Printausgabe der Tiroler Tageszeitung vom Mi, 04.04.2018


Bezirk Reutte

Internationales Forscherteam erhält Hilfe aus Reutte

Das Institut für Ökologie der Uni Innsbruck holt sich an der Mittelschule Königsweg Unterstützung zur Erforschung der Gletscherschmelze.

© Bubendorfer, SattlerSchon beim ersten Workshop in der Schule wurde die Begeisterung der Jugendlichen für die Forschungsarbeit deutlich.



Reutte, Innsbruck – Um Jugendliche für die Forschung zu begeistern und den Nachwuchs zu fördern, wurde 2007 vom Bundesministerium für Wissenschaft, Forschung und Wirtschaft das Forschungsprogramm „Sparkling Scien­ce“ ins Leben gerufen. Daran beteiligt ist auch die Universität Innsbruck.

Am Institut für Ökologie arbeiten für die nächsten zwei Jahre Wissenschafter Hand in Hand mit interessierten Schülern der Neuen Mittel- und Sportmittelschule Königsweg (NMSK) Reutte. Unter der wissenschaftlichen Leitung der Mikrobiologin, Gletscher- und Polarforscherin Birgit Sattler blicken die Jugendlichen gemeinsam mit dem Projektteam hinter die Kulissen der universitären Forschung und können hautnah miterleben, was es heißt, Naturwissenschafter zu sein.

Im Rahmen des Forschungsprojekts „Black.Ice“ nehmen die Schüler der ersten und zweiten Klassen eine bislang noch völlig unterschätzte Ursache für die Gletscherschmelze unter die Lupe – das Phänomen der Bio-Albedo.

Ein Schlüsselfaktor, der die Eisschmelze bestimmt, ist die Reflektivität (Albedo) von Schnee und Eis. Die weißen Oberflächen der Gletscher reflektieren die Sonnenstrahlung zu einem sehr großen Teil, kommt es jedoch zu einer Verfärbung, zum Bespiel durch die Ablagerung dunkler Partikel wie Staub, wird die Fläche lichtabsorbierend und erwärmt sich, was zur Schmelze führt. Gletscheroberflächen sind aber auch Lebensraum für eine Vielzahl mikrobieller Gemeinschaften wie Bakterien, Algen oder Pilze, wobei sich vor allem Algen mithilfe einer starken Pigmentierung vor der hohen Strahlungsdosis schützen und somit zu einer Verdunkelung der Eisoberfläche beitragen. Dieser biologisch induzierte Effekt wird Bio-Albedo genannt und ist ein weltweites Phänomen, welches in Klimamodellen niemals berücksichtigt wurde. Bis jetzt wurde dieser Einfluss von Algen auf die Gletscherschmelze nur bei arktischen Gletschern beschrieben.

Ziel des Projekts „Black.Ice“ ist es, erstmals für einen alpinen Gletscher den Effekt und die Rolle von Mikroorganismen in Zusammenhang mit Gletscherschmelze zu definieren. „Der Kontakt mit Wissenschaftern macht die Jugendlichen neugierig und motiviert sie. Die Schüler bekommen außerdem einen direkten Bezug zu ihrem unmittelbaren Lebensraum, den Alpen. Gletscher werden in der Berichterstattung mit dem Klimawandel meist gemeinsam genannt und vor allem visualisiert, jedoch fehlt der jungen Generation oft der direkte Bezug dazu“, erklärt Sattler.

Als Untersuchungsgebiet wurde der Jamtalferner ausgewählt, um dort großflächige Messungen durchführen zu können. Die Nachwuchsforscher haben die Möglichkeit, selbst am Gletscher zu messen und im Labor Analysen mit einem interdisziplinären und internationalen Team zu erarbeiten.

In ersten Workshops an der Schule stellten die Innsbrucker Wissenschafter nun das Arbeitsprogramm vor. „Das Projekt hat mich von Anfang an fasziniert. Den Schülern, die klassen- und jahrgangsübergreifend hier dabei sein dürfen, stehen einmalige Einblicke in die wissenschaftliche Welt offen. Meine Kids sind jedenfalls äußerst motiviert und wissbegierig. Über den Tellerrand blinzeln sie schon drüber“, freut sich Gerda Bubendorfer, die leitende Lehrerin des Projekts. (TT, fasi)

Am Jamtalgletscher werden großflächige Messungen durchgeführt. Die Proben werden anschließend im Labor analysiert.
- Bubendorfer, Sattler



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