Printausgabe der Tiroler Tageszeitung vom Fr, 13.07.2018


Bezirk Kitzbühel

Die Kelchsauer nehmen Versorgung in die Hand

Ab heute hat das kleine Lebensmittelgeschäft im Hopfgartner Ortsteil wieder geöffnet. Möglich macht das eine Genossenschaft.

© Angerer



Von Harald Angerer

Hopfgarten – Dass die Kelchs­auer streitbar sind, weiß man nicht nur in Hopfgarten. Und dass sie sich nicht so leicht geschlagen geben, zeigen sie nun bei der Nahversorgung. Vor Kurzem hat das Lebensmittelgeschäft im Hopfgartner Ortsteil seine Pforten zugesperrt. Eine Nachfolge für die bisherige Betreiberin war nicht zu finden. Also haben die Kelchsauer das Schicksal des Ladens selbst in die Hand genommen.

Kurzerhand hat man die „Nahversorgung Kelchsau Einkaufsgenossenschaft“ gegründet, die nun als Betreiber des Geschäftes fungiert. „Es ist einfach wichtig, dass wir einen Nahversorger in der Kelchsau haben“, sagt der Obmann der neuen Genossenschaft und Gemeinderat Martin Hölzl. Der Ortsteil verzeichnet immerhin gut 800 Einwohner, Tendenz eher steigend, da es eine rege Bautätigkeit in der Kelchsau gibt.

„Nicht jeder kann acht Kilometer bis nach Hopfgarten fahren und es ist auch nicht jeder bereit dazu“, schildert Hölzl. Die Genossenschaft hat die Geschäftsfläche im Kelchsauer Zentrum vorerst übernommen, als Lebensmittel-Partner hat man Spar mit ins Boot geholt. Und auch der Lebensmittelkonzern streut den Kelchsauern Rosen. „Ihr habt etwas geschafft, das bisher noch keiner in Tirol geschafft hat. Ihr habt die erste Nahversorger-Genossenschaft gegründet und damit die Versorgung selbst in die Hand genommen“, sagt René Fender von Spar bei einer kleinen Eröffnungsfeier am Mittwochabend. Es werde zunehmen schwieriger, für solche kleinen Geschäfte Kaufleute zu finden, betont Fender. Die Vorgangsweise in der Kelchsau sieht er deshalb als beispielhaft für andere kleine Orte.

Auch Bürgermeister Paul Sieberer sparte nicht mit Lob für die Kelchsauer. „In der heutigen Zeit erfolgt schnell der Ruf, dass etwas gemacht werden muss. Aber immer die anderen“, sagt Sieberer. Das war in der Kelchsau nicht so.

Insgesamt hat die Genossenschaft derzeit 75 Mitglieder, „es werden aber laufend mehr“, betont Hölzl. Das ist auch wichtig, damit es einen persönlichen Bezug zu dem Geschäft gibt. Denn das Überleben des Ladens ist davon abhängig, ob die Kelchs­auer auch selbst hingehen zum Einkaufen. Es solle ein Nahversorger und kein Notversorger sein, nur so könne das Geschäft überleben.

Aber die Genossenschaft hat schon große Pläne. Im Bestandslokal will man sich zweieinhalb bis drei Jahre einleben und sehen, wie das Konzept angenommen wird. Dann schwebt Hölzl der Umzug in einen Neubau vor. Auch Sieberer stellte einen solchen Neubau in Aussicht und er sicherte auch die weitere Unterstützung der Gemeinde Hopfgarten zu, die selbst auch Mitglied der Genossenschaft ist. Neben den Lebensmitteln kommen in den nächsten Tagen auch noch Tabakwaren dazu wie auch eine Postpartnerstelle. „Wir brauchen noch ein wenig Einlaufzeit“, bittet Hölzl um Verständnis und hofft trotzdem auf einen guten Start.