Printausgabe der Tiroler Tageszeitung vom Mi, 16.05.2018


Gesellschaft

Der Traum vom ethischen Leben

UNO-Friedensbotschafterin Jane Goodall sprach mit der TT über ihre Herzensthemen.

© APABei Jane Goodalls Kinder- und Jugendprogramm „Roots and Shoots“ können sich junge Menschen für den Naturschutz engagieren.



Von Cornelia Ritzer

Wien – „Here’s to saving the world!“ Wer mit der weltberühmten Schimpansenforscherin Jane Goodall Zeit verbringt, lernt bald, dass die starke Botschaft der 84-Jährigen allgegenwärtig ist. So wird beim Anstoßen mit einem Glas Rotwein aus einem schlichten „Prost“ der bedeutsamere Wunsch „Auf die Rettung der Welt!“. Und man wird daran erinnert, dass noch viele Probleme gelöst werden müssen.

Drei Tage verbrachte die Tierrechtsaktivistin und Umweltschützerin Goodall in Wien, Höhepunkt des Aufenthalts war ihr Vortrag beim „Austrian World Summit“ vor mehr als 1200 Gästen aus aller Welt in der Hofburg (siehe oben). Und die Britin nutzte zahlreiche Gelegenheiten, um ihre Ideen zur Bewältigung der globalen Herausforderungen zu präsentieren. In kleinerem Rahmen fand das Treffen mit 14- bis 18-jährigen Schülern statt, die an Goodalls Herzensprojekt „Roots and Shoots“ (übersetzt: Wurzeln und Sprösslinge) teilnehmen. Das globale Programm für Kinder und Jugendliche, die sich für Menschen, Tiere und Umwelt engagieren wollen, ist in etwa 100 Ländern aktiv – auch in Österreich. Und junge Menschen zu inspirieren, sieht Goodall als Pflicht. „Jeder Einzelne ist wichtig und kann dazu beitragen, dass wir uns auf eine bessere Welt zubewegen“, sagte sie bei einem Abendessen im Vorfeld des Umweltschutzgipfels zur TT. Eingeladen hat der Wiener Teppich-Unternehmer Ali Rahimi, dessen Ehefrau und Gründerin der Superfood-Marke Nussyy, Carina Pirngruber, die Arbeit der UNO-Friedensbotschafterin unterstützt. Überreicht wurde – wie schon die Jahre zuvor – ein Scheck, die Spende kommt dem Jane Goodall-Institut zugute, das sich für Artenschutz sowie einen nachhaltigen Umgang des Menschen mit Tier und Natur einsetzt.

„Schon als zehnjähriges Mädchen war es mein Traum, nach Afrika zu gehen und mit Tieren zu leben“, erzählte Goodall. Wahr geworden ist dieser Traum 1960, als die damals 26-Jährige im Gombe-Stream-Nationalpark in Tansania begann, das Verhalten von Schimpansen zu untersuchen. Ohne wissenschaftliche Ausbildung startete die Britin ihre Forschungen. Es war „Schicksal“, dass sie mit jenen Tieren arbeiten konnte, „die uns Menschen am ähnlichsten sind“, meinte sie im Rückblick. Karriereschritte habe sie aber nie angestrebt. So sei die Fokusänderung von der Verhaltensbeobachtung zum ethischen Umgang mit Tieren „passiert“, nachdem sie 1986 auf einer Konferenz Videos von Schimpansen in der medizinischen Forschung sah. „Das war so schockierend, dass ich nicht schlafen konnte“, erzählt die 84-Jährige von dem prägenden Erlebnis. Und weil sie in die Kraft der Kommunikation und des Gesprächs vertraut, ging sie selbst in ein Forschungslabor und sprach mit den Wissenschaftern. Das brachte ihr heftige Anfeindungen von Tierrechtsaktivisten ein. „Wie kannst du mit diesen schrecklichen Menschen Kaffee trinken?“, sei sie gefragt worden. Goodalls Antwort: „Wenn man nicht mit ihnen spricht, kann man nicht ihr Herz erreichen und ihre Ansichten ändern.“ Dass heute keine Schimpansen für die medizinische Forschung in den USA verwendet werden, sieht sie als einen großen Erfolg. Als ihren Beitrag zur Rettung der Welt.




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