Letztes Update am So, 05.08.2018 15:58

TT / Tiroler Tageszeitung Onlineausgabe


Deutschland/Rumänien

Elie-Wiesel-Haus beschmiert: Auschwitz-Überlebende entsetzt

Das Auschwitz-Komitee sei angesichts der antisemitischen Schmierereien „entsetzt und zornig“.

Elie Wiesel im Jahre 2010.

© REUTERSElie Wiesel im Jahre 2010.



Berlin – Das Internationale Auschwitz Komitee verurteilt die Schändung des Geburtshauses von Elie Wiesel in Sighet im rumänischen Siebenbürgen. In der Nacht auf Freitag waren auf der Hausmauer antisemitische Schmierereien aufgetaucht. Auschwitz-Überlebende seien darüber „entsetzt und zornig“, teilte das Komitee am Sonntag mit.

Antisemitismus bedroht die Demokratien Europas

Dass der Friedensnobelpreisträger und Auschwitz-Überlebende noch „über seinen Tod hinaus mit antisemitischen Haß überzogen“ werde, alarmiere „die Überlebenden von Auschwitz weltweit“, hieß es in der Presseaussendung weiter. „Die europäische Landkarte des Antisemitismus füllt sich erschreckend schnell mit immer neuen Orten und Spuren des Hasses.“ Der Vizepräsident des Komitees, Christoph Heubner, wies in diesem Zusammenhang auf die Bedeutung der Bildungsarbeit hin, die in vielen Ländern - und „nicht zuletzt in Wiesels Geburtsland Rumänien“ selbst - verstärkt werden müsse. Antisemitismus bedrohe nicht nur die Juden, „sondern die Demokratien Europas“.

Der Schriftsteller Wiesel wurde 1928 in Sighet geboren und wuchs in einer orthodox-jüdischen Umgebung auf. 1944 wurde er nach Auschwitz deportiert, später kam er ins KZ Buchenwald. Nach seiner Befreiung im April 45 lebte er zunächst als Journalist in Frankreich, 1956 übersiedelte er in die USA, wo er sich dauerhaft niederließ. Hauptthema seiner auf Französisch und Englisch verfassten Werke sind der Holocaust und Fragen jüdischer Identität. 1986 erhielt er den Friedensnobelpreis für seinen publizistischen Kampf gegen Gewalt, Repressionen und Rassismus. Wiesel starb 2016 im Alter von 87 Jahren. (APA)