Printausgabe der Tiroler Tageszeitung vom Sa, 08.09.2018


Bezirk Reutte

Schulstart im Außerfern: Direktoren suchen Lehrer aus

Alle Außerferner Pflichtschulen legten am Mittwoch mit 2254 Schülern und 350 Lehrern gemeinsam los. Schulverbünde nehmen zu: 27 Direktoren leiten 32 Volksschulen. Keine speziellen Deutschförderklassen.

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© Mittermayr Helmut



Von Helmut Mittermayr

Reutte – Gemeinsamer Start am Mittwoch, gemeinsame Herbstferien sowohl an Volksschulen, Neuen Mittelschulen und Polytechnikum – die Direktoren der Pflichtschulen haben sich im Außerfern diesmal bestens koordiniert. Die für die Bildungsregion Reutte zuständige Pflichtschulinspektorin Edith Müller sieht dies als Dienst an den Eltern, die damit besser planen können. Die weiterführenden Schulen begannen ebenfalls alle am Donnerstag. So blieb die Abstimmungsproblematik bei mehreren Kindern im Haushalt weitgehend aus.

Insgesamt starteten im Pflichtschulbereich 2254 Schüler und Schülerinnen ins neue Schuljahr. Betreut werden sie von 330 Pädagogen in Voll- und Teilzeit, was einen überraschend niedrigen Lehrer/Schüler-Quotienten von 6,8 ergibt. 320 Erstklässler betraten am Mittwoch mit großen Augen und Schultüte versehen erstmals ein Klassenzimmer. Das deckt sich mit der Bezirksgeburtenrate, um ein paar Zuzüge bereichert. Derzeit besuchen 1258 Kinder in 79 Klassen eine Volksschule. Die kleinsten Schülerzahlen scheinen in Zöblen (8) und Forchach (9) auf. Eine Schulschließung droht im ganzen Außerfern nirgends. So manche Kleinschule hat sich sogar entwickelt. Zählte die Volksschule Nesselwängle vor fünf Jahren noch elf Schüler, so sind es jetzt wieder 22.

Neu ist ein Volksschulenverbund im Lechtal. Der Bacher Direktor Thomas Bischof wird künftig auch Holzgau vorstehen. Weitere Verbünde bestehen schon in Vils/Musau, Lermoos/Biberwier und Tannheim/Nesselwängle/Zöblen.

An den sechs Neuen Mittelschulen wurden zu Schulbeginn 904 Schüler in 46 Klassen gezählt, was eine Durchschnittsschülerzahl von 19,6 ergibt. In den Volksschulen liegt sie mit 15,9 deutlich darunter. Den Pflichtschulbereich schließen schließlich noch 92 Polytechniker in fünf Klassen ab.

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Die von der Bundesregierung beschlossenen Deutschförderklassen, die mindestens acht Schüler aufweisen müssten, wird es im Außerfern heuer nicht geben. Die Mindestzahlen wurden laut Müller nirgends erreicht. Unter anderem auch deshalb, weil viele Flüchtlinge, die einen Asylstatus bekommen haben, nach dem Ausscheiden aus den Betreuungseinrichtungen den Bezirk mit ihren Familien verlassen haben, weiß Müller. Für heuer gilt prinzipiell noch eine Übergangsregelung. Müller findet es aber gut, wenn im kommenden Jahr ein einheitliches, standardisiertes Diagnoseverfahren vorliegt, das von allen gleich angewendet werden kann und subjektive Einschätzungen zurückdrängt.

Die Möglichkeit der alternativen Leistungsbeurteilung statt Schulnoten bleibt an Volksschulen nach wie vor in Kraft. Überhaupt eröffnet die Schulautonomie den Direktoren ganz neue Möglichkeiten. So können sie erstmals bei der Besetzung von Stellen mitreden, auch das Leistungsprofil definieren und Bewerbungsgespräche führen. Natürlich gilt weiterhin das Dienstrecht, aber es gerate vieles in Bewegung, schildert Müller. Ein erstes „Schrittle“ sei gemacht. In Bezug auf Schwerpunkte, Stundenkontingente, Klassen- und Gruppengrößen können Schulen nun viel selbstständiger agieren. Das durch viele Vorschriften geprägte Schulsystem werde offener und lasse mehr Autonomie zu. Natürlich steige damit auch die Verantwortung der Pädagogen, auch der Blick auf ihr Tun müsse nun geschärft werden.

Das Pädagogische Beratungszentrum (PBZ) Reutte hat im Zuge der Bildungsreform den wenig gängigen Namen „Fachbereich für Inklusion, Diversität und Sonderpädagogik“ bekommen. Hier wird künftig auch der Bereich Spracherwerb und Begabtenförderung angesiedelt. Geleitet wird es von Gabi Stoll, die mit fünf Mitarbeitern diese Sonderthemen abdeckt. Edith Müller freut sich, dass das Modell des PBZ Reutte de facto in ganz Österreich Eingang gefunden hat und als Vorbild umgesetzt wird.

Zu guter Letzt geht es Schulschwänzern, wie berichtet, nun an den Kragen – eigentlich ja den Eltern. Bisher gab es einen Fünfpunktekatalog, der von der Schuldirektion mit den Eltern je nach Eskalationsstufe in vielen Gesprächen aufwändig abgearbeitet werden musste, bevor Sanktionen möglich waren. Der administrative Aufwand wird nun viel geringer. Jetzt heißt es sofort bezahlen, sollte ein Schüler mehr als drei Tage unentschuldigt der Schule fernbleiben. Denn der Direktor ist verpflichtet, Anzeige zu machen. Der Strafrahmen bewegt sich für jedes Vergehen zwischen 110 und 440 Euro. Müller erklärt aber, dass es selbstverständlich auch jetzt „kein Drüberfahren“ geben und das Gespräch weiterhin gesucht werde. Manchmal seien auch andere Maßnahmen wie das Zuziehen von Schulpsychologie oder Jugendamt hilfreich und notwendig, wenn das Schwänzen eigentlich eine ganz andere, oft familiäre Problematik zu Tage fördere.


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