Printausgabe der Tiroler Tageszeitung vom Fr, 10.08.2018


Bezirk Landeck

Zwei Drittel der Toten finden letzte Ruhe in Urne

Die Stadt Landeck reagierte auf Trend und hat mit 80 Urnennischen am Friedhof vorgesorgt. Seelsorger respektieren Wunsch der Angehörigen.

© WenzelIn den Dörfern überwiegt (noch) die traditionelle Erdbestattung. Im Bild der Waldfriedhof in St. Anton.



Von Helmut Wenzel

Landeck, Pfunds – „Wenn ich tot bin, soll meine Leiche verbrannt werden.“ Diese unmissverständliche Erklärung eines 90-Jährigen im Obergricht habe ihn im ersten Moment etwas überrascht, schilderte der Prutzer Dekan Franz Hinterholzer am Donnerstag. „Aber wir haben das selbstverständlich respektiert und dann die Urnenbeisetzung vorbereitet.“

Meistens würden die Angehörigen der Verstorbenen sagen, welche Zeremonie sie haben möchten – Erdbestattung oder Urnenbeisetzung. „Der Trend geht auch in Dörfern klar zur Urne. Im Obergricht haben wir bis zu einem Drittel Urnenbeisetzungen und zwei Drittel Erdbestattungen.“

In der Stadt Landeck hingegen registrierte Friedhofsverwalter Christian Rudig zwei Drittel Urnenbestattungen im ersten Halbjahr 2018.

Die Stadt Landeck hat neue Urnennischen eingerichtet – Friedholfsverwalter Christian Rudig (l.) und BM Wolfgang Jörg.
- Stadtgemeinde Landeck

Er habe keinerlei Vorbehalte gegen die Urne, sagte Hinterholzer. In Pfunds seien seit heuer Trauerumzüge auch mit Urne möglich, bisher nur mit einem Sarg. „Früher war die Einäscherung ein Zeichen gegen die Kirche“, erläuterte der Dekan im TT-Gespräch am Donnerstag.

Dekan Martin Komarek, Stadtpfarrer von Landeck, respektiert die „Feuerbestattung“, bevorzugt aber klar die traditionelle Erdbestattung. Weil Ritus und Zeremonie auf diese Form der Beisetzung ausgelegt seien. Und weil es religiöse Gründe in Hinblick auf die Auferstehung gebe. Der Trend zur Urne sei auch ihm aufgefallen, stellte Komarek fest. „Üblicherweise wird der Verstorbene im Holzsarg aufgebahrt, die Angehörigen verabschieden sich, danach findet die Kremation statt.“ Die Beisetzung der Urne erfolgt „in schlichter Form mit oder ohne offizielle kirchliche Mitwirkung“, erklärt die Diözese Innsbruck zur Begräbniskultur. Asche verstreuen sei zum Beispiel verboten.

Die Meinung mancher Leute, die Urne wäre billiger, sei ein Irrtum, klärt Thanatologin (Trauerbegleiterin) Christine Dellemann aus Landeck auf. „Für uns steht immer die Pietät im Vordergrund. Wir gestalten die Zeremonie so, wie es die Angehörigen wünschen oder wie es der Verstorbene schriftlich erklärt hat.“

Landeck hat wegen der steigenden Nachfrage nach Urnengräbern vorgesorgt und 80 neue Nischen am Friedhof eingerichtet. „Mit dieser Erweiterung kann der Bedarf für die nächsten Jahre abgedeckt werden“, hob Bürgermeister Wolfgang Jörg hervor. „Ab sofort können auch neue Erdgräber für Urnenbestattungen vergeben werden.“

Laut Dekan Franz Hinterholzer sind Trauerumzüge auch mit Urne möglich.
- Wenzel



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