Printausgabe der Tiroler Tageszeitung vom Mo, 11.06.2018


Exklusiv

Während Bau von neuer Bahn: Keine Shuttlebusse am Glungezer

Wegen der Bauarbeiten für die neue Bahn steht die Liftsektion I im heurigen Sommer still. Ein Shuttledienst als Ersatz lässt sich laut Betreibern nicht organisieren. Dies stößt auf Kritik – ebenso wie der späte Saisonstart.

© Zoom.tirolDie Liftsektion II (Bild) nimmt mit 16. Juni den Betrieb auf, der Weg von der Mittelstation ins Tal ist im Sommer dagegen nur zu Fuß möglich.Foto: zoom.tirol



Von Michael Domanig

Tulfes, Hall – Im Sommer soll es endlich so weit sein: Der alte Doppelsessellift der Glungezerbahn zwischen der Talstation in Tulfes und der Mittelstation Halsmarter wird durch eine moderne 10er-Kabinenbahn ersetzt. Die Verantwortlichen rechnen jeden Tag mit einem Termin für die Bauverhandlung. Die geplanten Bauarbeiten bedeuten auch, dass im Sommer in der ersten Sektion kein Lift verkehren wird. Der Einser-Sessellift in Sektion II – von der Halsmarter zur Bergstation Tulfeinalm – wird am 16. Juni hingegen in Betrieb gehen.

Für Wanderer steht somit fest, dass der Abschnitt von der Talstation zur Halsmarter und umgekehrt zu Fuß bewältigt werden muss (rund 600 Höhenmeter, ca. 1 1/4 Stunden Gehzeit). Denn einen ersatzweisen Shuttledienst mit Bussen wird es nicht geben. Ein solcher wäre aber unabdingbar, meint der Haller Vizebürgermeister Wolfgang Tscherner (Für Hall): Er denkt vor allem an die vielen „Halbschuhtouristen“, die am beliebten Zirbenweg zwischen der Patscherkofel-Bergstation und der Tulfeinalm unterwegs seien: „Wie sollen die jetzt von der Mittelstation ins Tal kommen?“ Hier ein Shuttleservice zu organisieren, sehe er „nicht als unlösbares Problem“.

Dem widerspricht Glungezerbahn-GF Walter Höllwarth: „Wir wollten ursprünglich einen Shuttlebus einrichten und haben uns das gemeinsam mit Fachleuten intensiv angeschaut.“ Aber: Ein Shuttledienst sei parallel zum Baustellenbetrieb – Lifttrasse einrichten, Versorgungsleitungen graben etc. – einfach nicht möglich. Der (ohnehin mit einem allgemeinen Fahrverbot belegte) Weg sei großteils sehr schmal, gleichzeitig sei der Baustellenverkehr abzuwickeln. „Wir wollen heuer bauen, also müssen wir in den sauren Apfel beißen.“

Zudem würden Erfahrungswerte der letzten Jahre zeigen, dass an Spitzentagen in der Liftsektion I über 600 Leute befördert wurden, die „im Pulk“ am Vormittag und späten Nachmittag kommen würden. „Das könnten wir mit achtsitzigen Kleinbussen ohnehin nicht bewältigen.“

Genauso sieht das auch BM Martin Wegscheider aus Tulfe­s: „Mit einem Shuttledienst könnten wir nur alles falsch machen, weil wir die Spitzen nicht abdecken könnten.“ Die Fahrtzeit nach Tulfes und zurück betrage rund eine Stunde, ergänzt Werner Nuding, Obmann des TVB Hall-Wattens (neben Gemeinde und Agrargemeinschaft Tulfes Hauptanteilseigner der Glungezerbahn): „Lange Wartezeiten wären fix“ – zumal Familien bzw. Wandergruppen ja auch nicht auseinandergerissen werden wollten.

„Wir haben uns um 21-Sitzer bemüht und das auch mit der Patscherkofelbahn besprochen“, so Nuding weiter. „IVB-Chef Martin Baltes hat in ganz Österreich nachgefragt, aber es ist nicht möglich, solche Busse zu bekommen.“

„So ist es besser, von vornherein zu sagen, dass der Weg ab der Mittelstation nur fußläufig möglich ist“, bilanziert Höllwarth. Dass am Glungezer heuer nur Sektion II in Betrieb ist, werde natürlich auch am Patscherkofel klar kommuniziert, merkt Nuding an.

Von der Mittelstation ins Tal werde man „einen netten Fußweg durch den Wald ausschildern“, erklärt BM Wegscheider, so sollen Überschneidungen mit dem Baustellenverkehr möglichst vermieden werden. „Und wenn sie es zu Fuß gar nicht schaffen, können die Leute immer noch ein Taxi anrufen“, so Wegscheider, „dieses darf bis zur Mittelstation fahren.“

Damit ist am Glungezer aber noch längst nicht alles eitel Wonne: Viele Leute seien über das fehlende Shuttleservice „verärgert“, berichtet Robert Hafele, Pächter der Tulfeinalm (2035 m) – „vor allem jene, die Regiocard-Besitzer sind und sagen, sie hätten eigentlich Anspruch auf eine Talfahrt“. Was er bemängelt: „Die betroffenen Hütten wurden nicht einmal zu einem Gespräch eingeladen, um eine gemeinsame Lösung zu finden.“

Unverständlich ist für Hafele auch der späte Saisonstart: Ursprünglich hätte die Sektion II schon ab 31. Mai, nicht erst ab 16. Juni fahren sollen, im Internet sei das auch so kommuniziert worden. „Bei uns rufen täglich Leute an, die den Zirbenweg gehen wollen – das Wetter ist in Ordnung, der Weg auch. Und ich habe schon das volle Personal auf der Hütte.“ Dass die Liftsektion II heuer nur bis 9. September verkehrt, sei ebenfalls problematisch: „Für uns ist das alles eine Existenzfrage“, hält Hafele fest.

Grund für den späteren Saisonstart seien noch vereinzelte Schneefelder am Zirbenweg, kontert Nuding. „Es wäre verantwortungslos, wenn wir schon vorher aufsperren und dann etwas passiert.“

Mit 16. Juni wird übrigens auch der Alpengasthof Halsmarter bei der Mittelstation geöffnet sein, ebenso – in eingeschränkter Form – die Berg­erlebniswelt Kugelwald.