Letztes Update am Mo, 18.06.2018 09:01

TT / Tiroler Tageszeitung Onlineausgabe


Tirol

3,9 Prozent der Tiroler Jugend krankhaft internetsüchtig

Forscher der Uniklinik Innsbruck zeigen in einer neuen Studie auf, dass Kinder und Jugendliche mit psychischen Erkrankungen noch einmal deutlich anfälliger für Internetsucht sind.

© iStockphoto(Symbolfoto)



Innsbruck – Mehr als 60 Stunden pro Woche am Handy, beim PC oder an der Konsole: Für einen Teil der Tiroler Kinder und Jugendlichen ist das im Alltag ganz normal. 3,9 Prozent der Jugendlichen sind punktuell so abhängig vom Internet, dass ihre Gesundheit und Entwicklung gefährdet ist. Forscher der Uniklinik Innsbruck für Kinder- und Jugendpsychiatrie haben jetzt in einer Studie herausgefunden, dass der suchtartige Internetgebrauch bei jungen Menschen mit psychischen Erkrankungen sogar noch einmal deutlich erhöht ist.

Die Wahrscheinlichkeit im Vergleich zu einer Stichprobe von Tiroler Schülern ist um das 7,8-fache erhöht. Darüber hinaus zeigt die Studie, dass unter der Gruppe der internetabhängigen Jugendlichen bestimmte Probleme wie Mobbing, Identitätsschwierigkeiten oder Suizidalität signifikant häufiger vorkommen. Die Ergebnisse wurden im Fachmagazin BioMed Research International veröffentlicht. Für die Untersuchung wurden 111 junge Patienten der Kinder- und Jugendpsychiatrie sowie 398 Schüler aus Innsbruck befragt.

Verbesserungen in der Therapie

„Unsere Studie zeigt, dass speziell Jugendliche mit psychischen Erkrankungen Schwierigkeiten haben, das Internet auf kompetente und nicht-schädliche Art zu nutzen“, sagt Erstautor Martin Fuchs. Die Betroffenen könnten sich demnach online schlechter schützen und würden häufiger zu Mobbingopfern werden. Die Ergebnisse der neuen Tiroler Studie sollen jetzt vor allem dabei helfen, für die Betroffenen eine Verbesserung in der Therapie zu erreichen. „Mit Hilfe unserer Erkenntnisse können wir ein Risikoprofil erkennen. Ist dieses vorhanden, werden wir in der Behandlung verstärkt auf das Erlernen eines gesunden Umganges mit dem Internet Wert legen“, nennt Fuchs erste konkrete Maßnahmen. Zusätzlich sollen weitere Studien in diesem Bereich durchgeführt werden.

Die Nutzung des Internets gilt dann als gesundheitsgefährdend, wenn Jugendliche so häufig vor dem Computer sitzen, dass sich Probleme im Alltag und in der Schule häufen. Erste Warnsignale sind sozialer Rückzug, plötzlicher Leistungsabfall, Schlafstörungen und das Aufgeben von Freizeitaktivitäten. (TT.com)

-