Letztes Update am So, 09.09.2018 07:08

TT / Tiroler Tageszeitung Onlineausgabe


Tirol

Spartan-Race in Oberndorf: Nur dreckig ein echter Held

10.000 Menschen gehen seit Freitag in Oberndorf beim Spartan Race an ihre mentalen und körperlichen Grenzen. Und es werden immer mehr.

© Dähling10.000 Menschen treten beim "Spartan Race" an.



Von Angela Dähling

Oberndorf – Wie ein Löwe kämpfen und sich dabei wie ein Schwein im Dreck suhlen. Unerbittlich die eigenen Grenzen ausloten und sie überschreiten. 10.000 Menschen aus 40 Nationen machen beim Spartan Race in Oberndorf seit Freitag genau das. Gestern traten 3000 von ihnen gegen „The Beast“ an.

So wird der schwierigste der drei Bewerbe genannt, welche die härtesten Spartaner alle hintereinander (genannt Trifecta) absolvieren. Die 23 km lange „Beast“-Strecke ist mit weit 42 Hindernissen für die meisten aber genug Quälerei. „Am schlimmsten war das Sandsacktragen: 27 kg auf einer über 1 km langen Strecke den Berg rauf- und wieder runterschleppen“, stöhnt Simon Wösch aus Augsburg, nachdem er schlammgebadet das Ziel erreicht hat.

In der Open-Air-Gruppendusche hat sich der Tscheche Michael Pavlik mit dem Schlauch abgespritzt. „Spartan Race hat mein Leben verändert“, sagt der Sport-Journalist, der wöchentlich rund 10 Stunden für den Bewerb trainiert. „Ich weiß jetzt, ich kann jede Veränderung und Herausforderung im Leben meistern“, erklärt er, was das Ausloten der mentalen und körperlichen Grenzen bei ihm bewirkt hat. Christoph Riedel aus Innsbruck ist einer jener, die sich in den Vorjahren auf der 5 km langen Sprintstrecke und der 13 km langen „Super“-Strecke bewährten. Gestern stellte er sich dem „Beast“, das ihn ab Kilometer 10 mit extremen Krämpfen quälte und ihn die EM-Quali verfehlen ließ. Dennoch strahlt er. Denn ins Ziel zu kommen, darum geht es.

Für die Härtesten (gekennzeichnet mit grünem Band) liegt Oberndorf auf dem Weg zu einem höheren Ziel: die Spartan Race Trifecta WM im griechischen Sparta. „Die Hindernisstrecken bei den 30 Bewerben in Westeuropa sind alle gleich“, weiß Veranstalter Helge Lorenz. Einst veranstaltete der Kärntner den Iron Man in Klagenfurt, seit 2015 widmet er sich dem Spartan Race. Damals gab es 6000 Teilnehmer. „Mit 10.000 ist jetzt das Limit erreicht“, sagt er. Heuer hat er erstmals selbst bei einem der zahlreichen Spartan Race mitgemacht und ist damit einer von einer Million Teilnehmern weltweit: „Ich war bei jenem auf Mallorca. Am härtesten war, mich zu überwinden, es zu tun“, sagt Lorenz, der am Iron Man auch selbst teilnahm. „Anders als beim Triathlon muss beim Spartan Race der gesamte Körper trainiert sein. Beim Triathlon sind etwa Griffkraft und Balance nicht erforderlich. Hier schon“, erklärt er. „ Ich fürchtete mich vorm Spartan Race, weil ich wusste, ich würde mindestens drei Aufgaben nicht schaffen und daher dreimal je 30 Liegestütze und Strecksprünge machen müssen“, erinnert er sich und lacht. So wie fast alle, die erschöpft, aber voll Adrenalin in Oberndorf ins Ziel kommen.

Dahinter haben die Einsatzkräfte des Samariterbundes ihre Station. 17 waren es gestern, inklusive vier Kollegen aus München und zwei vom Roten Kreuz. Überall entlang der Bewerbsstrecke sind sie stationiert. „Hinzu kommen 40 Bergretter und zehn Wasserretter“, ergänzt Helge Lorenz. Mehrfach müssen die Spartaner schwimmen und durch steiles Berggelände. „150 bis 160 Versorgungen haben wir da schon im Schnitt am Tag“, sagt Robert Lauf, Einsatzleiter beim Samariterbund. Bis zum frühen Nachmittag stehen unter anderem zwei Knöchelfrakturen, eine Schulterluxation und eine Platzwunde am Kopf auf der Liste der abgearbeiteten Einsätze. Die Samariter in der Region haben sich auf große Sportveranstaltungen und Konzerte spezialisiert und als einzige in Österreich einen Quad mit seitlicher Trageliege. 117 Veranstaltungen vom Hahnenkammrennen über die Biathlon-WM bis zum Gabalier-Konzert haben sie betreut. Da darf das Spartan Race in Oberndorf nicht fehlen.

Heute geht auf dem Veranstaltungelände als Finale des Spartan Race noch der Bewerb „Hurricane Heat“ über die Bühne - ein Teamportevent bei dem wiederum zahlreiche Aufgaben zu lösen sind.