Printausgabe der Tiroler Tageszeitung vom Fr, 25.05.2018


Bezirk Kufstein

Sozialprojekt wurde der Geldhahn zugedreht

Das Gasthaus Erzherzog-Johann-Klause in Brandenberg ist wieder verwaist. Der Verein SchwarzWeiß muss den Betrieb einstellen.

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© Zoom-Tirol



Von Wolfgang Otter

Brandenberg – Es war ein durchaus ehrgeiziges Projekt, das sich der Verein „Arbeitsmanufaktur SchwarzWeiß“ in Brandenberg vorgenommen hatte. Der gemeinnützige Wörgler Verein, der älteren Langzeitarbeitslosen einen Wiedereinstieg ins Jobleben ermöglichen will, hatte das bei Wanderern und Radfahrern beliebte Gasthaus Erzherzog-Johann-Klause nach dessen vorübergehender Schließung wieder geöffnet. Als eine Art Nottankstelle, wie auf dem Schild zu lesen war. Gereicht wurde von den bis zu drei Langzeitarbeitslosen nur kaltes Essen und Getränke. Mehr war vorläufig nicht drin, für einen Vollbetrieb hätte das Gebäude nämlich saniert werden müssen.

Der Betrieb und damit die Beschäftigung der Langzeitarbeitslosen war ohnedies nur durch Förderungen und das Entgegenkommen der Österreichischen Bundesforste (ÖBF) als Besitzer des Hauses möglich. Aber diese Fördergelder sind nun gestrichen, wie Vereins­obmann Thomas Dangl mitteilt. Dabei handelt es sich um das Gemeindenahe Beschäftigungsprogramm Tirol (GBT) und die Aktion 20.000, die von der neuen Bundesregierung eingespart wurde. Zwar würde es noch ein anderes Förderprogramm geben, das sei aber laut Dangl vom Umfang her zu gering, um das Gasthaus weiterzuführen. Daher werde man heuer die Nottankstelle nicht mehr aufsperren können. „Wir müssten zwischen 15.000 bis 20.000 Euro aus der Privattasche hineinstecken, aber das geht nicht“, sagt Dangl. „Es tut uns für die Leute, die hier hätten arbeiten können, wahnsinnig leid“, bedauert Dangl, dass das Wiedereingliederungsprogramm dem bundespolitischen Rotstift zum Opfer gefallen ist.

Bedauern gibt es auch bei den ÖBF. Man wolle, so ist aus der Pressestelle zu erfahren, jetzt die Verpachtung neu ausschreiben. Ob das Traditionsgasthaus heuer noch eröffnet werden könne, sei aber sehr ungewiss.

Das große Problem, das 2016 zur Schließung des Vollbetriebs führte, ist der hohe Sanierungsaufwand des Gasthauses. Nur bei entsprechenden Arbeiten sind die Genehmigungen für die Wiederaufnahme des Küchenbetriebs in vollem Umfang und für die Zimmervermietung zu erhalten. Laut ÖBF-Pressesprecherin Pia Buchner würde die Generalsanierung bis zu 1,1 Millionen Euro verschlingen. Das Ziel der Bundesforste sei jedenfalls weiterhin, das Haus nicht an eine Privatperson zu verkaufen, sondern für die Öffentlichkeit zu erhalten, wie Buchner zur TT sagt.

Indes kämpft die „Arbeitsmanufaktur SchwarzWeiß“ weiter mit den gestrichenen bzw. gekürzten Förderprogrammen. Der Verein betreibt auch das Café im Kundler Seniorenheim. „Das möchten wir auf alle Fälle weiterführen“, sagt Vereinsobmann Thomas Dangl. Von hier aus sei es auch in der erst kurzen Vereinsgeschichte schon gelungen, vier Frauen wieder in den Arbeitsprozess zu integrieren. „Dazu schaffen wir in den Betrieben Rahmenbedingungen, innerhalb derer die Langzeitarbeitslosen betreut werden, aber auch im Rahmen des Vereins Verantwortung für andere übernehmen und dort mithelfen.“ Wichtig sei auch, „dass die Leute sehr autonom arbeiten“, erklärt Vorstandsmitglied Johanne­s Fontana das Ziel der Vereinsarbeit.