Printausgabe der Tiroler Tageszeitung vom Do, 10.05.2018


Exklusiv

Lienzer Gemeinderat setzt sich gegen Familien-Abschiebung ein

Die geflüchteten Magomedovs mit ihren drei Töchtern sollen zurück nach Dagestan. Der Lienzer Gemeinderat plädiert offiziell für das Bleiberecht.

© FunderNasibat Kamelova mit Töchtern Safia (3) und Alia (7) fürchtet sich vor der Abschiebung.



Von Catharina Oblasser

Lienz – Der Gemeinderatsbeschluss am Dienstagabend war einstimmig: Alle 21 Mandatarinnen und Mandatare der Stadt Lienz sprechen sich in einem formellen Beschluss dafür aus, die fünfköpfige Familie Magomedov aus der russischen Republik Dagestan beim Verbleib in Osttirol zu unterstützen. „Ich bin sehr froh über diese Einmütigkeit“, erklärt die Lienzer Bürgermeisterin Elisabeth Blanik (SPÖ), der das Schicksal der Familie ein persönliches Anliegen ist, wie sie sagt.

Vor allem die drei kleinen Mädchen liegen der Bürgermeisterin am Herzen: Salikhat (9), Alia (7) und die kleine Safia (3), die bereits in Lienz geboren ist. „Die Kinder gehen bei uns in die Volksschule und in den Kindergarten“, führt Blanik aus. „Sie sind komplett integriert, die ganze Familie kann sehr gut Deutsch.“ Die drei Kinder sprechen mittlerweile reinstes Osttirolerisch.

Die Eltern Magomed Magomedov und Nasibat Kamelova leben mit ihren Mädchen seit 2013 im Asylheim Angerburg in Lienz. Aus Dagestan sind sie geflüchtet, weil der Vater politisch verfolgt würde, sagt Sepp Brugger. Der studierte Jurist und ehemalige Sprecher der Osttiroler Grünen steht der Familie unentgeltlich in rechtlichen Fragen bei.

Demnach habe Magomed Magomedov in seiner Heimat den Mord an seinem Nachbarn mit­angesehen und sei vom Geheimdienst verhaftet und gefoltert worden. In Dagestan werde er weiterhin vom Geheimdienst gesucht. Die österreichischen Behörden haben den Asylantrag der Familie jedoch in allen Instanzen abgelehnt und die Rückführung nach Dagestan angeordnet.

All das und weitere Informationen über das Schicksal der Magome­dovs finden sich in einer Online-Petition, die Brugger gemeinsam mit Freunden der Familie ins Leben gerufen hat. Auch der Lienzer Dekan Bernhard Kranebitter unterstützt das Vorhaben.

Die Petition ist unter https://www.openpetition.eu/at/petition/online/familie-magomedov-muss-bleiben im Internet zu finden. Sie richtet sich an das Bundesamt für Fremdenwesen und Asyl, mehr als 3650 Personen haben schon unterschrieben. Ziel ist es, ein humanitäres Bleiberecht für die Magomedovs zu erwirken. Dem Vater und der neunjährigen Salikhat geht es so schlecht, dass sie in der psychiatrischen Abteilung des Lienzer Spitals behandelt werden müssen. „Und in einem solchen Fall ist die Abschiebung rechtswidrig“, meint Anwalt Brugger.

In der Lienzer Gemeinderatssitzung berichtete Blanik, dass auch die Kindergärtnerinnen und die Lehrerinnen der Mädchen die Stadt gebeten hätten, sich für die Familie einzusetzen. „Und beide Eltern hätten sofort Arbeit, wenn sie arbeiten dürften“, so Blanik.