Printausgabe der Tiroler Tageszeitung vom Mi, 11.04.2018


Innsbruck

Räumungsauftrag für Gastgarten im Rapoldipark ignoriert

Das Ultimatum endete am Montag. “Die Stadt muss uns rausklagen“, sagt Anwalt Patrick Gaulin.

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© Thomas Boehm / TT



Innsbruck – Der Gastgarten im Rapoldipark ist noch offen. Liselotte Stern, 84 Jahre alt und Kioskbetreiberin, hat den Räumungsauftrag des Stadtmagistrats nicht befolgt. „Und sie wird ihn auch in Zukunft nicht befolgen“, bekräftigt ihr Anwalt Patrick Gaulin: „Die Stadt muss uns rausklagen.“

Wie berichtet, hätte die 84-Jährige einen Teil des Gastgartens bis zum Montag räumen müssen. Wie aus einer E-Mail des Stadtmagistrats vom Februar hervorgeht, seien ein „latentes Unsicherheitsgefühl der Anrainer und Parkbesucher durch dort aufhältige Personengruppen und Verschmutzungen im Bereich des Kiosks“ der Grund für den Räumungsauftrag. Inoffiziell ist aus dem Magistrat zu hören, Stern sei die Hauptlieferantin für den Alkohol, der von verschiedenen Personengruppen im Park entgegen den Vorschriften konsumiert wird.

Die 84-Jährige ist seit rund 20 Jahren Pächterin des Rapoldipark-Kiosks samt Gastgarten. Vor zwei Jahren stellten dann Magistratsmitarbeiter plötzlich fest, dass das in Anspruch genommene Grundstück deutlich größer sei als im Pachtvertrag ausgeführt.

Im vergangenen Herbst zeichnete sich ein Kompromiss zwischen dem Stadtmagistrat und der Pächterin ab. Und der sah vor, dass der Gastgarten zwar verkleinert wird, Stern aber einen Teil des unwissentlich in Anspruch genommenen Grundstücks von der Stadt anmieten kann. Was noch fehlte, war der Sanktus des Stadtsenats. Sterns Sohn hatte die 22 Tonnen schwere Stein-Mauer bereits an die neuen Grundstücksgrenzen versetzt, als der Räumungsauftrag vom Magistrat eintraf. Und der sieht konkret vor, dass Gastgartenmöbel, Blumentröge und auch die Mauer vom plötzlich doch nicht anmietbaren Gastgartenbereich spätestens bis zum 9. April zu entfernen seien. Gaulin will jetzt das im Pachtvertrag definierte Grundstück ausmessen lassen: „Das sind immerhin 320 Quadratmeter. Dafür kommt mir der Gastgarten etwas klein vor.“ Der Streit zwischen Stern und Magistrat hat bereits mehrere Stadtpolitiker in den Park gelockt. (tom)