Printausgabe der Tiroler Tageszeitung vom So, 08.04.2018


Gesellschaft

Brasil-Tiroler auf Spurensuche

In Brasilien leben bis zu 50.000 Menschen mit Tiroler Wurzeln. Viele möchten mehr über die „alte Heimat Tirol“ wissen. Ein Symposium ist in Planung.

Die Musikkapelle Treze Tílias präsentiert sich in Tiroler Tracht.

© AltmayerDie Musikkapelle Treze Tílias präsentiert sich in Tiroler Tracht.



Dreizehnlinden, Dorf Tirol, Nova Trento, Innsbruck — „Nachdem die ersten Tiroler Kolonisten in Brasilien angekommen sind, haben sie zuerst eine Kirche und eine Schule gebaut", weiß der junge Sprachforscher Everton Altmayer aus Dreizehnlinden (Treze Tílias). „Das ist typisch tirolerisch. Beide Einrichtungen standen im Mittelpunkt des Lebens."

Everton Altmayer pflegt Erinnerungskultur.
Everton Altmayer pflegt Erinnerungskultur.
- Altmayer

Wann genau die ersten Tiroler nach Brasilien ausgewandert sind, darüber gibt es offenbar unterschiedliche Ansichten. So feierte der (inzwischen aufgelöste) Verein „Tirol-Brasil" mit Obmann Hofrat Friedl Ludescher 2007 das 150-Jahr-Jubiläum. Im Juli traf eine 50-köpfige Reisegruppe im Dorf Tirol in Brasilien ein.

Für 2018 hat die Initiative „Tiroleses no Brasil" (Tiroler in Brasilien) das Motto „160 Jahre Tiroler Einwanderung in Brasilien" ausgerufen. Im Mittelpunkt steht ein Symposium — am 17. November in Dreizehnlinden — mit Teilnehmern aus allen Tiroler Kolonien. Heute leben bis zu 50.000 Menschen mit Tiroler Wurzeln in Brasilien. Die älteste Kolonie ist — nach Recherche von Altmayer — Juiz de Fora (1858). In jedem Jahr haben 270 Auswanderer dort das „Tiroler Tal" in der „Colonia Dom Pedro II" besiedelt. 1859 gründeten Deutschtiroler das Dorf Tirol (Bundesstaat Espirito Santo). Übrigens widmeten die Pfunds-Kerle 1995 ihren Benefizsong „Vergessenes Dorf Tirol in Brasilien" den Kolonisten, einige davon kamen auch aus Pfunds.

Zur Identität der Brasil-Tiroler stellte der Sprachforscher fest: „Wir essen gerne Tiroler Knödel mit Sauerkraut, singen Tiroler Lieder, tragen Lederhosen und Dirndl. Aber wir sind Brasilianer. Viele von uns möchten mehr über ihre Vorfahren und die alte Heimat Tirol erfahren." Erinnerungskultur werde beim Symposium ein wichtiges Thema sein. Mehr Kontaktpflege sowie Kulturaustausch mit der Europaregion Tirol könne man sich nur wünschen. Altmayer ist unter prof.altmayer@gmail.com erreichbar. Zur Auflösung von „Tirol-Brasil" (Alt-LH Alois Partl und Luis Durnwalder waren aktive Mitglieder) sagte Ludescher: „Wir haben im Dorf Tirol viel Hilfe zur Selbsthilfe geleistet." Doch die „Entwicklungshilfe" sei teilweise unerwünscht gewesen. (hwe)

Die Tiroler Familie Larcher wanderte 1958 nach Juiz de Fora aus.
Die Tiroler Familie Larcher wanderte 1958 nach Juiz de Fora aus.
- Altmayer