Printausgabe der Tiroler Tageszeitung vom Fr, 18.05.2018


Bezirk Landeck

Nachruf: Robert Klien kannte „seinen“ Bezirk wie kein anderer

Der überregional geschätzte Heimatforscher (83) aus Pfunds schloss seine Augen für immer. Seine Publikationen bleiben nachhaltiges Kulturerbe.

© WenzelAugust 2017 im Innenhof von Stift Marienberg: Bei einem seiner letzten öffentlichen Auftritte traf sich Prof. Robert Klien (l.) zu Gesprächen mit Kunsthistoriker Leo Andergassen (Mitte) und Abt Markus Spanier (r.).



Von Helmut Wenzel

Pfunds – „Ich kenne niemanden, der so vieles über den Bezirk Landeck geforscht und publiziert hat. Seine Leistungen umfassen aber auch die Nachbarregionen Engadin, Vinschgau und das Münstertal.“ Das sagte Tilmann Märk, Rektor der Universität Innsbruck, im Februar 2012, als er im Auftrag von Bundespräsident Heinz Fischer den Berufstitel „Professor“ an Robert Klien verleihen durfte. „Wer im Tiroler Oberland forscht, kommt an Klien nicht vorbei“, stellte die Archäologin Elisabeth Walde fest.

In Pfunds, Kliens Heimatdorf, und weit darüber hinaus herrscht Betroffenheit und Trauer. Der bis zuletzt unermüdliche Heimatforscher und Publizist starb am Mittwoch 83-jährig, wie BM Rupert Schuchter bestätigte.

Klien, Lehrer von Beruf, ist in Pians-Quadratsch aufgewachsen, bevor er sein Haus in Pfunds baute und das Obergricht zum Mittelpunkt seines Lebens und Forschens machte. 1959 wurde er zum Hauptschuldirektor in Pfunds bestellt. Von 1988 bis 1998 war er als Schulinspektor im Bezirk Landeck unterwegs.

2015 in Pfunds: BM Gerhard Witting (l.) gratulierte Klien zum 80er.
- Wenzel

Seine Leidenschaft galt den Menschen, Vereinen, Kultur und Brauchtum in „seinem“ Heimatbezirk Landeck, vor allem auch der Geschichte und überregionalen Zusammenhängen. Klien war als Autor von Dorfbüchern ebenso geschätzt wie als Verfasser von Festschriften sowie Chroniken für Vereine und Kirche.

Dass er auch als Chefchronist im Bezirk (1985–2006) aktiv war, versteht sich fast von selbst. Tief in den Archiven verstaubte Dokumente hat er aufgestöbert, um seine heimatkundlichen Darstellungen belegen zu können. Die Gemeinden Pfunds, Ladis, Pians, Serfaus, Fließ, Tösens und Fendels besitzen ein Dorfbuch der „Marke Klien“.

„Professor Robert Klien war dem Chronikwesen ein halbes Jahrhundert intensiv verbunden“, sagte Tirols Chefchronist Helmut Hörmann am Donnerstag. „Er bleibt uns als sehr geschätzter Referent bei Tagungen, als Reiseleiter bei Exkursionen sowie als profunder Kenner des Oberlandes in Erinnerung. Seine Publikationen sind ein nachhaltiges Kulturerbe.“ Die Heimatforschung habe er „zu seiner Mission gemacht“, hob Hörmann hervor.

Pfunds verliere eine außergewöhnliche Persönlichkeit, sagte der Bürgermeister. Zur Begräbnisfeier am Samstag, 19. Mai, ab 10 Uhr in der Pfarrkirche Peter und Paul erwarte man Hunderte Teilnehmer aus nah und fern.




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