Printausgabe der Tiroler Tageszeitung vom Sa, 11.08.2018


Gesellschaft

Die Welt durch eine Kameralinse

Heute endet der Kinder-Kreativcampus Spielfeld Kultur, der bereits zum fünften Mal auf der Tamerburg stattfand. Zu einem großen Abschlussfest mit der Präsentation aller Arbeiten laden die Kinder ein.

© Blassnig ChristophMit Profi-Fotograf Bernhard Krause und einer Kameralinse auf Stadttour: Moritz, Stella, Viktoria, Leonhard, Mira und Katja (v. l.).



Von Christoph Blassnig

Lienz – Bernhard Krause hat sieben Jahre seiner Kindheit in Lienz verbracht. Letztes Jahr haben seine eigenen Kinder an Workshops der Spielfeld-Kultur-Kreativwoche in der Tamerburg teilgenommen. Der professionelle Fotograf hatte diese Tage mit seiner Kamera begleitet. Initiatorin Claudia Moser war von den entstandenen Bildern begeistert und hat Krause für einen der Workshops heuer gewinnen können.

Was Viktoria aus ihren Hüten zaubert, verblüfft.
- Spielfeld Kultur

„Ich habe gerne zugesagt“, führt Krause aus. Zum Einstand habe er seinen Fotokurs für nur sechs Kinder im Alter von 8 bis 12 Jahren begrenzt. „Man weiß ja nicht“, schmunzelt der Meisterfotograf, „kann ja sein, dass ich den Haufen nur schwer unter Kontrolle halten kann.“ Doch dem ausgebildeten Pädagogen war schon nach zwei Stunden klar, dass alle Vorsicht unbegründet war. „Die Kinder sprühen nur so vor Freude und Ideen. Unglaublich!“, kommt Krause ins Schwärmen. Gewöhnlich wandert er mit Studenten auf fotografischen Pfaden und erforscht mit Hingabe die Möglichkeiten der Fotodarstellung.

Trickfotografie und Nachbearbeitung am Computer verleihen scheinbar Superkräfte.
- Spielfeld Kultur

Am Mittwoch war der Spielfeld-Kultur-Fotokurs auf Tour in Lienz. „Ich in meiner Stadt“, gab Krause den Kindern Stella, Viktoria, Mira, Katja, Moritz und Leonhard mit auf den Weg. Keine typischen Selfie-Aufnahmen sollten dabei entstehen, sondern Hintergründigeres: Die eigene Spiegelung im Brunnenwasser oder in Fensterglas, auch der lange Schatten von einem selbst oder die Umgebung, die auf einen reagiert. „Der Moment ist einzigartig. Und vielleicht ist dieses eine Foto das Einzige, was euch in vielen Jahren von diesem Moment Zeugnis geben wird“, erklärte Krause den jungen Fotokünstlern schon zu Beginn der Woche. Eine alte, unscharfe und objektiv schlechte Fotografie eines Freundes hat er den Kindern dazu gleich zu Anfang vorgelegt. „Sofort hatten sie verstanden, dass es nicht immer um das technisch perfekte Foto geht, sondern das Abgebildete einzigartig sein kann.“

Das Thema Belichtungszeit war am besten im Versuch zu ergründen: Wenn man nur acht Tausendstel einer Sekunde lang fließendes Wasser fotografiert, sind lauter einzelne Wassertropfen zu sehen. Und wenn eine Kamera in einem vollkommen abgedunkelten Raum für mehrere Sekunden „offen bleibt“, also eine längere Zeit belichtet – ja, dann kann man mit einer Taschenlampe seinen Namen in die Luft schreiben und dieser wird am Foto zu lesen sein. Bunte Schokoladenlinsen, in Stücke zerbrochen und mit kleinen Modellbaufiguren gruppiert, lassen Bilderwelten entstehen, die den Betrachter in Verwunderung versetzen.

Stella schreibt in einem stockdunklen Raum ihren Namen mit einer Taschenlampe, während die Kamera lange belichtet.
- Spielfeld Kultur

Um in der Vielzahl der Bilder, die die Fotoknirpse gemacht haben, nicht den Überblick zu verlieren, hat jedes Kind seine drei besten des Tages ausgewählt. Die Aufnahmen werden als Fotoshow Teil des heutigen Abschlussfestes der Kreativwoche auf der Tamerburg. Die Arbeiten aus den anderen Kursen Tanz, Theater, Musik, Bildhauerei, Film und Architektur werden ebenfalls gezeigt.

Das Abschlussfest beginnt heute um 11 Uhr. „Unsere Kinder laden ganz herzlich dazu ein und können es kaum erwarten, ihre Wochenergebnisse vor großem Publikum vorzustellen“, spricht Claudia Moser im Namen aller aus.