Printausgabe der Tiroler Tageszeitung vom Fr, 10.08.2018


Bezirk Schwaz

Geheimes Sprengstofflager im Bezirk Schwaz sorgt für Zündstoff

Der Bau eines Sprengstofflagers im Berghang am Rande eines Gewerbe­gebietes verunsichert Anrainer. Alles ist polizeilich genehmigt.

© Thomas BöhmSymbolfoto



Von Angela Dähling

Schwaz – Ominöse Sprengarbeiten sorgten vor Kurzem in einem Gewerbegebiet im Bezirk Schwaz für Verunsicherung. „Meine ganze Bude wackelte durch die Erschütterung“, schildert ein dort ansässiger Unternehmer (Name der Red. bekannt). Als der Mann der Sache auf den Grund ging, fand er heraus, dass sich am Rande des Gewerbegebietes ein Bergstollen befindet, der durch Sprengarbeiten vergrößert wurde.

Der Grund für diese Arbeiten: „Da entsteht ein Sprengstofflager. Und wir Anrainer wurden nie informiert“, ist der Unternehmer empört und fragt sich, ob für das Lager überhaupt eine Genehmigung vorliegt. „Das ist doch ein Wahnsinn, Sprengstoff in der Nähe von so vielen Arbeitsplätzen zu lagern. Der An- und Abtransport birgt zusätzlich Gefahren“, meint er.

Recherchen der Tiroler Tageszeitung ergaben, dass wede­r die betreffende Gemeinde noch die Bezirkshauptmannschaft in die Sache involviert sind. Zuständige Behörde ist das Landespolizeikommando. Laut Auskunft der dort zuständigen Sicherheitsverwaltung wurde das Sprengmittellager bereits 2010 von der Sicherheitsdirektion genehmigt.

Das Genehmigungsverfahren sei unter Vorschreibung von zahlreichen Auflagen sowie der Einbeziehung eines Sachverständigengutachtens erfolgt. Und die Einhaltung dieser Auflagen werde durch die Landespolizeidirektion als zuständige Behörde regelmäßig überprüft.

Warum die Anrainer nicht informiert wurden? „Bei unterirdischen Lagern haben Anrainer keine Parteistellung“, erläutert die Pressesprecherin der Polizei, Daniel­a Plankensteiner. Das Lager im Berg­inneren gilt als unterirdisch.

Insbesondere unterirdische Sprengmittellager würden für die Nachbarschaft als sicher gelten, so die Polizei. Unfälle mit Personenschäden seien bei Einhaltung der vorgeschriebenen Auflagen bei Manipulationen im Lager bisher nicht bekannt. Sprengmittellager würden sich in der Regel jedoch möglichst abseits von bewohnten Gebieten befinden. Jedenfalls die oberirdischen. Durch vorgeschriebene Sicherheitsabstände solle die Unfallgefahr ausgeschlossen werden.

Das Sprengmittellager ist übrigens in privatem Besitz. Es gehört einer Firma, zu deren Tätigkeitsbereich auch Sprengungen bei Bautätigkeiten zählen. Dort versichert man, alles sei rechtens, ist aber um höchste Geheimhaltung bemüht und wird dabei auch von einem Anwalt unterstützt. Denn es sei nicht auszudenken, was passieren könnte, wenn Informationen in falsche Hände gerieten.




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