Printausgabe der Tiroler Tageszeitung vom Do, 09.08.2018


Innsbruck

Älteren Menschen Zeit und Zuwendung schenken

Manchmal brauchen Ältere einfach nur Gesellschaft. Der Besuchs­dienst des Roten Kreuzes ist gefragt wie nie, Freiwillige werden gesucht.

© Rotes KreuzKarten spielen, Kaffee trinken, gemeinsam lachen: Der Besuchsdienst des Roten Kreuzes ist beliebt.Foto: Rotes Kreuz



Von Denise Daum

Innsbruck – Rotes Kreuz? Die meisten verbinden das mit Rettungsfahrten und Not­einsätzen. Dabei leistet die Blaulichtorganisation so viel mehr: Krisenintervention, Hausnotruf, Essen auf Rädern, Erste-Hilfe-Kurse oder Besuchsdienste. Letztere sind besonders gefragt, derzeit gibt es sogar eine Warteliste. Das Rote Kreuz Innsbruck sucht deshalb Freiwillige, die sich in den Dienst der guten Sache stellen wollen. Offene, kommunikative Menschen sollen es sein, die Ältere besuchen, ihnen vorlesen, spazieren gehen und mit ihnen ratschen. Altersgrenze gibt es keine. „Unsere jüngste Freiwillige ist Mitte 40, die älteste 80“, erzählt Veronica Biebel, Leiterin der Besuchsdienste des Roten Kreuzes Innsbruck. Oftmals sind die Freiwilligen selbst schon etwas älter. Das hat den Vorteil, dass sie zeitlich etwas flexibler sind. Denn einmal pro Woche sollten sich die Ehrenamtlichen für den Besuchsdienst schon Zeit nehmen.

Nicht nur die Suche nach freiwilligen Helfern gestaltet sich schwierig, sondern auch das Auswahlverfahren. „Die Hälfte derjenigen, die sich für den Besuchsdienst melden, bräuchte eigentlich selbst Betreuung“, weiß Biebel. Für diese Personen würden dann gegebenenfalls andere Aufgaben gesucht oder sie werden abgelehnt. „Es braucht nämlich eine gute Vertrauensbasis. Immerhin gehen diese Menschen in Rotkreuz-Uniform in die Wohnung von älteren, alleinstehenden Menschen“, erklärt Biebel.

Werden Personen als geeignet empfunden, bietet das Rote Kreuz eine Ausbildung an. „Neben einem Erste-Hilfe-Kurs bieten wir ein zweitägiges Seminar an, bei denen wir den Freiwilligen ein bisschen ein Rüstzeug mitgeben“, erklärt Stefan Biebel, Leiter der Sozialen Dienste beim Roten Kreuz.

Die Anfragen für Besuchsdienste kommen großteils von alleinstehenden Menschen. Aber auch pflegende Angehörige wenden sich ans Rote Kreuz, um etwas entlastet zu werden. „Wir nennen das dann Oma- und Opasitting“, sagt Veronica Biebel mit einem Lächeln.

Die Anfragen seien oft sehr speziell: Manche wissen genau, was sie wollen. „Einmal hat es geheißen, es soll eine Frau sein, um die 65 Jahre, Akademikerin mit Sinn für klassische Musik“, erinnert sich Stefan Biebel.

Wer sich selbst in den Dienst der guten Sache stellen möchte, soll sich bei der Servicezentreale des Roten Kreuzes unter 0810/100144 melden. „Als Freiwilliger beim Besuchsdienst erfährt man viel Wertschätzung. Es ist ein persönlicher Gewinn“, verspricht Veronica Biebel. Hinzu kommt, dass die Helfer durch die Einbettung im Roten Kreuz selbst ein soziales Netz spinnen können.




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