Printausgabe der Tiroler Tageszeitung vom Di, 17.07.2018


Bezirk Landeck

Wenn das alte Haus zur neuen Wohnadresse wird

Bis Ende 2017 wurden im Bezirk 16 Projekte zur Ortskernrevitalisierung durchgeführt. Ihnen ist eine Ausstellung in Schloss Landeck gewidmet.

Die Ögghöfe sind ein gelungenes Beispiel für alte Häuser, denen neues Leben eingehaucht werden konnte.

© EitererDie Ögghöfe sind ein gelungenes Beispiel für alte Häuser, denen neues Leben eingehaucht werden konnte.



Von Matthias Reichle

Landeck – Ich würde es sofort wieder machen“ – Georg Praxmarer, Obmann des Vereins Kulturdenkmal Ögghöfe, muss keinen Moment nachdenken. Trotz der vielen Arbeit, die hinter ihm liegt. Im April 2016 hat er begonnen die Ögghofe, ein Kaunertaler Kleinod, das zu verfallen drohte, herzurichte. Kein einfaches Unterfangen, das aber von großem Erfolg gekrönt war. „Wir haben schon vermietet.“ Das Denkmal wird als Seminarbauernhof vermarktet. Noch ist das Ensemble nicht ganz fertig – die Arbeiten laufen, bestätigt Praxmarer. „Ich bekomme aber sehr viel Resonanz, es ist eine unglaubliche Anerkennung da.“

Die Ögghöfe sind ein gelungenes Beispiel für Ortskernrevitalisierungen im Bezirk Land­eck – bei Weitem aber nicht das einzige. Herausragende Projekte werden derzeit in einer Ausstellung in Schloss Landeck gezeigt. Dort ist auch die Wohnung von Romana und Jakob Hofer aus Prutz zu sehen.

Sie verwirklichten ihren Wohntraum in der Tenne der bestehenden Gebäudekubatur. „Wir leben jetzt seit einem Jahr dort“, betont Romana Hofer. Dass dabei nicht immer alles nach Plan abläuft, davon weiß Jakob Hofer ein Lied zu singen. So stellten sie während des Baus fest, dass die Zwischendecken statisch verstärkt werden mussten.

Marianne und Bernhard Hofer haben sich eine Wohnung in der alten Tenne des Elternhauses geschaffen.
Marianne und Bernhard Hofer haben sich eine Wohnung in der alten Tenne des Elternhauses geschaffen.
- Reichle

Der Museumsverein hat sieben weitere Beispiele ausgewählt – wie das 600 Jahre alte Jakob-Prantauer-Haus in Stanz, das Haus Mungenast in Strengen, das Haus Viktoria in Pians, der alte Widum in Ried, der ehemalige Gasthof Rose in Prutz, das Schlosser-Gasserhaus in Zams und das Haus Heiss in Prutz.

2015 hatte das Regionalförderbüro RegioL die leadergeförderte Initiative „Ortskernrevitalisierung 2015–18“ gestartet und mit Architekt Harald Kröpfl einen eigenen Koordinator installiert. „In diesem Rahmen wurden bis Ende 2017 insgesamt an die 50 Erstberatungen mit potenziellen Projektträgern durchgeführt“, erklärt RegioL-Geschäftsführer Gerald Jochum. „Mit 30 gab es Vor-Ort-Termine, insgesamt 16 Projekte wurden bis Ende 2017 auch umgesetzt.“ Dabei sind 2297 Quadratmeter Wohnraum geschaffen worden. „Damit glauben wir, dass wir mindestens 50 Personen in der Region halten konnten.“ Mit dieser Bilanz liegt man tirolweit sehr weit vorn. Nur im Bezirk Innsbruck-Land, der wesentlich mehr Einwohner hat, wurden mehr Objekte revitalisiert. „Das Land Tirol und RegioL haben es sich hier zur Aufgabe gemacht, der Absiedlung aus Randgebieten entgegenzuwirken“, betonte Architekt Kröpf bei der Eröffnung der Ausstellung. Diese sei damit jenen Bauherrn gewidmet, die es gewagt haben, ihr Haus nicht „vor das Dorf zu stellen“.

Bauherrn, die die Richtlinie­n erfüllen, bekommen einen Zuschuss aus dem Förderprogramm „Ortskernrevitalisierung“ des Landes. Im Obergricht ist er durch das Sonderförderprogramm um 50 Prozent höher.

„Alte Häuser haben bewiesen, dass sie lange nachwirken. Wir wissen nicht, wie lang unsere neuen Häuser stehen werden,“ erklärte Architekt Peter Knapp, der schon die Dorfkernrevitalisierung in Silz – ein bisher unerreichtes Projekt – geleitet hatte. In einem alten Gebäude schlummere etwas, das Gemütlichkeit und Wärme vermittle.

Die Ausstellung „Neues Leben in Tiroler Dörfern“ ist noch bis zum 19. August zwischen 10 und 17 Uhr in Schloss Landec­k zu sehen.




Kommentieren


Schlagworte