Printausgabe der Tiroler Tageszeitung vom Fr, 13.07.2018


Innsbruck-Land

90 Jahre Badefreuden – trotz Warnung vor Fegefeuer

Das Miederer Badl ist das älteste erhaltene Freibad Tirols und hat viel zu erzählen. Unter anderem von einer beispiellosen Rettungsaktion.

© Karl HörmannBei der von Karl Hörmann (kniend) initiierten Rettungsaktion für das Miederer Badl vor rund 20 Jahren waren auch prominente Miederer wie Günther Mader (im Reifen) und Markus Prock (hinten links) dabei.



Von Denise Daum

Mieders – 5700 Tage Fegefeuer. Das drohe all jenen, die Geld für das Bad stiften, predigte der Miederer Pfarrer vor 90 Jahren. Die Angst vor dem moralischen Verfall (die Rede war von einer „Laster-Brutstätte“) durch ein Freischwimmbad war groß. Genützt haben die düsteren Prophezeiungen nichts, das Miederer Badl wurde trotzdem gebaut und 1928 eröffnet. Mehrere Generationen von Einheimischen und auch Auswärtigen erfreuten sich fortan daran. Fast jeder Miederer hat seine ganz persönliche Badl-Erinnerung. Im Schwimmbad-Buffet machen heute noch Anekdoten die Runde, die mit „Woasch no, wia ma ...“ oder „Als mia kloan woarn ...“ beginnen.

Bei der von Karl Hörmann (kniend) initiierten Rettungsaktion für das Miederer Badl vor rund 20 Jahren waren auch prominente Miederer wie Günther Mader (im Reifen) und Markus Prock (hinten links) dabei. Bis zum Jahr 2000 stand das ursprüngliche Eingangsportal. Fotos: Hörmann (2), Gemeinde Mieders
- Karl Hörmann

Dass nun auch die Post-Millennium-Geborenen ihre Badl-Erfahrung sammeln können, dafür hat eine beispiellose Aktion vor rund 20 Jahren gesorgt. So romantisch und charmant das alte Freibad auch war, Ende der 90er hatte es handfeste hygienische und bauliche Mängel. Die Wasserqualität war nicht mehr vertretbar, ganz abgesehen davon, dass die Temperaturen geradezu eisig waren. Rund fünf Millionen Schilling (360.000 Euro) waren für eine Sanierung notwendig. Geld, das die Gemeinde damals nicht hatte. Also nahmen die Dorfbewohner selbst das Zepter in die Hand. Karl Hörmann gründete den Verein „Rettet das Miederer Badl“ und startete unzählige Geldbeschaffungsaktionen, unter anderem die legendäre Bausteinaktion (zu gewinnen gab es sogar einen „lupenreinen Diamanten“). Die Miederer sorgten mit ihrem Engagement für großes Medieninteresse in ganz Tirol, bald unterstützten Firmen, Sportler, Künstler und Politiker die Rettungsaktion. Schließlich konnte das Badl umfassend saniert werden, die Holzkonstruktion des Kabinentrakts wurde originalgetreu wiederhergestellt, das Betonschwimmbecken durch ein Aluminiumbecken ersetzt, ein Kinderbecken und ein Buffet gebaut. Und anders als während der Bauzeit 1927 wurde den Geldspendern nicht mit dem Fegefeuer gedroht. Vielmehr spendete der mittlerweile verstorbene Pfarrer August Pührungen selbst nicht nur 1000 Schilling, sondern auch bei der Neueröffnung seinen Segen.

Für den Fortbetrieb des Freibads muss die Gemeinde seitdem jährlich etwas zuschießen, aktuell rund 15.000 Euro. „Geld, das wir dafür gern ausgeben“, versichert Bürgermeister Daniel Stern. Seine persönliche Badl-Erinnerung erzählt er übrigens nur am Stammtisch, nicht in der Zeitung ...