Printausgabe der Tiroler Tageszeitung vom Do, 06.09.2018


Bezirk Reutte

Die Mädchen bestimmen das Bild weiterführender Schulen

Der Schülerinnenanteil an HAK/HAS/HLW beträgt 75 Prozent, in der Gym-Oberstufe 54 Prozent. Das BRG Reutte fällt unter die 500er-Marke.

© Mittermayr HelmutIm Schulzentrum Reutte mit HAK, HLW, HAS und Gymnasium beginnt heute wieder die Schule.Foto: Mittermayr



Von Helmut Mittermayr

Reutte – Das waren noch Zeiten am Reuttener Gymnasium Ende der 1990er. Geringer innerschulischer Wettbewerb und im Vorlauf hohe Geburtenraten ließen die damaligen Direktoren über Schülerzahlen jenseits der 700er-Marke jubeln. Die Schule platzte aus allen Nähten. Die demografische Abwärtsspirale und ein Hofieren eines jeden einzelnen Schülers durch Mitbewerber machen nun auch vor der größten Außerferner Schule nicht halt. Das BG/BRG, also Gymnasium Reutte, startet morgen mit 490 Schülerinnen und Schülern ins neue Schuljahr. Erstmals seit Jahrzehnten wird die 500er-Schülerzahl unterschritten. Der Rückgang fällt sogar deutlich aus. Ließen sich in der Gymnasiumstraße 10 vor einem Jahr noch 552 Schüler in die Stühle fallen, womit das Außerferner Gymnasium die größte Schule in ganz Westtirol war, so sind es jetzt mit 490 um 62 weniger. Ein Minus von 11,2 Prozent. Direkte Auswirkung: Die „Erste“ startet mit drei statt vier Klassen.

Direktor Manfred Pfeifer freut sich, dass der technische Zweig mit Mechatronik- und IT-Schwerpunkt trotz der geringen Anmeldung von nur neun Schülern gestartet werden kann. „Wir haben das im Schulgemeinschaftsausschuss so entschieden und können das durch interne Umschichtungen ermöglichen.“ Pfeifer erklärt, dass die Bildungsreform inklusive neuer Schulautonomie genau solche Entscheidungen für schulautonome Lehrzweige nun ermögliche. Selbstverständlich sei die Führung dieser Klasse von der „Fünften“ bis zur Matura garantiert. Sollte im kommenden Jahr allerdings eine IT-HTL im Schulzentrum eingerichtet werden, dann werde am Gymnasium der technische Zweig nicht weitergeführt.

Am Bundesreal- und Bundesgymnasium in Reutte stellen klar Schülerinnen die Mehrheit: Unter- wie Oberstufe sind zu genau 54 Prozent weiblich besetzt. An den drei ebenfalls im Schulzentrum angesiedelten Wirtschaftsschulen Handelsakademie, Handelsschule sowie Höhere Lehranstalt für wirtschaftliche Berufe ist der Frauenanteil noch deutlich höher. 75 Prozent der Schülerschaft von HAK, HLW und HAS ist weiblich. An der HLW sind gerade einmal neun junge Männer neben den 146 Absolventinnen auszumachen. Der Frauenanteil beträgt hier 94 Prozent. Insgesamt sind die vier weiterführenden Schulen des Schulzentrums Reutte also deutlich weiblich dominiert: Unter den 514 Schülern von HAK, HAS, HLW und Gymnasium-Oberstufe macht der Frauenanteil 67 Prozent aus. Im Oberstufenbereich sind die drei Wirtschaftsschulen mit zusammen 310 Schülern und Schülerinnen inzwischen deutlich größer als das Gymnasium mit 210.

Die Schülerzahlen an HAK, HLW und HAS sind im Vergleich zum Vorjahr konstant geblieben, weiß Gesamtdirektor Werner Hohenrainer zu berichten. Ein Plus von einem Schüler lässt die Ziffer für das Schuljahr 2018/19 auf 310 anwachsen. Das Sorgenkind Handelsschule macht gar nicht so viele Sorgen – zwischen zwölf und 14 Pennale werden in der ersten Klasse aufgeklappt. Insgesamt besuchen heuer 42 Schüler und Schülerinnen die Handelsschule, 113 die HAK und 155 die HLW als inzwischen größte Wirtschaftsschule des Bezirkes. Die HLW startet heuer auch mit zwei ersten Klassen. Diese Wirtschaftsschule hat sich mit Tourismus sowie Gesundheit und Pflege zwei Schwerpunkte gesetzt, die intensiv verfolgt werden.

Über bereits laufende Vorarbeiten zur Ansiedelung der IT-HTL an der HAK Reutte möchte Direktor Werner Hohenrainer lieber noch nicht reden. Das könnten Berufenere später einmal gerne erörtern, meint er vielsagend.

Für Folgestudien und -berufe in Medizin und Pflege sei übrigens auch das Gymnasium mit dem Fach Latein ideal, merkt Gymnasiumdirektor Pfeifer an. Überhaupt sei seine Schule viel wirtschaftsnäher, als gemeinhin angenommen werde. Dieser gesellschaftliche Auftrag werde bei aller Allgemeinbildung klar erkannt. Manfred Pfeifer: „Nicht umsonst schicken die bekanntesten Wirtschaftskapitäne des Bezirkes ihre Kinder zu uns ans Gymnasium. Die werden sich schon etwas dabei denken.“