Letztes Update am Mo, 09.07.2018 18:41

TT / Tiroler Tageszeitung Onlineausgabe


Thailand

Höhlendrama: Acht Buben gerettet, Hoffnung auf Happy End wächst

Wieder vier Buben in Sicherheit. Rund um die Welt hoffen viele jetzt darauf, dass das Höhlendrama in Thailand für alle Eingeschlossenen glücklich zu Ende geht. Doch noch ist der Einsatz nicht vorbei.

© REUTERS'"Willkommen zu Hause, Jungs" steht auf diesem Schild geschrieben.



Chiang Rai – Im Höhlendrama von Thailand wächst nach über zwei Wochen Zittern und Bangen die Hoffnung auf ein glückliches Ende. Mit einer neuen Rettungsaktion über viele Stunden hinweg gelang es Spezialtauchern am Montag, vier weitere Kinder aus der Höhle im Norden des Landes ans Tageslicht zu bringen. Damit sind nun acht Spieler der Fußball-Mannschaft gerettet. Vier Burschen und ihr Betreuer müssen immer noch in der Höhle ausharren – jetzt schon seit 16 Tagen.

Erstes Wiedersehen mit Eltern und Geschwistern

Der Einsatz wird am Dienstag fortgesetzt, wenn die Taucher neue Kräfte gesammelt haben und auch die Versorgung mit Atemluft auf dem vier Kilometer langen Weg nach draußen sichergestellt ist. Möglicherweise wird dann gleich versucht, die letzten fünf Eingeschlossenen zusammen herauszuholen. Offiziell gab es dafür keine Bestätigung. Provinzgouverneur Narongsak Osottanakorn versicherte aber, alle bislang Geretteten seien „sicher und gesund“.

Die Aktion stützt sich auf ein Team von mehr als einem Dutzend internationaler Spezialtaucher. Weil in Südostasien gerade Monsun-Saison ist und neue schwere Regenfälle drohen, ist es auch ein Kampf gegen die Zeit. Die Höhle Tham Luang-Khun Nam Nang Non, wo das Team am 23. Juni von Wassermassen überrascht wurde, liegt ganz im Norden Thailands an der Grenze zu Myanmar.

Die geretteten Kinder werden jetzt in einem Krankenhaus der Provinzhauptstadt Chiang Rai behandelt, etwa 50 Kilometer von der Höhle entfernt. Dort gab es für die ersten Buben auch schon ein Wiedersehen mit Eltern und Geschwistern. Allerdings müssen sie nach zwei Wochen in fast kompletter Dunkelheit äußerst vorsichtig wieder ans normale Leben herangeführt werden.

Ärzte untersuchen die geretteten Kinder noch vor Ort.
- imago stock&people

20 Stunden im Rettungseinsatz

Zunächst einmal sollen sie von Ärzten aufs Gründlichste untersucht werden. Befürchtet wird, dass auch die Psyche Schaden genommen haben könnte. Der achte Stock der Klinik, wo die Geretteten jetzt schlafen, ist von der Polizei abgesperrt – aus Sorge, jemand könnte sich unerlaubt Zutritt verschaffen.

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Den vier Burschen, die bereits am Sonntag gerettet wurden, geht es nach offiziellen Angaben verhältnismäßig gut. Nach Angaben des Leiters des Rettungsteams, Narongsak Osottanakorn, waren sie hungrig und haben im Spital nach gebratenem Reis gefragt. Über den Zustand der anderen wurde zunächst nichts bekannt.

Nach Angaben des Provinzgouverneurs dauerte der zweite Großeinsatz insgesamt neun Stunden – zwei weniger als am Tag zuvor. Die Höhle ist nach seiner Darstellung weiterhin teilweise überflutet, das Wasser aber gesunken. „Der Wasserstand ist tief. Das Wetter ist gut. Die Ausrüstung ist bereit“, sagte er zu Beginn der Aktion. Nach Regenfällen über Nacht schien am Montag die Sonne. „In ein paar Stunden werden wir gute Nachrichten bekommen“, sagte der Gouverneur – damit behielt er dann auch Recht.

90 Taucher im Einsatz, mehr als Tausend beteiligt

Die Rettung des Fußballteams namens „Wildschweine“ ist äußerst gefährlich. An manchen Stellen ist der Weg so eng, dass die Taucher ihre Atemluft-Flaschen abschnallen müssen. Darüber hinaus kann man im Wasser kaum sehen. Bei der Vorbereitung der Mission ertrank am Freitag ein erfahrener thailändischer Taucher.

Jetzt nehmen jeweils zwei Retter die Buben, von denen kein einziger richtig tauchen kann, ins Schlepptau. Alle tragen Taucheranzüge und sind mit Taucherbrillen ausgerüstet. Die Profis versorgen sie mit Luft. Sicherheitshalber, so verrät der dänische Taucher Ivan Karadzic, einer aus dem Kernteam von 13 internationalen Profis, hat man den Jungen der ersten Vierer-Gruppe aber auch noch starke Beruhigungsmittel verpasst.

Krankenwagen und Hubschrauber stehen vor dem Höhleneingang bereit.
- Reuters/PERAWONGMETHA

„Wir hatten uns alle möglichen Katastrophenszenarien ausgemalt – Ausrüstung, die kaputt geht, und Kinder, die in Panik geraten, ertrinken oder wiederbelebt werden müssen“, sagt Karadzic. „Wir waren vorbereitet, doch nichts ist passiert. Alle waren auf ihren Posten und taten genau, was sie sollten.“ Der Däne gehört zu den Tauchern, die am Montag erst einmal pausierten. Am Dienstag soll es für ihn weitergehen.

Etwa 90 Taucher sind im Einsatz. Das Kernteam besteht aus 18 Spezialtauchern, davon der größte Teil aus Ländern wie Australien und Großbritannien. Insgesamt sind mehr als tausend Retter beteiligt.

Auch Mitschüler atmen auf

Zu den Leuten, die während der Rettungsaktion besonders mitfiebern, gehören auch die Schüler der Prasitsart-Oberschule in Mae Sai, der nächstgelegenen Stadt. Dort gehen sechs der zwölf Buben zur Schule.

Der 14-jährige Warangchit Kankaew war selbst schon vier Mal in der Höhle. „Ich bin sehr glücklich, dass es die ersten geschafft haben“, sagt er. „Und hoffe, dass die anderen auch bald alle herauskommen.“ Ein anderer Bub, Pansa Sompienjai (15), sieht die Sache ganz praktisch. „Die sollen sich beeilen, denn wir haben sehr viele Hausaufgaben.“ Zumindest diese Sorge ist allerdings unberechtigt: Die Schule kündigte am Montag an, dass die Jungen von Klassenarbeiten erst einmal befreit sind. Wenn sie überhaupt alle glücklich herauskommen.

Schüler beten für ihre Klassenkameraden.
- REUTERS