Printausgabe der Tiroler Tageszeitung vom Sa, 02.06.2018


Gesellschaft

Die kleinen und großen Hürden

Innsbruck liegt bei der Barrierefreiheit im Bundesschnitt sehr gut – und trotzdem gibt es noch viel Verbesserungspotenzial.

© WeingartnerBei der Barrierefreiheit in Innsbruck ist noch viel zu tun. Oft fehlt es bei der Planung an Bewusstsein für die Bedürfnisse von Behinderten.Foto: ÖZIV/Weingartner



Von Marco Witting

Innsbruck – Es ist eine Frage der Sichtweise. Einerseits ist Innsbruck im bundesweiten Test, was Barrierefreiheit, etwa bei Einkaufsstraßen, betrifft, Spitzenreiter. Andererseits gab es bei der Erhebung der ÖZIV, Bundesverband für Menschen mit Behinderungen, auch bei 42 Prozent der Geschäfte in der Landeshauptstadt keinen stufenlosen Zugang für Menschen mit einer körperlichen Einschränkung. Es ist eines von vielen Beispielen. Für viele sind sie nur kleine unbedeutende Hürden. Für Betroffene aber oft eine große Schwierigkeit.

Für Nora Resch, Geschäftsführerin der Interessenvertretung, muss man die Situation jedenfalls „differenziert“ betrachten. „Man kann es positiv beurteilen und sehen, dass viel passiert ist. Man muss aber auch hinschauen und erkennen, dass noch viel zu tun ist.“ Und weiter: „Sobald man außerhalb von Innsbruck kommt, ist in der Peripherie die Situation dann teilweise katastrophal.“ Dabei seien es nicht nur Menschen mit einer Behinderung, die von barrierefreien Zugängen profitieren würden. Auch Familien mit Kindern oder Kinderwägen, Personen mit Gepäck oder ältere Menschen würden Vorteile daraus ziehen.

Überraschend ist durchaus, dass der Grad der Umsetzung noch nicht weiter fortgeschritten ist. Seit 2016 ist das Bundesbehindertengleichstellungsgesetz vollinhaltlich in Kraft. Es fehle oft an Bewusstsein, sagt Resch. „Barrierefreiheit beginnt im Kopf. Es reicht schon, wenn man Betroffene oft einbindet“, sagt die Geschäftsführerin. Initiativen, wie das kürzlich vorgestellte Zertifikat der Wirtschaftskammer „Fair für alle“, sollen Unternehmen und Organisationen weiter ermutigen, an der Barrierefreiheit zu arbeiten. Denn, so sagt Resch auch: „Es sind nicht immer die großen Investitionen. Um 20 Euro kann man mit Farbe etwa Stufen sichtbarer machen.“




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