Printausgabe der Tiroler Tageszeitung vom Do, 12.07.2018


Tirol

C7-Stützpunkt in Osttirol schwer in der Kritik

Briefe von Insidern des Christophorus-7-Stützpunktes in Nikolsdorf zeichnen das Bild eines vergifteten Arbeitsklimas voller Willkür, sozialer Kälte und Freunderlwirtschaft.

© Brunner ImagesAbgehoben – aber nicht im flugtechnischen Sinn – soll die C7-Führungsriege agieren.



Von Nikolaus Paumgartten

Nikolsdorf – Austritte, Stützpunktwechsel, Zwangsversetzungen und Kündigungen. In den vergangenen Jahren hat der Stützpunkt Christophorus 7 der ÖAMTC-Flugrettung in Nikolsdorf viele Personalwechsel erlebt. Und das kommt nicht von ungefähr – glaubt man dem Inhalt jener zwei Schreiben, die dieser Tage die Führungsriege der ÖAMTC-Flugrettung erreicht haben. Diese liegen der TT vor. Darin klagen aktive und ehemalige Crewmitglieder des Stützpunktes über eine Reihe „untragbarer Vorfälle und Zustände“ am Stützpunkt.

Intrigen, Lügen, Unstimmigkeiten, Machtmissbrauch und Freunderlwirtschaft würden dort seit Jahren vorherrschen. In Ungnade gefallene Crewmitglieder würden von der Leitung ohne eingehendere Untersuchungen oder Gespräche vom Stützpunkt entfernt. Verletzte Eitelkeiten und zwischenmenschliche Probleme bestimmen laut Schreiben die Personalpolitik. So zuletzt auch Ende Juni, als einem Flugretter plötzlich bei Dienstantritt mitgeteilt worden sei, dass er seinen Spind zu räumen habe und den Stützpunkt nicht mehr betreten dürfe. Der Versuch eines Kollegen aus dem Ärzteteam, die Situation zu beruhigen, brachte diesem eine verbale Attacke ein – und endete damit, dass der Mediziner seinen Austritt erklärte.

Einem Piloten soll von oberster Stelle regelmäßiger Alkoholmissbrauch unterstellt worden sein. Dieser wehrte sich erfolgreich gegen die Gerüchte, ließ sich allerdings versetzen. Jene Flugretter, die für den Mann Partei ergriffen hatten, wurden in der Folge massiv gemobbt, heißt es in einem der Briefe.

Berichtet wird in den Schrei­ben außerdem von abendlichen „Musiksessions mit stützpunktfremden Personen“, bei denen neben der getankten Maschine Zigarren geraucht werden.

Alpine Einsätze am Stützpunkt hätten deshalb abgenommen, weil die Führungsspitze eine „ausgeprägte Antipathie gegenüber alpinen Einsatzkräften“ habe. Der Begriff „Bergrettungstrottel“ sei am Stützpunkt ein Standardbegriff geworden. Die Bergrettung habe die mangelnde Kooperationsbereitschaft registriert und sei daher dazu übergegangen, vermehrt Verletzte in aufwändiger Weise bodengebunden zu bergen, lautet ein weiterer Vorwurf in einem der Briefe. Es komme auch nicht von ungefähr, dass es mittlerweile keine weiblichen Notärzte mehr am Stützpunkt gebe.

Aber auch fachlich seien Fehlentscheidungen getroffen worden. In einem Fall sei beispielsweise ein Flugrettungsarzt von einem Piloten alleine ans Tau genommen worden, während der Flugretter am Boden blieb – ein absolut verbotenes Vorgehen.

Ralph Schüller, Pressesprecher der ÖAMTC-Flugrettung, erklärt auf Nachfrage der TT, der einzige und richtige Ansprechpartner in der Sache zu sein. Er bestätigt den Erhalt der Briefe, will die darin geäußerten Vorwürfe im Einzelnen allerdings nicht kommentieren. Lediglich zum Vorwurf des verbotenen Vorgehens beim Taueinsatz erklärt er, dass dieses Vorgehen in Ausnahmesituationen durchaus genehmigt sei. Die Entscheidung sei damals auch keine einsame Entscheidung des Piloten, sondern abgestimmt gewesen.

Die Schreiben und die Vorwürfe nehme man sehr ernst und man habe sofort nach Erhalt der Briefe eine Crew-Sitzung am Stützpunkt mit Wiener Beteiligung für den 23. Juli angesetzt. Dabei sollen alle Dinge offen angesprochen und ein Prozess aufgesetzt werden, wie die Situation am Stützpunkt bereinigt werden kann.