Printausgabe der Tiroler Tageszeitung vom Sa, 08.09.2018


Bezirk Kitzbühel

Kössener Familie verzweifelt: Ohne Dach über dem Kopf

Wegen eines geplatzten Wohnungskaufes droht eine Familie in Kössen schon bald auf der Straße zu stehen. Von Seiten der Gemeinde gibt es nur wenig Hilfe.

© MuarauerDie Familie Murauer (nicht im Bild der 14-jährige Sohn) vor dem verkauften Haus.Foto: Murauer



Von Harald Angerer

Kössen – Das hatte sich die Familie Murauer anders vorgestellt – ganz anders. Denn statt des Bezuges einer neuen Wohnung droht ihnen nun, auf der Straße zu landen. „Wir sind verzweifelt und die Zeit drängt“, schildert Thomas Murauer. Noch bewohnt er mit seiner Frau und den zwei Kindern (9 Monate und 14 Jahre) ein Eigenheim. Aber nur noch bis kommenden Freitag, dann müssen sie ausziehen. „Wegen andauernder Nachbarschaftsstreitigkeiten haben wir uns von dem Haus getrennt“, schildert Murauer. Geplant war der Umzug in eine Wohnung, doch gleich nachdem der Hausdeal abgewickelt war, scheiterte der Wohnungskauf. „Wir hatten schon den Kaufvertrag, aber der ist noch nicht unterschrieben. Alles war ausgemacht und jetzt hat der Verkäufer einen Rückzug gemacht. Als ich zu ihm gefahren bin, hat er gemeint, dass ihn der Verkauf nicht mehr interessiere“, schildert Murauer.

Warum das Haus verkauft wurde, noch bevor der Kaufvertrag für die Wohnung unterschrieben wurde? „Das hat mit der Finanzierung zu tun. Von der Bank gab’s erst die Zusage für die Finanzierung, nachdem der Hausverkauf fixiert war“, schildert der Familienvater. Rechtliche Schritte gegen den Wohnungsverkäufer wären möglich, sagt er, „aber das kostet Zeit und Nerven und die haben wir derzeit wirklich nicht“. Die Familie sucht nun verzweifelt eine Wohnung, das sei aber nicht so leicht. Deshalb hat Murauer bei der Gemeinde Kössen um Hilfe gebeten. „Es wurde uns eine Dreizimmerwohnung ab 1. Dezember angeboten. Aber das ist für uns einfach zu klein und auch zu spät“, sagt Murauer.

Es gäbe aber ein neues Wohnprojekt im Ort, wo noch Wohnungen frei wären. Doch die Vergabe liegt bei der Gemeinde und hier kommen die Murauers nicht zum Zug. „Wir sind erst vor drei Jahren aus Salzburg nach Kössen gezogen. Damit wir eine solche Wohnung bekommen können, müssten wir aber seit mindestens fünf Jahren in Kössen leben“, schildert der Familienvater die verzwickte Situation.

„Als Gemeinde sind wir natürlich verpflichtet, einer jungen Familie zu helfen“, sagt Kössens Bürgermeister Reinhold Flörl. Deshalb habe man der Familie auch eine Gemeindewohnung angeboten, diese sei ab 1. Dezember bezugsfähig. Eine schnellere Lösung gebe es leider nicht. Auch die Wohnungen in dem neuen Wohnprojekt könnten nicht vor Ende November bis Anfang Dezember bezogen werden. „Akut würde das also auch nicht helfen“, betont Flörl. Auch rechtfertigt er die Vergaberichtlinien. „Wir können nicht Richtlinien aufstellen und sie dann brechen, zudem gibt es eine große Nachfrage. Es sind noch drei bis vier Wohnungen zu vergeben, aber dafür gibt es viele Interessenten“, sagt Flörl. Die Familie Murauer hatte bereits vorher um eine solche Wohnung angesucht, doch da erfüllte sie gleich zwei Kriterien nicht, denn sie hatte noch Eigentum und wohnte nicht schon fünf Jahre im Ort. „Wir müssen hier streng sein, denn auch bei uns gibt es das Problem mit illegalen Zweitwohnsitzen“, erklärt Flörl.

Familie Murauer hat inzwischen die Suche bereits bis nach Kufstein ausgeweitet. „Wir haben ja ein gewisses Kapital, aber es ist nicht möglich, auf die Schnelle etwas zu finden“, erklärt Murauer. Auch in Kufstein sei man noch nicht fündig geworden. „Aber eigentlich wollen wir in Kössen bleiben. Unser Sohn geht in die Schule und auch meine Frau hat sich hier einen Freundeskreis aufgebaut. Wir wollen nicht schon wieder umziehen und das soziale Umfeld verlassen“, sagt Murauer. Er ist deshalb nun auf der Suche nach einer Ferienwohnung als Übergangslösung, bis man wieder eine fixe Bleibe findet.