Printausgabe der Tiroler Tageszeitung vom Do, 14.06.2018


Bezirk Kufstein

Kufsteiner Kinder krabbeln bald in Notplätzen

Die Stadt Kufstein möchte Notbetreuungsplätze als Krabbelstuben-Ersatz bei privaten Einrichtungen ankaufen. Jetzt ist eine Diskussion über die Einrichtung einer eigenen städtischen Kinderkrippe entbrannt.

© Getty Images/iStockphotoFür die Betreuung von kleinen Kindern gibt es in Kufstein ein breites privates Angebot. Symbolfoto: iStock,olesiabilkei



Von Wolfgang Otter

Kufstein – Das Thema Schließung der städtischen Krabbelstube in Kufstein ist noch nicht vom Tisch. Es sorgte für einigen Wirbel unter Eltern, aber auch am politischen Parkett. Gestern stand als Fortsetzung im Bildungsausschuss das Thema auf der Tagesordnung. Der Plan: Die Stadt will bei privaten Kinderkrippen Plätze für Notfälle ankaufen. Die Definition, was ein Notfall ist, wurde zuletzt heftig diskutiert. Angeblich sollen nun künftig auch Arzt- und Behördenbesuche dazuzählen. Diese müssten aber von den Müttern bestätigt werden. Dies erklärte Bildungsreferentin Birgit Obermüller (Parteifreie) auf Anfrage der TT. „Dann wird sich auch der Bedarf zeigen“, sagt Obermüller.

Dass es hinkünftig einen oder mehr Notplätze um zwei Euro gibt, an denen die Kinder auch ohne lange Eingewöhnungsphase abgegeben werden können, ist auch dem Druck der Opposition geschuldet. Das räumt Obermüller ein. An und für sich haben die Parteifreien nämlich die Schließung der Krabbelstube vorangetrieben, da es sich nach deren Ansicht um eine nicht mehr zeitgemäße Betreuungseinrichtung handle.

In der Krabbelstube konnte man die Kinder kurzfristig und für ein paar Stunden abgeben. Das erzeuge ein Bindungsproblem bei kleinen Kindern, hatte Obermüller das pädagogische Problem aufgezeigt. In einer Kinderkrippe (Betreuung bis 3 Jahre), die es in Kufstein aber nur auf privater Basis gibt, hingegen wird das kleine Kind durch längere Anwesenheit an die Situation gewöhnt. Laut Obermüller seien aber die meisten Kinder in der Krabbelstube Dauergäste gewesen. Dafür sei diese Art der Einrichtung eben nicht ausgelegt gewesen.

Eine Kufsteiner Mutter, die nicht namentlich genannt werden möchte, stellt sich auf die Seite der Stadt und meint in einer E-Mail an die TT, dass Kinder eine Eingewöhnungsphase brauchen, also öfter in der Einrichtung sein sollten. Die Frau verlangt aber „eine städtische Kinderkrippe, die auch für nicht Arbeitende bezahlbar ist“. Für sie seien nämlich die Tarife in den privaten Kinderkrippen zu hoch. Außerdem seien diese schon sehr überfüllt.

Obermüller schließt auch die Einführung einer städtischen Kinderkrippe nicht aus, sollte der Bedarf vorhanden sein. „Wir werden uns das überlegen, ob es notwendig ist. Es wird sicher etwas entstehen, das günstig ist“, meint Obermüller zur TT. Sie ruft die Eltern dazu auf, sich mit Kritik und Anregungen direkt an sie zu wenden.

„Und Eltern, die sich die privaten Kinderkrippen nicht leisten können, erhalten eine Unterstützung. Sie können jederzeit zur Stadt gehen“, sagt Obermüller. Darauf verweist auch Bürgermeister Martin Krumschnabel. Er steht aber einer eigenen städtischen Kinderkrippe eher skeptisch gegenüber. „Ich glaube, die Förderung ist für die Stadt die bessere Lösung. Für eine Kinderkrippe muss man wieder Personal anstellen“, sagt Krumschnabel.

Er erinnert daran, „dass 99 Prozent der Leute kein Problem mit der Situation haben, bzw. sie selber lösen“. Er wäre ein Vertreter davon, dass für Eltern die Betreuung gratis ist. „Aber es ist politisch nicht erwünscht“, sagt Krumschnabel, der damit an eine Forderung der family-Partei erinnert, die er mit seiner Frau Andrea für die Landtagswahl ins Leben gerufen hat. Der Einzug in den Landtag blieb ihnen aber verwehrt.

Krumschnabel erinnert auch daran, dass es viele Einrichtungen für Kinder in der Stadt gebe und sagt: „Wir werden aufzeigen, dass Kufstein keine Wüste in diesem Bereich ist.“

Auch die FPÖ-GKL meldet sich nochmals zu Wort. Deren beide Stadträte hatten gemeinsam mit Parteifreien und ÖVP das Aus für die Betreuungeinrichtung im Stadtrat beschlossen. So erinnert StR Walter Thaler daran, dass die Krabbelstube nicht dem Tiroler Kinderbildungs- und Kinderbetreuungsgesetz (TKBBG) entspreche. „Mangels Anerkennung der Einrichtung durch das Land wird kein Personalkostenzuschuss geleistet, sodass die Kosten für diese Einrichtung auf Dauer nicht mit den Bestimmungen der Tiroler Gemeindeordnung über die Haushaltsführung in Einklang zu bringen sind“, fügt Thaler an. Sie hätten sich aber für die Alternativplätze starkgemacht. Er geht auch davon aus, dass sich der Tarif dafür (2 Euro) nicht ändern werde.

„Wir vom Team Thaler Walter FPÖ/GKL sind überzeugt, dass durch diese Maßnahmen eine Optimierung aller Kindereinrichtungen auf Jahre hinaus gewährleistet ist“, so Thaler.