Printausgabe der Tiroler Tageszeitung vom Mi, 13.06.2018


Osttirol

Eine kleine feine Schule am Berg

Die drei Volksschulen in Bannberg, Tessenberg und Untertilliach sind mit weniger als zehn Schülern die kleinsten in Osttirol. In Tessenberg lernen sieben Schüler in drei Stufen gemeinsam in einer Klasse.

© Blassnig ChristophMit Hingabe singen und tanzen die sieben Tessenberger Schulkinder schon am Morgen.



Von Christoph Blassnig

Tessenberg – Es hat die Gemeinden Tessenberg und Panzendorf gegeben. Die eine am Berg, die andere im Tal. 1974 wurden die Verwaltungen zusammengelegt und damit Heinfels begründet. In den Häusern und Höfen in Tessenberg sind sieben Kinder daheim, die die Schule im Feuerwehrhaus besuchen. Den Kindergarten gibt es dagegen nur in Heinfels, also im Tal. Und zur Neuen Mittelschule müssen alle Kinder dann noch weiter nach Sillian gefahren werden. Doch solange sie im Volksschulalter sind, gehen die Tessenberger Kinder zu Fuß in ihre Schule.

Andreas kennt sich mit dieser Geschichte seiner Heimat gut aus, hat er sie doch gerade erst gelernt. Er besucht die Klasse in Tessenberg gemeinsam mit Elena und Fabienne. Die drei erhalten in wenigen Wochen ihr erstes Notenzeugnis, weil sie die vierte Schulstufe beenden. „Alle jüngeren Kinder werden traditionell mündlich beurteilt“, erklärt Lehrerin Manuela Leiter. „Das hält man hier schon ewig so.“ Anhand einer Leistungsmappe wird den Eltern dann persönlich über Begabungen, Erfolge und Defizite ihrer Lieben Bericht erstattet.

Zeit und Zuneigung ihrer Lehrerin Manuela Leiter genießen alle Schüler.
- Blassnig Christoph

Auch Hannah und Lara sind in dieser Klasse, in der dritten Stufe. Die erste Stufe schließen Sarah und David bald ab. Nur diese vier Kinder werden im nächsten Schuljahr noch in Tessenberg sein. Lehrerin Manuela hat schon darüber Bescheid bekommen. Auch für sie bedeutet es eine gewisse Sicherheit, hier ein weiteres Jahr lang ihrem Beruf nachgehen zu dürfen.

„Als meine Oma hier zur Schule gegangen ist, waren es 120 Kinder in Tessenberg“, glänzt Andreas mit seinem Wissen. Etwas ungläubig fragt die Lehrerin nach: „Bist du sicher?“ – „Ja! Sicher!“, antwortet der Schüler bestimmt.

Ein Miteinander wie aus dem Bilderbuch zeigen die sieben Tessenberger Kinder. „Nicht nur heute“, lobt Manuela. Nach dem Morgengebet singen sie mit solcher Hingabe auf Deutsch, Englisch und Italienisch, dass man blind dreimal so viele Stimmen vermuten würde. Später lesen Andreas und David einander Übungstexte vor, während Hannah schreibt. Sarah spielt allein in der Direktion Flöte. Elena und Fabienne lösen Divisionen – am Donnerstag ist die letzte Schularbeit. Lara bekommt eine neue Aufgabe. „Es ist schön, so unterrichten zu dürfen“, ist sich Manuela einer gewissen Besonderheit der Schule bewusst. „Alle profitieren davon.“ Im nächsten Schuljahr sind es dann nur noch vier Kinder in Tessenberg. In Bannberg ebenso.

Der Computer hat den alten Setzkasten noch lange nicht ersetzt.
- Blassnig Christoph