Printausgabe der Tiroler Tageszeitung vom Do, 12.04.2018


Tirol

Brandgefährliche Trockenheit: Föhn und kein Regen in Tirol

Der Föhn und die fehlenden Niederschläge der vergangenen Tage haben in Teilen Tirols die Waldbrandgefahr deutlich ansteigen lassen. Ein Funke kann bereits zum Inferno führen.

In Bruck am Ziller musste die Feuerwehr Anfang der Woche zu einem Böschungsbrand ausrücken.

© ZOOM.TIROLIn Bruck am Ziller musste die Feuerwehr Anfang der Woche zu einem Böschungsbrand ausrücken.



Von Nikolaus Paumgartten

Innsbruck – Die gelben und orangen Flecken auf der Waldbrandgefahr-Prognosekarte der Zentralanstalt für Meteorologie und Geodynamik (ZAMG) sind in den vergangenen Tagen deutlich mehr geworden. Vor allem im Inntal, aber auch im Wipp- und im Zillertal ist demnach die Waldbrandgefahr erhöht und stellenweise sogar hoch. Für das Außerfern ist für heute ein Anstieg der Waldbrandgefahr prognostiziert. Was in der Theorie auf den Karten dargestellt wird, spiegelt sich mittlerweile auch in der Praxis wider: Am Montag musste die Feuerwehr in Bruck am Ziller zu einem Böschungsbrand ausrücken – Brandursache unklar. Und gestern wurde die Feuerwehr in Grins zu einem Waldbrand gerufen – das Feuer auf einer Fläche von etwa 100 Quadratmetern konnte dabei rasch gelöscht werden. Außerdem gingen in der Vorwoche bei der Leitstelle immer wieder Meldungen über kleinere Waldbrände – etwa in Axams, Telfs, Ampass und Pfunds – ein.

Je länger es nicht regnet, je kräftiger der Wind bläst und solange die Vegetation nicht voll im Saft steht, desto eher steigt die Waldbrandgefahr, betätigt Christian Schwaninger von der Abteilung Waldschutz in der Landesforstdirektion. Für eine offizielle Waldbrandgefahr-Warnung des Landes sei es zwar noch zu früh, dennoch sei man bereits an einem Punkt angelangt, an dem man beim Hantieren mit offenem Feuer im Freien sehr vorsichtig sein sollte, erklärt Schwaninger. „Die meisten Waldbrände werden nämlich durch den Menschen ausgelöst“, sagt Schwaninger.

Die Feuerwehr in Jenbach überwachte das kontrollierte Abbrennen entlang der Achenseebahn-Trasse.
Die Feuerwehr in Jenbach überwachte das kontrollierte Abbrennen entlang der Achenseebahn-Trasse.
- FF Jenbach

Eine weggeworfene Zigarette, Funkenflug durch bremsende Züge entlang von Bahntrassen oder aufgrund von Zweckfeuer zählen dabei zu den häufigsten Ursachen von Wald- und Wiesenbränden. Aber auch heiße Katalysatoren von auf trockenen Böden abgestellten kraftstoffbetriebenen Fahrzeugen und Gerätschaften sind potenzielle Brandauslöser, wie Rene Staudacher, stellvertretender Leiter der Tiroler Landesstelle für Brandverhütung (BVS) weiß. „Wald- und Wiesenbrände entstehen in etwa 15 Prozent der Fälle durch natürliche Ursachen wie Blitzschlag oder Selbstentzündung. Zu 85 Prozent haben sie nicht natürliche Ursachen“, präzisiert der Experte. Natürlich verlocke die Jahreszeit viele Menschen zu Ausflügen und Spaziergängen in der Natur. Anhaltendes schönes Wetter, steigende Temperaturen und geringe Niederschlagsmengen erhöhen allerdings auch die Wald- und Wiesenbrandgefahr, warnt Staudacher. „In den Monaten März, April und Mai ist die Waldbrandgefahr in Tirol am größten.“ Er appelliert daher an Erholungssuchende, die Waldbrandverordnung der zuständigen Behörde zu berücksichtigen und auf offenes Feuer im Wald und auf Wiesen zu verzichten. Rauchwarenreste sollen nicht achtlos weggeworfen, sondern mitgenommen werden. Zum Grillen und Feuermachen sollen nur die von den Behörden genehmigten Stellen genutzt werden. Sein Fahrzeug sollte man außerdem niemals auf Wiesen und Feldern, sondern nur auf gekennzeichneten Parkflächen abstellen. „Denn was mit einem Lauffeuer am Boden beginnt, kann insbesondere bei Nadelgehölzen rasch auf die Baumwipfel überspringen und sich in einer dritten Stufe zu einem schwer zu löschenden Totalbrand auswachsen“, warnt Staudacher.

Um genau das zu verhindern, hat die Feuerwehr Jenbach von der Behörde den Auftrag erhalten, entlang der Achenseebahn-Trasse die trockenen Gräser kontrolliert abbrennen lassen. Eine Aufgabe, die dieser Tage von den Mitgliedern der Einheit erledigt wird.