Printausgabe der Tiroler Tageszeitung vom Do, 17.05.2018


Tirol

,,Schleicht's euch“: Diskussion über Wolf eskalierte in Zams

Beim Forum-Land-Infoabend in Zams wurden

NGO-Vertreter beinahe aus dem Saal geworfen.

© WenzelBeim Forum-Land-Infoabend am Montag im Zammer Postgasthof „Gemse“: Unter die rund 150 heimischen Teilnehmer mischten sich NGO-Vertreter (oranges T-Shirt) von der European Wilderness Society.Foto: Wenzel



Zams – „Schleicht’s euch, werft sie raus. Wir brauchen keine Wolf-Schützer, die uns die Dinge vom Schreibtisch aus erklären wollen. Wir wissen selbst, was zu tun ist.“ Derartiges war – nach einem ausführlichen Expertenvortrag von Franz Lanschützer – am Montag im Zammer Post-gasthof Gemse zu hören. Dort trafen 150 bäuerliche Teilnehmer zum Forum-Land-Infoabend ein – Thema „Der Wolf im Alpenraum“. Die Empörung galt den NGO-Vertretern der European Wilderness Society, die sich unter das Publikum gemischt hatten. Es gab aber auch Stimmen, die sich um Abbau der Emotionen bemühten. „Meinungsfreiheit haben wir schon noch. Gebt’s ihnen das Mikrofon“, plädierte Hermann Hammerl, Obmann des Schaf- und Ziegenzuchtvereins Zams.

„Wenn Sie im Gelände gerissene Schafe finden, denen die Gedärme heraushängen, was machen Sie dann?“, fragte einer der Einheimischen. Die Aufgabe der European Wilderness Society sei es, über Herdenschutz aufzuklären, sagte die NGO-Vertreterin. „Wir möchten Beispiele anführen, dass Herdenschutz funktioniert. Wir sind Wildtierschützer und treten dafür ein, dass der Schutzstatus für den Wolf nicht abgeändert wird.“ Wenn ein Wolf Herdentiere gerissen hat, „tut uns das genauso leid“. Und wiederholte: „Wir können Ihnen zeigen, wie Herdenschutzzäune funktionieren.“

Prompt kamen Entgegnungen aus dem Publikum: „Das ist auf unseren Almen nicht möglich. Sie sind noch nie in Tirol gewesen. Wo willst du Herdenschutz auf einer 500 Hektar großen Alm machen?“ Schafzüchter Hammerl verwies auf die Website antiwolf.tirol und erklärte: „Ich will, dass sich Tirol formiert und dass wir den NGO-Büroleuten sagen, wie unsere Almen funktionieren.“ Er lasse sich die Mutterschafe, die er den ganzen Winter füttere, nicht von einem Wolf umbringen.

Forum-Land-Obmann Hermann Gahr sagte, er habe mit 25 bis 30 Zuhörern gerechnet. „Das enorme Interesse bestätigt uns, dass wir akuten Handlungsbedarf haben. Der Wolf schadet neben den Bauern auch den Jägern und vor allem dem Tourismus.“ (hwe)