Printausgabe der Tiroler Tageszeitung vom Mo, 16.04.2018


Bezirk Schwaz

,,Gravierende Änderung für Stadt“: Schwazer Flüchtlingsheim vor Aus

Die Flüchtlingsunterkünfte am Müllergrund und im ehemaligen AMS-Gebäude werden mangels Bedarf geschlossen. Viele bedauern das.

© FankhauserVertreter von Schulen, sozialen Einrichtungen, dem AMS, verschiedenen Religionen oder kulturellen Vereinen tauschten sich beim Integrationskreis im Schwazer Rathaus untereinander aus.



Von Eva-Maria Fankhauser

Schwaz – Immer wieder heißt es, dass Sprache der Schlüssel zur Integration ist. Damit sind aber nicht nur gute Deutschkenntnisse gemeint, sondern auch miteinander zu reden, sich auszutauschen und über Probleme, Anliegen oder Wünsche zu sprechen. Genau das passiert beim Integrationskreis in Schwaz. Rund 40 Vertreter aus verschiedensten kulturellen Vereinen, Glaubensrichtungen, Schulen, der Stadtpolitik oder auch des AMS sowie Freiwilligenzentrums kamen dazu kürzlich zusammen.

Neben Anregungen zur Teilnahme an gemeinsamen Aktionen oder der Integration in den Schulen stand ein Thema im Mittelpunkt: die Schließung der beiden Schwazer Flüchtlingsheime. „Mich interessieren die Gründe dafür? Warum werden die Heime geschlossen?“, fragte Toni Mascher von der Pfarre St. Barbara. BM Hans Lintner (VP) erklärte, dass die Zahl der Flüchtlinge in Tirol deutlich abgenommen habe und die Tiroler Sozialen Dienste nun zahlreiche Flüchtlingsheime in ganz Tirol schließen, da sie nicht mehr gebraucht würden. „Am Ende des Jahres werden es nur noch etwa 1000 Flüchtlinge in Tirol sein. Daher werden auch unsere zwei Heime geschlossen“, sagte Lintner. Der Platz werde schlicht nicht mehr benötigt. Er betonte aber zugleich, dass die Stadt bei Bedarf sofort wieder Flüchtlinge aufnehmen würde. „Wir hätten das Heim Müllergrund schon noch gerne ein paar Jahre offen gehalten“, sagte Sozialreferentin Victoria Weber (SP). Doch der Entschluss für die Schließung fiel im Stadtrat. VP und FP stimmten dafür. Einzig Viktori­a Gruber (Grüne) war dagegen.

Eine Vertreterin der Schwazer Schulen wollte wissen, wann denn nun die Heime geschlossen werden. „Unsere Schüler sind teils sehr verunsichert, weil sie nichts wissen“, sagte sie und brachte zum Ausdruck, wie sehr allen die Schließung missfalle. Heimleiter Franz Haberl: „Es tut mir sehr leid, dass die Heime geschlossen werden. Zumindest eines wäre schon noch schön gewesen. Wir müssen bis End­e Juli alle Leute im Müllergrund raushaben. Im September kommen die Container weg.“ Und auch das ehemalige AMS-Gebäude wird bis Oktober geräumt. „Wir versuchen schon jetzt, Familien in anderen Orten unterzubringen. Das ist schwierig, weil die anderen Unterbringungen viel schlechter sind als unsere“, erklärte Haberl. Man versuche die Kinder noch bis Schulende in Schwaz zu behalten, „aber wenn wir einen guten Platz finden, dann ist es besser, wenn sie gleich wechseln“. Schmerzlich sei auch, dass viele Mitarbeiter ihren Job verlieren werden.

GR Victoria Weber, BM Hans Lintner (v. l.) und StR Viktoria Gruber (r.) überreichten Franz Haberl für seine herausragende Arbeit als Heimleiter des Flüchtlingsheimes Müllergrund das Verdienstzeichen der Stadt.
- Fankhauser

GR Weber spricht sich klar gegen die Schließung des Flüchtlingsheimes Müllergrund aus: „Seit der Gründung 2005 hat sich das Flüchtlingsheim zu einer fixen Institution in Schwaz entwickelt, das einen großen Mehrwert bringt. Ich bin gegen die Schließung, weil die Übersiedelungen in andere Gemeinden für die Bewohner, vor allem für die Kinder und Jugendlichen, eine große Belastung sind.“ Man hätte das altbewährte Haus noch ein paar Jahre – solange es gebraucht werde – weiterführen können.

Auch für Gruber spricht vieles gegen eine Schließung und Umsiedelung von rund 150 Flüchtlingen: „Es bedeutet nicht nur für die Menschen, die aus Schwaz wegziehen müssen, eine gravierende Veränderung, sondern auch für unsere Stadt.“ Denn gerade im Bauhof und anderen städtischen Einrichtungen hätten rund 50 Flüchtlinge gute Arbeit geleistet, die nicht ersetzt werde. „Viele Menschen haben in Schwaz eine neue Heimat gefunden, die ihnen nun genommen wird“, sagt sie.

Bereits mehrfach wurde seitens der Stadt bestätigt, dass der Müllergrund künftig „wirtschaftlich“ genutzt werden soll. Die Pläne dazu sollen bereits vorliegen. Platz für Flüchtlinge bleibt keiner mehr.