Printausgabe der Tiroler Tageszeitung vom Di, 10.07.2018


Bezirk Landeck

Steiniges Verfahren für Klettersteige

Das Landesverwaltungsgericht entscheidet über drei Klettersteige zur Burg Laudeck. Sie waren ursprünglich illegal errichtet worden. Der Landesumweltanwalt warnt vor dem Verlust eines „Kleinods“, wenn sie bleiben.

© Reichle



Von Matthias Reichle

Ladis – Die Anker sind gebohrt, die Stahlseile gespannt, selbst an den Seilbrücken und dem Wandbuch, in das sich wagemutige Klettermaxe eintragen können, mangelt es nicht. Seit fast zwei Jahren sind drei Klettersteige auf die Burg Laudeck in Ladis betriebsfertig, bleiben aber trotzdem gesperrt. Der Fall ist derzeit gerichtsanhängig. „Wir haben die Verwendung Anfang August 2016 untersagt – gebaut waren sie ja schon“, erklärt Manuel Wolf, Chef der Umweltabteilung der Bezirkshauptmannschaft Land­eck, die Hintergründe.

Der Fall ist skurril. Die Behörde wurde damals darauf aufmerksam, dass der Tourismusverband Serfaus-Fiss-Ladis die drei Kletterrouten in direkter Dorfnähe umgesetzt hatte, ohne vorher ein Genehmigungsverfahren durchzuführen. Der Fall kam ins Rollen, als die Anlagen bereits in Betrieb genommen worden waren. Es folgte ein Strafverfahren, das inzwischen abgeschlossen ist.

- Reichle

Seither hakt es aber. Und die Benützung der drei Routen mit den klingenden Namen „Via Claudia Augusta“, „Pons Laudes Steig“ und „Laudeck Steig“ bleibt auch diesen Sommer verboten. Der TVB hatte zwar um eine nachträgliche naturschutz- und forstrechtliche Genehmigung angesucht – und diese mit Umweltauflagen in einer Interessenabwägung von der BH Landeck auch bekommen.

Nun blockiert aber eine Beschwerde der Landesumweltanwaltschaft gegen den naturschutzrechtlichen Bescheid eine Öffnung der Steige. Das bestätigt Landesumweltanwalt Johannes Kostenzer. Seine Motivation sei dabei, eines der letzten „naturkundlich und landschaftlich wertvollen Kleinode in seiner Ursprünglichkeit zu erhalten“. Gerade weil es bereits zahlreiche touristische Sommerangebote am Plateau gebe, sollte „diese eindrucksvolle unberührte Felswand mit der Burg Laudeck langfristig – frei von jeglichen technischen Sportanlagen – erhalten bleiben“, heißt es in der Beschwerde, über die nun das Landesverwaltungsgericht zu entscheiden hat. „Es ist ein wertvolles Gelände“, so Kostenzer auf Anfrage der TT. Er ortet eine „Salamischeibentaktik“ in ganz Tirol. Stück für Stück gehen durch kleine Eingriffe wertvolle Naturlandschaften verloren.

Die Klettersteiganlage auf die Burg Laudeck wurde nachträglich von der BH Landeck genehmigt. Wegen einer Beschwerde der Umweltanwaltschaft muss nun das Landesverwaltungsgericht entscheiden. Fotos: Reichle
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Kostenzer beruft sich dabei auf das Gutachten der naturkundlichen Amtssachverständigen, die „eine starke und irreversible Beeinträchtigung“ prognostiziert hatte. „Die imposanten und langgezogenen Felswände, deren Kopf Sitz der Burg Laudeck ist, prägen das Oberinntal in seinem Erscheinungsbild und lenken den Blick des Betrachters von allen Richtungen auf sich. Diese einzigartige Kombination aus Naturelementen (Felswand) und der kulturhistorisch bedeutsamen Burganlage geben dem Standort einen einzigartigen Charakter“, zitiert er aus dem Gutachten. Es ist dazu ein artenreicher Lebensraum und wahrscheinlich einer der letzten bedeutenden Standorte für den Sand-Blauwürger, eine vom Aussterben bedrohte Pflanzenart. „Die Bestände und Vitalität dieser Art werden durch die Querung des dort nachgewiesenen Vorkommens durch einen Zustiegsweg nachhaltig geschädigt.“ Die Umweltanwaltschaft zählt weiters 13 Heuschreckenarten (vier davon auf der Roten Liste Österreichs, eine stark gefährdet), drei Reptilienarten und 14 Tagfalterarten (zwei stark gefährdet, eine gefährdet und mehreren droht Gefährdung) auf.

Josef Schirgi, Geschäftsführer des Tourismusverbands Serfaus-Fiss-Ladis, wollte sich zum Fall nicht äußern: „Es ist ein laufendes Verfahren, von mir gibt es deshalb keine Stellungnahme“, betonte er.

Wolf wartet jetzt auf die Gerichtsentscheidung: „Wir bekommen regelmäßig Anfragen von Touristen aus Deutschland“, bestätigt er. Diese sehen die Warntafeln, auf denen auf den Bescheid der Behörde verwiesen wird. Sollte das Urteil positiv ausgehen, kann der Steig benützt werden, sonst könnte auch ein Rückbau drohen.