Printausgabe der Tiroler Tageszeitung vom Fr, 07.09.2018


Osttirol

Lebenshilfe möchte weiter in Debant garteln

32 Jahre lang hat die Lebenshilfe einen großen Garten in Debant bewirtschaftet. Am 15. Oktober ist Schluss. Das Grundstück wurde an eine Siedlungsgenossenschaft veräußert, die darauf Wohnbauten errichten wird.

© Blassnig ChristophLeiterin Bernadette Oberhuber (l.) mit Tamara Peuckert.



Von Christoph Blassnig

Debant – Es gibt gerade rote Ringlotten, Zierkürbisse, Äpfel der Sorte Boskop, Kartoffeln und Zwetschken. Jeder darf den Garten rund um die Uhr betreten und nach Lust und Bedarf Naturschätze ernten. Ein freiwilliger Obolus landet in einer Kassa, neben der noch eine zweite hängt: jene fürs Trinkgeld. Eine Nachbarin holt gerade Äpfel und Gemüse. Ein Radler bringt Getränke. Tamara Peuckert sammelt Ringlotten. Ihre Mama hat sie schon telefonisch vorgewarnt: „Ich bringe Arbeit mit nach Hause.“ Es wird Kuchen geben. Robert Gruber und Patrick Rupitsch helfen heute beim Pflücken.

Heute im Angebot.
- Blassnig Christoph

Seit 1986 darf die Lebenshilfe ein 2000 Quadratmeter großes Gartengrundstück in Debant bewirtschaften. Vor neun Jahren hat Bernadette Oberhuber die Geschicke im Grünen übernommen. „Wir bauen naturnah an. Ohne Spritzmittel und Gifte“, sagt Oberhuber. „Die Kunden kommen aus der direkten Nachbarschaft oder radeln aus der Stadt hierher, weil sie unsere Produkte und die Art des Anbaus zu schätzen wissen.“ Angefangen hat alles klein: Ursprünglich sollten die Küchen der Lebenshilfe-Einrichtungen ihren Bedarf an Obst und Gemüse aus diesem Garten holen. Neugierige haben über den Zaun gerufen: „Wir wollen auch!“ Schließlich ist ein Garten zum Selberpflücken entstanden, den Klienten der Arbeitsorientierung der Lebenshilfe bewirtschaften. Eingebettet in ein Wohngebiet, sei es eine Insel der Ruhe. „Wir nennen es unseren Freiraumgarten“, erklärt die Gartenleiterin, als sie den Weg von den Hügelbeeten mit Kräutern zu den Obstbäumen und einem natürlichen Hochbeet entlanggeht. Vor zwei Jahren ist die gesamte Gruppe nach Innsbruck gefahren, um das Gütesiegel „Natur im Garten“ entgegenzunehmen. So richtig stolz und glücklich seien sie gewesen.

Am 15. Oktober ist für die Gruppe Schluss. Das Grundstück wurde an eine Siedlungsgenossenschaft veräußert, die darauf Wohnbauten errichten wird. „Es wird noch einen Flohmarkt für Pflanzen und Gerätschaften und ein Fest geben, dann wird das grüne Paradies geräumt“, bedauert Oberhuber bewegt. Das heurige Erntejahr sei deshalb kein unbeschwertes mehr gewesen. „Wir hoffen einfach, dass wir irgendwo einen neuen Platz finden.“ Gespräche habe es zwar gegeben, bislang jedoch ohne Ergebnisse.

Trinkgeld kommt in die linke Kassa.
- Blassnig Christoph
Patrick beim Äpfelpflücken.
- Blassnig Christoph
Patrick (l.) und Robert mit einer unvollendeten Vogelscheuche.
- Blassnig Christoph



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