Printausgabe der Tiroler Tageszeitung vom Do, 14.06.2018


Exklusiv

Uni erlässt vielen Berufstätigen weiter Studiengebühr

Generalamnestie gibt es zwar keine mehr für erwerbstätige Langzeitstudenten. Doch der Innsbrucker Rektor verspricht großzügige Regelung.

© Thomas BöhmSymbolbild



Von Gabriele Starck

Innsbruck – Wer tatsächlich brav studiert, aber wegen Berufstätigkeit länger braucht, muss auch in absehbarer Zeit keine Studienbeiträge zahlen – zumindest nicht an der Uni Innsbruck.

Allen, die in Österreich an einer öffentlichen Universität zügig ihren Abschluss machen, wird gar nicht auffallen, dass eigentlich Studiengebühren zu zahlen wären. Denn sie sind davon befreit. Jene allerdings, die länger brauchen, erreicht jedes Semester eine Zahlungsaufforderung über 363,36 Euro zusätzlich zum ÖH-Beitrag. Da viele von ihnen jedoch bereits voll erwerbstätig sind und daher ihr Studium nicht in der geforderten Zeit – Mindestdauer plus zwei Semester – absolvieren können, wurde bislang bei Vorlage des Steuerbescheids der Beitrag rückerstattet bzw. sie mussten ihn erst gar nicht bezahlen.

Damit ist ab sofort Schluss. Ab Herbst gibt es keine gesetzlich festgeschriebene Ausnahme für erwerbstätige Studierende mehr. Grund dafür ist ein Urteil des Verfassungsgerichtshofs, der die damals noch rot-schwarze Regierung aufforderte, die Regelung zu reparieren, was diese aber nie tat. Und die neue ÖVP-FPÖ-Regierung hat kein Interesse daran, plant sie doch, Studienbeiträge ohnehin wieder flächendeckend einzuheben.

Die Uni Innsbruck jedoch will den Nachteil, den ihre erwerbstätigen Studiosi gegenüber Vollzeitstudenten haben, diesen nicht zumuten. Und so haben Rektorat und Senat gemeinsam mit der Hochschülerschaft sechs Monate lang nachgedacht, verhandelt und nun eine Lösung gefunden. Jene berufstätigen Studierenden, die ein gewisses Maß an Prüfungsaktivität nachweisen können, müssen auch in den kommenden Semestern keine Beiträge bezahlen. Details will die Uni kommenden Montag präsentieren. Die Vereinbarung müsse noch durch die Gremien, sagt Rektor Tilmann Märk. Es werde aber mit Sicherheit eine großzügig paktierte Regelung sein, ergänzt er.

Für die Universität bedeute dies, auf Geld zu verzichten, ist die ÖH-Vorsitzende Johanna Beer dankbar für die Bereitschaft der Uni-Leitung, den Studenten zu helfen. Angesichts der hohen Mieten und Lebenshaltungskosten in Innsbruck sei dies durchaus angebracht, heißt es aus der Uni-Leitung. Die Universität hat aber durchaus auch Interesse daran, ihre Studenten zu halten und zum Abschluss zu bringen. Denn Kennzahlen wie die Prüfungsaktivität der Studierenden können mit der von der Regierung zugesagten Einführung der Studienplatzfinanzierung bares Geld für die Universität wert sein. Was wiederum bedeutet, mehr für Lehrpersonal zur Verfügung zu haben, was wiederum zu besseren Kennzahlen führt.

Innsbruck wird deshalb nicht die einzige Uni bleiben, die eine eigenständige Regelung für erwerbstätige Studenten einführt. Auch andere Universitäten arbeiten an einem Modell. Das von Innsbruck könnte in den nächsten Wochen durchaus da und dort Schule machen.