Printausgabe der Tiroler Tageszeitung vom So, 12.08.2018


Tirol

Schwimmen mit Kindern: ,,Man dreht sich um - sie sind weg“

Kleine Kinder ohne Begleitung Erwachsener, durch Handys abgelenkte Eltern: Tiroler Schwimmbäder erinnern an die Aufsichtspflicht. Ruf auch nach Security wie in Deutschland.

© TT/Thomas BöhmKinder müssen bis acht Jahre von einer verantwortlichen Person begleitet werden.



Innsbruck – „Der Bademeister wird schon aufpassen.“ Wenn es nach Harald Graus geht, wiegen sich zu viele Eltern kleiner Kinder in Sicherheit. Der Leiter der Freizeitbetriebe Hall AG beklagt, dass immer weniger Badegäste Eigenverantwortung übernehmen. „Die geben viele an der Kasse ab. Passiert dann etwas, sind immer die anderen schuld.“ Immer wieder beobachtet er Eltern, die im Schwimmbad-Café sitzen und ihre mit Schwimmflügeln ausgerüsteten, vermeintlich sicheren Kinder alleine lassen. Viele Eltern seien auch mit dem Smart­phone beschäftigt, es lenkt ab und sei „auch ein Grund dafür, dass manche weniger auf die Kinder schauen. Schwimmbäder sollten eine handyfreie Zone sein!“ In Deutschland mussten in den vergangenen Wochen bereits mehrere in Bädern verunglückte Kinder wiederbelebt werden, Väter und Mütter waren mit dem Handy beschäftigt und haben nicht aufgepasst.

Andreas Ramsauer, Geschäftsführer der Wörgler Wasserwelt „Wave“, sieht mehrere Irrtümer, die zu gefährlichen Situationen führen können: „Die Leute glauben, der Bademeister hat eh alles im Blick, aber das ist gar nicht möglich. Er kann nicht die Aufgabe der Eltern übernehmen. Vielen ist außerdem nicht bewusst, dass Kleinkinder völlig lautlos ertrinken.“ Verhalten sie sich ruhig, bedeutet das also nicht, dass alles in Ordnung sei – im Gegenteil. Und wer mit dem Smartphone hantiert – „das kommt sehr oft vor“ –, könne nicht gleichzeitig achtgeben, ob alles in Ordnung ist. Ein weiteres Problem seien Kinder ganz ohne entsprechende Aufsicht: „In einem Fall konnten wir gerade noch verhindern, dass die Eltern das Bad nach einer Stunde wieder verließen.“ Gerade in den Sommerferien schicken manche ihre kleineren Kinder mit den älteren Geschwistern los, da sie selbst arbeiten müssen.

Da es auch immer wieder zu Streitigkeiten auf den Liegewiesen komme – „heute droht ja gleich jeder mit Klage“ –, werde es seiner Meinung nach nicht mehr lange dauern, bis es wie schon in Deutschland auch in heimischen Bädern Security brauche.

Laut Bademeister Joe Tagwerker vom Schwimmbad Imst hat der Großteil der Eltern die Situation im Griff, aber es gebe natürlich auch andere, die ihre Kinder nicht immer unter Kontrolle haben. „In dem Alter sind sie aber auch sehr schnell. Man dreht sich nur einmal um, und schon sind sie weg.“ Auch er beobachtet die Entwicklung mit Sorge: „Das Handy ist leider immer und überall mit dabei, außer beim Schwimmen im Wasser.“ Da kommt es schon vor, dass er die Erziehungsberechtigten ermahnt. „Was manche auch unterschätzen, ist die andauernde Sonneneinstrahlung. Oft sind die Kinder stundenlang der Sonne ausgesetzt.“

Ein generell gutes Zeugnis spricht Bademeister Manfred Kleißl vom Freibad Zirl den Eltern aus. „Ich kann mir auch nicht vorstellen, dass manche ihre Kinder, die nicht schwimmen können, alleine lassen. Die Aufsichtspflicht gilt bis acht Jahre, aber auch danach lassen viele den Nachwuchs nicht aus den Augen!“ Sollte es trotzdem einmal zu Problemen kommen: „Wir Bademeister sind dazu da, dass die Regeln eingehalten werden.“ Keine Probleme gibt es auch im Aqua Dome in Längenfeld, wie Thermenleiter Leo Holzknecht meint. Man könne aber auch die Situation dort nicht mit öffentlichen Bädern vergleichen: „Wir haben mehr Aufsichtspersonal und kostenlose Kinderbetreuung.“ (ms)