Printausgabe der Tiroler Tageszeitung vom Do, 06.09.2018


Tirol

Rote Karte für Biomüll-Sünder im Oberland

15 Prozent des gesammelten Biomülls müssen wegen falscher Trennung in der Verbrennungsanlage entsorgt werden. Die Kosten belaufen sich jährlich auf 150.000 Euro. Nun wird kontrolliert.

© ReichleIn einem ersten Schritt werden die groben Fremdstoffe aus dem Biomüll gefiltert. Plastikverpackungen sind ein großes Problem.



Von Matthias Reichle

Landeck, Imst – „Viele werfen verdorbene Lebensmittel in der Plastikverpackung weg – wie verschimmeltes Brot. Andere trennen schön und entsorgen es dann im Supermarktsackerl“, erklärt Eva-Maria Weinseisen, Biologin beim Abfallbeseitigungsverband Westtirol. Die Typen von Biomüll-Sündern sind verschieden – das Problem bleibt das gleiche: Plastik, Styropor und Metall landen dort, wo sie nichts zu suchen haben.

Die Folgen sind, dass rund 15 Prozent des im Verband gesammelten Biomülls herausgefiltert und in die Verbrennungsanlage entsorgt werden muss. Von 9000 Tonnen sind das ca. 1400 Tonnen jährlich, erklärt Weinseisen. Das ist teuer: Bei einer Tonne kostet das 120 Euro.“ In Summe fällt damit ein Mehraufwand von rund 150.000 Euro pro Jahr an.

Der Verband, zu dem die Bezirke Landeck und Imst gehören, zieht nun die Notbremse. Ab kommender Woche wird kontrolliert. Die Tonnen von Biomüll-Sündern werden künftig nicht nur stehen gelassen. Sie bekommen auch einen Anhänger mit einer roten Ampel. Darauf wird nicht nur die Trennung noch einmal erklärt, es soll auch eine gewisse abschreckende Wirkung haben. „Im Dorf, wenn man zum Beispiel sieht, der Nachbar trennt nicht schön“, so Weinseisen.

Die Folgen der Aktion sind aber auch nichts für zartbeseitete Nasen: „Bei Restmüll ist das nicht so schlimm, aber wenn der Biomüll eine Woche oder 14 Tage stehen gelassen wird, bekomme ich im Hochsommer ein Problem“, bringt es Entsorgungsunternehmer Toni Prantauer auf den Punkt. Er steht genauso wie sein Mitbewerber Stefan Höppberger hinter der Aktion. „Es ist notwendig, dass man diesen Schritt macht und sagt, bis hier und nicht weiter“, so Prantauer.

20.000 Stück der neuen Anhänger werden nun an die Entsorger im Verbandsgebiet, zu dem 53 Gemeinden zählen, verteilt. Ab kommender Woche wird die „Aktion scharf“ gestartet. Die Initiative soll langfristig zu einer Verhaltensänderung führen. Denn die Menschen würden beim Mülltrennen immer schlampiger, weiß Bernhard Weiskopf von der Umweltwerkstatt Landeck: „Das Thema Abfalltrennung ist nicht mehr unter den Top Ten“, betont er, „das ist den Leuten nicht mehr so wichtig.“

Langfristig befürchtet man, dass die schlechte Trennung auch Auswirkungen auf den in der Biomüllanlage in Roppen erzeugten Kompost haben könnte. Hier werden in zwei Schritten Fremdstoffe herausgesiebt. „Momentan haben wird ,A+ Qualität‘, die man auch im Landschaftsbau und in der Landwirtschaft verwenden kann“, so Weinseisen. Problematisch ist, dass kleine Kunststoffpartikel – so genanntes Mikroplastik – das nicht herausgefiltert werden kann, im Kompost zurückbleiben. Viele wüssten nicht, dass jeder private Haushalt Kompost in Roppen abholen könnte. Und da schließt sich der Kreis. „Man will ja auch gute Erde im eigenen Garten haben.“

Zeigen der falschen Trennung die Rote Karte: die Entsorger Stefan Höpperger, Bernhard Weiskopf (Umweltwerkstatt), die beiden Abfallberater Martin Koler und Gerhard Wellenzohn, Eva-Maria Weinseisen sowie Toni und Eva Prantauer.
- Reichle