4100 Asylanträge bearbeiten. Ein Jahr später waren es 3700. Aktuell sind laut Auskunft aus dem BFA bei der Regionaldirektion Tirol noch rund 1800 Verfahren in Bearbeitung.




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