Printausgabe der Tiroler Tageszeitung vom Mo, 19.03.2018


Bezirk Landeck

Kräftiges Plädoyer gegen Fütterungsverbot

Bei der Trophäenschau in St. Anton warnte Bezirksjägermeister Siess vor Tierquälerei wegen Unterlassung.

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© Wenzel



St. Anton am Arlberg – Die Abschussquoten „so gut wie noch nie“ erfüllt haben voriges Jahr die Waidmänner aus dem Bezirk Landeck. Das stellte Bezirksjägermeister Hermann Siess gestern Sonntag bei der Trophäenschau in der St. Antoner WM-Halle fest. Nicht weniger als 1980 Trophäen vermittelten den Besuchern einen Eindruck vom Wildbestand im Jagdbezirk. Die Fehlabschüsse bzw. die Zahl der roten Punkte würden sich in Grenzen halten, resümierte der Bezirksjägermeister im Jahresbericht.

Vor dem Hintergrund des schneereichen Winters – mit höheren „Fallwildquoten“ als sonst – griff der Chef der Waidmänner das Thema Wildfütterung auf. Es stimme ihn nachdenklich, wenn Interessengruppen bzw. Wald­eigentümer die Auflassung der Wildfütterung fordern und mit „natürlicher Auslese“ begründen. „Man fragt sich, wo der Tierschutz bleibt“, sagte Siess. Ihm sei ein Fall bekannt, wonach ein Jäger heuer bei einer Loipe „halbverhungerte“ Hirschkälber erlegen musste. „In anderen Fällen sind Reh-Kadaver scheinheilig als Opfer eines Fuchses dargestellt worden.“

Ein Bauer, der Rinder im Stall ankettet, werde als Tierquäler bezeichnet. „Beim Wild aber wird wochenlang zugeschaut, wenn es bis auf die Knochen abmagert, ehe es den Hungertod erleidet.“ Ein Fütterungsverbot für Rotwild werde man sich nicht gefallen lassen, so Siess. Man solle sich Gedanken machen, wer mehr Schäden anrichtet – „ein mit Heu gesättigtes Wild oder eines, das hungernd im Wald alleingelassen wird“.

Nachdrücklich warnte der Bezirksjägermeister vor einer „jagdpolitischen Fehlentwicklung“. Wobei er die derzeitige „Wald-vor-Wild-Politik“ nicht kommentieren möchte. Dennoch gebe er den Verantwortungsträgern zu bedenken, dass die Jägerschaft ihre Verantwortung erst dann wieder wahrnehme, wenn auf eine „Wald-mit-Wild-Politik“ umgestellt werde. Bei Landtagsvizepräsident Toni Mattle erntete Siess damit Zustimmung: „Es muss ein Miteinander von Wald und Jagd geben. Der Tierschutz muss erhalten bleiben, auch bei hohen Wildbeständen, wie wir sie haben.“ Mattle plädierte für Gespräche am runden Tisch, mit Grundeigentümern und Jagdpächtern. (hwe)