Printausgabe der Tiroler Tageszeitung vom Do, 21.06.2018


Osttirol

Karnischer Kamm wird Kriegsmuseum

Im Gemeindegebiet von Kartitsch finden sich Relikte der Dolomitenfront aus dem Ersten Weltkrieg. Heuer beginnt die Restaurierung von Stellungen und Bunkern. Die Zone soll archäologisches Schutzgebiet werden.

© F. GollerDer Friedhof beherbergt die Gräber von vier Standschützen, die 1915 fielen.



Von Catharina Oblasser

Kartitsch – Ein Freilichtmuseum besonderer Art soll auf dem Karnischen Kamm hoch über der Gemeinde Kartitsch entstehen. Da dieses Gebiet Teil der ehemaligen Front des Ersten Weltkriegs ist, finden sich dort noch viele Überreste der Kämpfe: Bunker, Stellungen, Schützengräben oder der Hochgränten-Friedhof. Dort sind vier Standschützen bestattet, die 1915 fielen. All das soll mithilfe eines drei Jahre währendes Projekts wieder sichtbar gemacht werden.

Die vollständige Bezeichnung des Vorhabens lautet „Projekt zur Restaurierung exemplarischer Abschnitte der Frontstellungen des Ersten Weltkrieges am Karnischen Kamm mit wissenschaftlicher Dokumentation und touristisch-musealer Präsentation 2018–2012“. Projektträger ist die Gemeinde Kartitsch.

„Relikte aus dem Ersten Weltkrieg werden auch wissenschaftlich untersucht, vermessen und teilweise freigelegt“, sagt der Kartitscher Bürgermeister Josef Außerlechner. „Dort oben befinden sich heute, 100 Jahre nach Kriegsende, ja noch immer Reste von Baracken, Geschützstellungen und vieles mehr.“ Wenn man jetzt nichts unternehme, seien die historischen Zeugnisse bald ganz verschwunden.

Das Bundesdenkmalamt (BDA) ist wichtiger Projektpartner. Walter Hauser, Leiter des BDA in Innsbruck, nennt drei Schwerpunktorte am Karnischen Kamm, die heuer angegangen werden: „Der Hochgränten-Friedhof, ein Beobachtungsposten auf der Demut und eine Feldwache auf der Schöntalhöhe.“ 2019 rückt das Gebiet um den Obstanser Sattel ins Zentrum, 2020 die Filmoorhöhe. Zusätzlich will man die Grenzsteine von 1753 zwischen der Republik Venedig und der Habsburger Monarchie konservieren.

Dabei werden die alten Mauern nicht im eigentlichen Sinne wieder aufgebaut. „Sie werden teilweise nur konserviert, teilweise rekonstruiert oder sie sollen digital wieder auferstehen“, führt Walter Hauser aus. Diese „Wiederauf- erstehung“ könnte in Form einer Handy-App erfolgen, die die Welt von damals virtuell darstellt. Die Kriegsschauplätze am Karnischen Kamm sollen außerdem Teil eines archäologischen Schutzgebietes werden, so der BDA-Leiter von Tirol.

Das Vorhaben, das rund 200.000 Euro kostet, finanziert sich aus Geldern des BDA, des Landes Tirol, der Landesgedächtnisstiftung und der Gemeinde Kartitsch. Weitere Projektpartner sind die Universität Innsbruck mit dem Institut für Archäologien und dem Institut für Baugeschichte sowie das Südtiroler Denkmalamt und zahlreiche Experten. Die Projektanten hoffen, dass das Bundesheer mit dem Jägerbataillon 24 bei den Arbeiten mithelfen wird.

Der Hochgränten-Kriegerfriedhof in einer historischen, nachträglich colorierten Ansicht.
- Herrnegger



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