Printausgabe der Tiroler Tageszeitung vom Fr, 15.06.2018


Exklusiv

Landwirt fühlt sich von Behörde unfair behandelt

Wegen der Beseitigung von hiebsunreifen Hochwaldbeständen muss ein Bauer die Aufforstung bezahlen, ein Weg hingegen darf gebaut werden.

© Michael Mader



Von Michael Mader

St. Ulrich a. P. – Unter Schwenden versteht man im Allgemeinen das Säubern der Almflächen vom natürlichen, platzraubenden Anflug von Laub- und Nadelhölzern und von Almunkräutern. Genau dieses grundbücherlich eingetrage Recht sowie unter anderem auch das Weide-, Holz- und Wasserrecht hat Andreas Wurzenrainer aus St. Ulrich auf großen Teilen des Auerbergs. Trotzdem muss Wurzenrainer bzw. seine Mutter Zenzi nun rund 4100 Euro für die Aufforstung einer rund 530 Quadratmeter großen Fläche bezahlen.

Der Grund für den Bescheid der Bezirkshauptmannschaft Kitzbühel reicht ins Jahr 2015 zurück. „Da habe ich im Frühjahr mit einer handelsüblichen Astschere auf dieser Fläche Ahornstauden umgeschnitten, damit unsere Kühe wieder mehr Weidefläche haben“, erklärt Zenzi Wurzenrainer der Tiroler Tageszeitung. Ihr gutes Recht, wie sie glaubte.

Doch weit gefehlt: Sie wurde wegen der Beseitigung von hiebsunreifen Hochwaldbeständen angezeigt. Bei der besagten Fläche handelt es sich nämlich nicht um eine Alm- oder Weidefläche, sondern um eine Waldfläche. Detail am Rande: Wären die Bäume groß genug gewesen, hätte Wurzenrainer sie sogar umschneiden dürfen.

Da die Familie Wurzenrainer das so nicht hinnehmen wollte, musste sich unter anderem das Landesverwaltungsgericht damit beschäftigen. „Die Sachlage ist klar, der Bescheid ist nunmehr von allen Instanzen bestätigt worden und auch rechtskräftig“, sagt Bezirkshauptmann Michael Berger. Im Bescheid wird nicht nur die Pflanzung von 50 Stück Fichtenjungpflanzen und 80 Stück Weißkiefernjungpflanzen vorgeschrieben, sondern auch die Abzäunung der rund 530 Quadratmeter großen Fläche, bis die heranwachsenden Bäume rund 2,5 Meter hoch sind.

Für Andreas Wurzenrainer kommt das einer Enteignung gleich, „weil das Jungvieh auf dieser Fläche vermutlich die nächsten 15 Jahre nicht weiden kann“. Unterstützung bekommt er vom Dienststellenleiter der Bezirkslandwirtschaftskammer in Kitzbühel, Hans Bachler: „Meiner persönlichen Einschätzung nach liegt eine Unverhältnismäßigkeit vor. Denn das Freihalten einer Weide ist nachhaltig und wichtig, da sonst unsere Kulturlandschaft verlorengeht. Natürlich kann das auch als Verletzung des Forstgesetzes ausgelegt werden.“

Wurzenrainer jedenfalls sieht sich ungleich behandelt: „Durch diesen Wald wird jetzt ein Forstweg gebaut, viele Bäume müssen weg und es wird sogar gesprengt“, vermutet Wurzenrainer, dass damit der Weg zur Jagdhütte des reichen deutschen Jagdpächters ausgebaut werden soll.

Judith Höfinger von der Bezirkshauptmannschaft Kitzbühel bestätigt, dass die ursprünglichen Pläne einen Ausbau bis zur Hütte beinhaltet hätten: „Das Ansuchen wurde aber zurückgezogen, wir hätten keine Genehmigung erteilen können. Jetzt handelt es sich um eine forstrechtlich genehmigte Bringungsanlage, die zur Erschließung von Waldflächen dient. Somit besteht ein öffentliches Interesse.“ Der etwa 800 Meter lange Forstweg zur Waldbewirtschaftung sei mit Lkw befahrbar, eine direkte Zufahrt zur Jagdhütte gebe es allerdings nicht.