Printausgabe der Tiroler Tageszeitung vom Mi, 11.07.2018


Osttirol

Kinder-Sommer-Uni: Wie kommen wir zum Mond?

Zum zweiten Mal veranstaltet die Universität Innsbruck eine Kinder-Sommer-Uni in Lienz. Im ersten von 19 Kursen haben sich die Kinder mit dem Weltall beschäftigt und sind zu Raketenbauern geworden.

© Blassnig ChristophWarum eine Spitze leichter durch ein Hindernis wie die Schallmauer stößt als eine Fläche, hat Michael Müller spielerisch veranschaulicht.



Von Christoph Blassnig

Lienz – Wie weit entfernt ist unser Mond? Wie kommt man ins All? Was ist unser Sonnensystem? Und warum gibt es nicht nur unsere Galaxie, sondern unergründlich viele davon? Wo sind die alle? Was hält sie zusammen? Warum stürzen sie nicht aufeinander? Auch nicht Sabine Schindler, Leiterin der Privaten Universität für Gesundheitswissenschaften, Medizinische Informatik und Technik (UMIT), kann auf alle Fragen der Menschheit eine Antwort geben. Doch die Fragen sind da. Wenn man Antworten sucht, fragt man das Internet, oder, nach Möglichkeit, Wissenschafter. Eben jemanden wie Sabine Schindler, oder den Physikstudenten Michael Müller aus Graz. Hunderte Kinder haben in den nächsten zwei Wochen in Lienz Gelegenheit, mit Wissenschaftern gemeinsam Fragen zu stellen und sie zu beantworten.

Gleich im ersten von 19 Kursen, die heuer von der Kinder-Sommer-Uni in Lienz angeboten werden, hat Sabine Schindler den Kindern offene Fragen der Wissenschaft präsentiert. „Ich wünsche euch, dass ihr in eurem Leben einmal die Südhalbkugel besuchen könnt“, sagte die Rektorin. „Und wenn ihr da seid, schaut euch den Nachthimmel an. So viele Sterne können wir auf der Nordhalbkugel, wo wir sind, leider niemals sehen.“ Hochtechnologie wie Teleskope und Super-Computer dienten Wissenschaftern weltweit, um sehen und verstehen zu lernen, wie unser Weltall funktioniert. „Im Universum ist einfach immer etwas los“, erklärte Sabine Schindler den Kindern. „Wir haben noch so viel zu erforschen. Bleibt neugierig und stellt Fragen. Die Wissenschaft, und damit auch die Gesellschaft, braucht euch.“

Paulina aus Lienz hat, wie ihre Freundinnen auch, zum ersten Mal eine Rakete gebastelt und anschließend in die Luft düsen lassen.
- Blassnig Christoph

Michael Müller studiert an der Technischen Universität in Graz Physik. Bereits zum zweiten Mal nahm er in Lienz Kinder mit zu Gedankenexperimenten. Diesmal stand Raketenkunde auf seinem Lehrplan. „Wenn ihr euch mit einem Basketball in den Händen auf einen Schreibtischstuhl mit Rollen setzt und den Ball wegschleudert, stoßt ihr euch dadurch gleichzeitig in die Gegenrichtung ab“, erklärte Michael den staunenden Kindern. Den Tatsachenbeweis musste er in diesem Fall schuldig bleiben, weil er keinen Basketball besitze, wie er sagte: „Ich gehöre zu jenen, die lieber Gleichungen lösen.“ Aus dem Antrieb einer echten Rakete würden im Vergleich etwa 30.000 Basketbälle pro Sekunde nach hinten ausgestoßen, habe er errechnet. „Und so kommt die Rakete dann voran und wird langsam immer schneller, bis sie die Atmosphäre verlassen hat“, erläuterte Müller. Manchmal fliegen Astronauten mit, manchmal Teleskope, Teile für die Raumstation oder Satelliten für das Fernsehen. „Bei Regen oder Schnee geht das Bild weg“, wusste daraufhin ein Kind einzuwerfen. Die nächste Frage aus der Praxis war damit gestellt: „Wie sehen die Australier über ihren Satellit eigentlich das WM-Fußballspiel, das auf der anderen Seite der Erde in Russland gerade läuft?“

Rektorin Sabine Schindler, Physikstudent Michael Müller, Julia Außersteiner und Fadi Dohnal (hinten, v. l.) mit vier Raketenwissenschaftern.
- Blassnig Christoph

Ob denn die Tiere im Meer keinen Schaden nehmen, wenn ihnen vom Himmel ausgebrannte Raketenstufen auf den Kopf fallen, wollte ein Mädchen wissen. Und ein Junge hatte Sorge, wenn davon ein Haus oder, noch schlimmer, gar ein Auto getroffen würde. „Das wird eher nicht passieren, weil diese Dinge großteils verglühen oder für immer auf den Meeresgrund versinken“, gab Michael zur Antwort. Nach aller Theorie haben die Kinder selbst gebastelte Raketen zehn Meter hoch in die Luft düsen lassen. „Wir versehen kleine Mineralwasserflaschen mit einer Spitze und Finnen“, gab Müller zur Anleitung. „Dann lassen wir das Wasser bis zur Hälfte aus und erzeugen mit einer Fahrradpumpe den nötigen Druck.“

Für die Kinder-Sommer-Uni Osttirol war eine Online-Anmeldung nötig. Fast alle der insgesamt 280 Plätze sind bereits vergeben. „Wir freuen uns sehr über den guten Anklang“, sagte Fadi Dohnal, der wissenschaftliche Leiter am Mechatronik-Campus Lienz.