Printausgabe der Tiroler Tageszeitung vom Mo, 18.06.2018


TT-Ombudsmann

Viel Krach um den Lärm

Der Sommer, die lauteste Jahreszeit von allen: Während alle nach draußen drängen, sehen sich Lärmempfindliche genötigt, hinter geschlossenen Türen und Fenstern zu leben.

© istock



Von Michaela S. Paulmichl

Innsbruck – Die Grillparty bis spät in die Nacht auf der gegenüberliegenden Terrasse, der Rasenmäher im Garten unterhalb, und dann auch noch die Kinder, die im aufblasbaren Plantschbecken nebenan vor Freude lachen und juchzen – der Sommer kann nerven. Zumindest jene, die nicht zum Gartenfest eingeladen sind oder die den eigenen Rasenmäher schon abgestellt haben. Wer in einer dicht verbauten Wohnsiedlung wirklich seine Ruhe haben will, dem bleibt in einer Zeit, in der alle nach draußen drängen, oft nur der Rückzug in die eigenen vier Wände bei geschlossenen Fenstern. Und die Aussicht auf gesetzlich verordnete Ruhepausen.

Wer sie noch nicht kennt: Ein Blick in die Lärmschutzverordnung zeigt, was erlaubt ist und wann Grenzen überschritten werden. Gleich vorweg: Es gibt keine Regel, die Geruchsbelästigung durch das Grillen im Garten einschränkt oder verbietet. „Geruchsemissionen sind gesetzlich nicht geregelt“, sagt Elmar Rizzoli vom städtischen Amt für allgemeine Sicherheit in Innsbruck und Leiter der Mobilen Überwachungsgruppe (MÜG). Wer sich beeinträchtigt fühlt, weil der Nachbar jeden Tag begeistert seinen mit allen Finessen ausgestatteten, neuen Profi-Grill anwirft, muss ein zivilgerichtliches Verfahren anstreben.

Was den Krach betrifft, den Partygäste bis spät in der Nacht in der Gartenlaube machen oder – in den nächsten Wochen – auch Fußballfans, gibt es aber Regeln. Der Begriff dafür lautet „ungebührlicher Lärm durch mehrere Personen“, so Rizzoli. Auch wenn sich der Einzelne dabei nicht strafbar macht: „Die Summe macht’s aus.“

Was lärmerregende Haus- und Gartenarbeiten betrifft, sind laut Lärmschutzverordnung der Stadt Innsbruck die Ruhezeiten an Werktagen in der Mittagszeit zwischen 12 und 15 Uhr und abends ab 20 bis 6 Uhr morgens einzuhalten. An Sonn- und gesetzlichen Feiertagen sind sie überhaupt verboten. Das gilt besonders für die Benützung von mit Verbrennungsmotoren betriebenen Garten- und Arbeitsgeräten wie Rasenmähern oder -trimmern und Heckenschneidern oder im Herbst für die Laubbläser sowie – die Regelung geht auf einen Gemeinderatsbeschluss von 1976 zurück – immer noch für das heute nicht mehr übliche Ausklopfen von Teppichen oder Matratzen.

Die Benützung von Tonempfangs- und Wiedergabegeräten, also von Fernsehern, Radios, CD-Playern, Plattenspielern und Lautsprechern ist während der Nachtruhe – sie gilt von 22 bis 6 Uhr – nur in geschlossenen Räumen in Zimmerlautstärke erlaubt. Weil die Meinungen oft weit auseinandergehen: Das bedeutet, dass sie außerhalb des Raums, in dem sie genützt werden, wirklich niemand hören kann.

Die in Innsbruck und den meisten anderen Tiroler Orten geltenden Regelungen beziehen sich auf die Lärmschutzbestimmungen des Landespolizeigesetzes. Wer sichergehen möchte, sollte sich zusätzlich in seiner Heimatgemeinde nach den dort geltenden Ruhezeiten erkundigen, meistens sind sie auch auf der jeweiligen Homepage zu finden.

Allein in Innsbruck gibt es pro Jahr durchschnittlich 2500 Lärmeinsätze, die meisten wegen dröhnender Musik oder einem zu laut aufgedrehten Fernseher. „Wir drängen darauf, dass die Nachbarn diese Probleme unter sich lösen. Aber wenn die Bitte ,Seids ein bisschen leiser, wir können nicht schlafen‘ nicht fruchtet, sind wir zur Stelle“, sagt der MÜG-Leiter. Außerhalb der Stadt ist die Polizei zuständig. Eine Party zu sprengen, ist aber keine leichte Aufgabe, denn oft reagieren die Gäste aggressiv auf die unwillkommene „Störung“.

Die Zahl der Lärmbeschwerden nimmt insgesamt zu: „Die Leute sind sensibler geworden“, meint Rizzoli. Und andere wohl rücksichtsloser, wie er einräumt. Die Strafen für Lärmbelästigung reichen von 50 Euro über 200 Euro für eine massive Übertretung oder – wenn der Verursacher keine Einsicht zeigt – bis zur Höchststrafe von 2100 Euro für notorische Lärmerreger.

Ausgenommen von den Regelungen sind gewerbliche Betriebe. Es ist wahr: Der Hausmeisterservice darf den Rasen auch während der Ruhezeiten zu Mittag mit bestem Gewissen mähen.




Kommentieren


Schlagworte